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Hilfen für Griechenland Ökonomen sehen Gefahr für Euro-Stabilität

10.02.2010 ·  Der Fall Griechenland löst große Unruhe unter führenden Wirtschaftswissenschaftlern aus. Die Meinungen unter den Ökonomen sind gespalten, doch überwiegt die Kritik an möglichen EU-Hilfen.

Von Philip Plickert
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Der Fall Griechenland löst große Unruhe unter führenden Wirtschaftswissenschaftlern aus. Einige befürchten Gefahren für die langfristige Stabilität der Währungsunion, falls die Europäische Union, EU-Staaten oder die Europäische Zentralbank (EZB) dem hochverschuldeten Mittelmeerland unter die Arme greifen. Andere warnen hingegen vor schweren Verwerfungen, die durch Zahlungsschwierigkeiten oder gar einen Staatsbankrott der Griechen ausgelöst werden könnten. Die Meinungen unter den Ökonomen sind gespalten, doch überwiegt die Kritik an möglichen EU-Hilfen.

Der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing verwies auf die "No Bail Out"- Klausel im Maastricht-Vertrag. Diese verbietet, dass ein Schuldenstaat von den anderen gerettet wird. "Wenn diese Klausel verletzt wird, dann gibt es kein Halten mehr", warnte Issing. Weitere Kandidaten für Hilfen stünden dann schon vor der Tür. "Griechenland war das Land, das mit am meisten von der EU und dem Euro profitiert hat und das die Regeln am krassesten verletzt hat", kritisierte Issing. Wenn diesem Land geholfen werde, untergrabe dies die Anstrengungen anderer Euro-Staaten, ihre Defizite durch einen strikten Sparkurs zu senken. Die Regierung in Athen gibt für 2009 ein Haushaltsdefizit von fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an. Die Schuldenquote ist inzwischen über 110 Prozent des BIP gestiegen.

„Die Maastricht-Kritiker hatten leider recht“

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, sieht ebenfalls die Gefahr falscher Anreize durch Hilfen für die Griechen. "Helfen wir, dann müssen die Steuerzahler anderer Länder dafür aufkommen, dass Griechenland bewusst und jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat." Zunächst sollte daher das Ergebnis der scharfen Auflagen seitens der EU abgewartet werden. Als "Plan B" sollte eine Intervention des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwogen werden, der sich aber nicht in die Geldpolitik der EZB einmischen dürfe.

Der Ökonom Manfred J.M. Neumann von der Universität Bonn warnte vor Hilfen für Griechenland: "Die EU würde sich zum trojanischen Esel machen, wenn sie Schulden übernimmt." Dann stünden bald weitere Bittsteller vor der Tür. "Es war ein Fehler, Griechenland 2001 in die Währungsunion aufzunehmen", sagte die Göttinger Wirtschaftsprofessorin Renate Ohr. "Dieser Fehler wird nicht dadurch geheilt, dass wir nun versuchen, Griechenland um jeden Preis in der Währungsunion zu halten." Das Land müsse seine wirtschaftlichen Probleme selbst lösen, forderte Ohr. "Die Maastricht-Kritiker hatten leider recht damit, dass die Währungsunion zu viele heterogene Länder umfasst", meint sie. Eine Rettungsaktion würde die Stabilität des Euro untergraben. "Das würde Tür und Tor für weiteres unverantwortliches Finanzgebaren öffnen."

Warnungen vor Domino-Effekt

Andere Ökonomen warnten vor den Folgen, wenn Griechenland fallengelassen werde. "Die EU muss Griechenland retten, um einen Dominoeffekt zu verhindern", forderte der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sonst würden auch andere Staaten bald insolvent. Zugleich müsse man die Griechen unter die Finanzaufsicht der EU stellen, um sicherzustellen, dass sie den Gürtel enger schnallen. "Die Bedingungen, unter denen die Hilfe gewährt wird, sollten ähnlich hart formuliert werden wie jene, unter denen der Internationale Währungsfonds seine Hilfen zur Verfügung stellt", forderte Sinn.

Auch Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, warnte vor einem Dominoeffekt: "Andere Staaten wie Spanien, Italien und Portugal würden dann zu Spekulationsobjekten." Die Ungleichgewichte zwischen dem Kern und der Peripherie der Währungsunion würden sich verschärfen. "Alle Konvergenzhoffnungen müssten dann begraben werden", meint Straubhaar. Mögliche Hilfen könnten direkt über Kredite oder eine Euro-Anleihe kommen. Zugleich sieht Straubhaar eine höhere Inflation als Ausweg aus der Schuldenmisere: Die EZB müsse diese in Kauf nehmen. "Höhere Inflationsraten sind ein Teil der Kosten der wirtschaftlich starken Euro-Länder, mit denen ein Auseinanderbrechen der Währungsunion verhindert werden kann", sagte Straubhaar.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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