13.04.2010 · Mit bis zu 15 Milliarden Euro soll sich der Internationale Währungsfonds am Hilfspaket für Griechenland beteiligen. Im IWF selbst wird verwundert registriert, dass mit dieser Faustformel Größenordnungen scheinbar festgezurrt werden - ohne genauen Blick in die griechischen Bücher.
Fachleute der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie griechische Regierungsvertreter haben in Brüssel begonnen, offene Fragen des am Sonntag beschlossenen Hilfspakets für Griechenland zu besprechen. Ein Sprecher der EU-Kommission betonte, es handle sich um technische Gespräche ohne politische Entscheidungen.
Die Finanzminister hatten dagegen am Sonntag erklärt, es werde über Bedingungen und die Kredithöhe gesprochen. Die Euro-Staaten haben sich bereit erklärt, Griechenland im Notfall mit Krediten von bis zu 30 Milliarden Euro zur Seite springen zu wollen. Offen aber ist die Höhe der Beteiligung des Währungsfonds an dem Paket.
In Brüssel kursiert seit dem EU-Gipfeltreffen vor zwei Wochen die Faustformel, dass der IWF sich an dem Paket zu etwa einem Drittel beteiligen soll; das liefe auf eine Kreditlinie des Fonds von bis zu 15 Milliarden Euro heraus. Dies entspräche rund 1600 Prozent der griechischen Kapitalquote beim Fonds und wäre deutlich mehr als in den jüngsten Vergleichsfällen. Die EU-Kommission wollte die Summe am Montag nicht bestätigen. Über das Ausmaß seiner Beteiligung müsse der Fonds selbst entscheiden, hieß es.
Faustformel ohne genauen Blick in die Bücher
Im IWF selbst wird verwundert zur Kenntnis genommen, dass mit dem Gerede über die Faustformel schon Größenordnungen scheinbar festgezurrt werden, ohne dass es einen genauen Blick in die griechischen Bücher gegeben habe. Üblicherweise verhandelt der IWF über Konditionen und Kredithöhe erst, wenn eine Kreditanfrage eines Landes geprüft wird. Athen hat bislang aber weder den IWF noch die Euro-Staaten um Hilfe gebeten.
Für den Fonds wäre eine Beteiligung in Höhe von bis zu 15 Milliarden Euro von der Höhe her nicht ungewöhnlich. In Ungarn und Rumänien war der IWF mit 12,3 Milliarden und 12,9 Milliarden Euro beteiligt. Die größte Kreditlinie, die der IWF bisher einem Land öffnete, betrug 48 Milliarden Dollar (rund 36 Milliarden Euro) an Mexiko im vergangenen Jahr. Diese Kreditlinie, die gerade um ein Jahr verlängert wurde, hat freilich rein vorbeugenden Charakter; Mexiko hat das Geld bislang nicht in Anspruch genommen.
Hilfspaket kann nur als Ganzes iN anspruch genommen werden
Die Euro-Gruppe hatte am Sonntag festgelegt, dass die bilateralen Kredite der Euro-Staaten höher verzinst werden müssen als ein IWF-Kredit und einen Satz von etwa 5 Prozent genannt. Der Fonds würde nach derzeitigem Stand für einen dreijährigen Kredit über 15 Milliarden Euro nach Berechnungen dieser Zeitung wohl etwa 3,4 Prozent Zinsen nehmen, wobei der Zinssatz im Zeitablauf schwankt. Die Euro-Staaten orientieren sich bei der Ermittlung ihres Zinssatzes an der üblichen IWF-Formel, legen aber im Gegensatz zum Fonds den Drei-Monats-Euribor zugrunde. Auf diesen wird ähnlich wie vom Währungsfonds ein Aufschlag von 300 Prozentpunkten erhoben.
In Brüssel heißt es, die Regierung in Athen könne das Hilfspaket nur als Ganzes in Anspruch nehmen, also nicht zuerst den IWF und später im Bedarfsfall die Euro-Staaten (zu höheren Zinsen) um Hilfe bitten. Bei der Durchsetzung von Kreditauflagen werde wie schon bei den Osteuropa-Hilfen eine enge Kooperation beider Seiten angestrebt.
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