Die Ratingagentur Moody’s hat vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise zu einem Rundumschlag gegen die Bankenwelt ausgeholt. Sie stufte am späten Donnerstag insgesamt 15 große Kreditinstitute ab, darunter auch die Deutsche Bank sowie Bank of America, JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup und BNP Paribas.
Die abgestuften Banken seien in besonderer Weise den Risiken und der Volatilität des Kapitalmarkts ausgesetzt, erklärte der zuständige Moody’s-Experte Greg Bauer in New York. Er betonte allerdings, dass die Häuser auch Geschäfte besäßen, die stabilisierend wirkten. „Diese Aktivitäten können bedeutende ’Schock-Absorber’ sein.“
Im schlimmsten Falle ging es gleich drei Bonitätsnoten nach unten. Das traf allerdings nur auf die Credit Suisse zu, die von der zweitbesten Bewertung „Aa1“ auf ein noch gutes „A1“ abrutschte. Bei der Deutschen Bank ging es um zwei Stufen runter von einem guten „Aa3“ auf ein befriedigendes „A2“.
Die Zeiten sind selbst für die Crème de la Crème der Finanzwelt schwierig: Neben der Schuldenkrise und der mauen amerikanischen Wirtschaft lasten neue Vorschriften auf den Banken. Sie müssen mehr Kapital vorhalten und sich aus allzu riskanten Geschäften zurückziehen. Das alles schmälert den Gewinn. Tausende Mitarbeiter an der Wall Street oder in den Londoner Handelssälen mussten in der Folge bereits gehen.
Die Aktion von Moody’s belastet die Banken zusätzlich: Eine schlechtere Kreditwürdigkeit kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Zudem besteht die Gefahr, dass die Herabstufung die Kundschaft verunsichert - schlimmstenfalls gehen den Häusern damit lukrative Geschäfte durch die Lappen.
Citigroup reagiert scharf
Die Citigroup reagierte entsprechend scharf. Die Herabstufung sei „willkürlich und vollkommen ungerechtfertigt“, erklärte der Konzern noch in der Nacht. Moody’s schaue nur zurück und sehe nicht, welche Fortschritte die Bank gemacht habe. Die Citigroup gehörte zu den Instituten, die vom US-Steuerzahler während der Finanzkrise 2008 gerettet werden mussten.
Die Aktienkurse amerikanischer Banken gerieten am Donnerstag schon vor der Bekanntgabe der Abstufungen durch die große Kreditbewertungsagentur stark unter Druck. Die Kurse der Bankaktien fielen gemessen am Branchenbarometer KBW Bank Index um 2,3 Prozent.
Sorgen um eine weltweite Konjunkturabschwächung
Die Schwäche der Bankaktien trug auch zum Rückgang des breitgefassten Aktienmarktindex S&P 500 bei, der um 2,2 Prozent absackte. Belastet wurden die Aktienkurse auch von abermaligen Sorgen um eine weltweite Konjunkturabschwächung. Die amerikanische Notenbank Fed hatte am Mittwoch die Geldpolitik leicht gelockert, um der Wirtschaft neue Wachstumsimpulse zu geben.
Moody’s hatte im Februar angekündigt, die Kreditwürdigkeit von 17 großen internationalen Banken auf eine Abstufung zu prüfen und eine Frist bis Ende Juni gesetzt. Zu den Kreditinstituten gehörten fünf der sechs größten amerikanischen Banken und auch die Deutsche Bank.
Komplexe Bilanzen und hohe Verschuldungsgrad
Die meisten Sorgen machte sich Moody’s um das Kapitalmarktgeschäft der Banken, das zu komplexen Bilanzen und einem hohem Verschuldungsgrad geführt habe. Zudem seien die Bilanzen mit „undurchsichtigen Risiken“ belastet, die sich rapide verändern könnten. Für die Banken würde eine Herabstufung der Bonität deutlich höhere Kosten verursachen, weil sich ihre Refinanzierung am Kapitalmarkt dadurch verteuert.
Märchenhaftes Kapital
Günter Jäger (rohrbacher)
- 22.06.2012, 10:16 Uhr
Eine Website sagt mehr als 1.000 Worte
Alfred Neumann (aramis_13)
- 22.06.2012, 09:25 Uhr
"Die meisten Sorgen machte sich Moody’s um das
Kapitalmarktgeschäft der Banken"
Sophia Orti (rum)
- 22.06.2012, 08:55 Uhr
About CS: Wegen der hohen Boni erlaube ich mir, diese Meinung zu wiederholen...
ulrich hofer (refoh1)
- 22.06.2012, 08:10 Uhr