20.03.2010 · Petros Christodoulou will ohne Hilfen des Internationalen Währungsfonds auskommen. Wie er die 54 Milliarden auftreiben will, die das Land 2010 für Kredite bezahlen muss, erklärt der Schuldenmanager des griechischen Staates im F.A.Z.-Gespräch.
Petros Christodoulou muss für Griechenland in diesem Jahr 54 Milliarden Euro auftreiben. Das wird keine leichte Aufgabe für den neuen Generaldirektor der griechischen Public Debt Management Agency (PDMA).
Herr Christodoulou, im April und Mai muss Griechenland einen großen Teil seiner 2010 fälligen Kredite zurückzahlen. Wie groß ist die Last?
Wir haben zu Jahresbeginn bekanntgegeben, dass wir 54 Milliarden Euro für fällige Schulden finanzieren müssen. Davon haben wir bereits 18,5 Milliarden Euro aufgenommen. Wenn wir die 1,5 Milliarden Euro für eine dreimonatige Anleihe vom Januar ausnehmen, die im April ausläuft, haben wir bereits 17 Milliarden Euro plaziert. Nun werden vom 19. April bis Ende Mai 23 Milliarden Euro fällig. Wir haben einen Mittelzufluss aus dem Staatshaushalt, und zudem haben wir vor zwei Wochen 5 Milliarden Euro in einer zehnjährigen Anleihe plaziert. Damit haben wir Ende März eine positive Cash-Bilanz von 7 Milliarden Euro. Bis Ende Mai haben wir also nicht 23 Milliarden Euro aufzunehmen, sondern lediglich 16 Milliarden Euro. Im Juni folgen Fälligkeiten von 0,9 Milliarden, im Juli von 4,7 Milliarden und im August von 2,4 Milliarden Euro. Im letzten Quartal summieren sich die Fälligkeiten auf 2,7 Milliarden Euro.
An welche Investoren wenden Sie sich?
Die erste Option liegt in unseren Kernmärkten im Euro-Raum, die zweite Option ist eine weltweite Dollaranleihe. Wir werden mit Finanzminister Georgios Papconstantinou eine Verkaufstour in den Vereinigten Staaten, den Golfstaaten und in Asien machen, um diese Dollaranleihe zu plazieren. Wir hatten immer eine breite Basis von Euro-Anlegern, sie ist sogar breiter geworden. Früher hatten wir nur die klassischen Investoren von Regierungsanleihen angesprochen. Künftig werden wir aufgrund der größeren Zinsdifferenz auch für Anleger aus Schwellenländern interessant sein und für ertragsorientierte Investoren.
Weshalb die globale Dollaranleihe?
Die Idee ist, ein weiteres Segment von Investoren zu erschließen, das an den Dollar gebunden ist. Investoren, die beispielsweise in den Vereinigten Staaten keine Euroanleihe zeichnen. Damit eröffnen wir uns einen neuen Markt. Die Währung ist kein Thema, denn wir machen einen Tausch zurück in Euro.
Wie groß ist die Nachfrage für die nächste Emission?
Es hat bei der letzten Anleihe vor zwei Wochen viel Nachfrage gegeben, die nicht bedient werden konnte, vor allem aus den Vereinigten Staaten. Denn das Orderbuch wurde schon um 14 Uhr Athener Zeit geschlossen, bevor sich die amerikanischen Märkte beteiligen konnten. Viel Nachfrage blieb unbefriedigt. An diese Nachfrage wollen wir uns bei künftigen Anleihen wenden. Ich bin sehr zuversichtlich. Denn wir haben ein striktes Austeritätsprogramm verabschiedet.
Und doch blieben die Märkte skeptisch und zurückhaltend.
Wir hatten viel Lärm in den vergangenen drei Wochen in den Medien: Nachrichten über einen angeblichen Gang zum Internationalen Währungsfonds, über EU-Hilfe, die europäischen Politiker sprachen mal in die eine und dann in die andere Richtung. Es gab eine Vielzahl von Kommentaren in den Nachrichtenagenturen, die die Irritationen der Märkte nur erhöht haben. Nachdem Ministerpräsident Georgios Papandreou am Donnerstagabend erklärt hat, dass wir alles aus eigener Kraft machen werden, wird der Lärm aus dem Markt genommen. Wir werden dann in einem klareren Umfeld arbeiten können. Das wird die Zinsdifferenz zu den Bundesanleihen senken.
Wie wichtig sind die Märkte in China und am Golf?
Der Zeitpunkt der Vermarktungstour hängt von der zeitlichen Planung unserer Dollaranleihe ab. Die Vorarbeiten dafür werden Mitte April abgeschlossen sein. Die Roadshow wird danach erfolgen. Der logische Ort für eine Dollarplazierung ist in den Vereinigten Staaten. Dollar sind werden aber auch in anderen Teilen der Welt für Investitionen verfügbar: in Europa, dem Nahen Osten und in Asien.
Und Anleihen in Yen?
Uns ist Interesse für Yen-Anleihen signalisiert worden. Wir haben das wie andere Optionen geprüft, die uns vorgelegt worden sind. Zu diesem Zeitpunkt aber sagen wir: Wir sind ein Euro-Land. Wir müssen einen völlig funktionsfähigen Euromarkt einrichten, bevor wir andere Währungen in Blick nehmen. Mit der letzten Anleihe haben wir viel Glaubwürdigkeit gewonnen. Wir wollen den Markt nicht irritieren und ein Menu anderer Währungen präsentieren. Wir arbeiten deshalb gegenwärtig an keiner Yen-Anleihe.
Die Risikoprämie ist in den letzten Tagen wieder auf über 300 Basispunkte gestiegen. Weshalb geht die Risikoprämie nicht zurück?
Es hat die vielen Gerüchte gegeben, bezogen auf den IWF und auf die Hilfe der EU. Wir sagen aber: Das machen wir aus eigener Kraft, wir brauchen nicht die Hilfe der EU. Viele hatten es falsch ausgelegt und dachten, wir hätten mit Unterstützung Geld gemeint. Investoren waren irritiert, welche Art von Unterstützung wir gemeint hatten: Geld oder politische Unterstützung oder Garantien; wie können wir sagen, wir brauchen kein Geld und fragen doch nach Unterstützung? Diese Irritationen liegen nun hinter uns. Es wird nun weniger Kommentare dazu geben, und wir werden einen einwandfrei funktionierenden Markt haben, was zu niedrigeren Zinsaufschlägen führen wird. Man hatte uns gesagt: Ja, ihr macht das Richtige mit dem Sparprogramm, aber ihr habt eine Hürde mit den Fälligkeiten im April und Mai. Wenn diese Maßnahmen nun ziehen und es keinen großen Finanzbedarf mehr gibt, wird sich der Markt stabilisieren.
Welche Messlatte bei den Spreads peilen Sie an? Ist Irland der Benchmark?
Wir haben die gleichen harten Maßnahmen wie Irland angepackt. Wir meinen sogar, wir hätten mehr gemacht. Ich glaube, griechische Anleihen sollten nicht mehr als 50 Basispunkte über der Risikoprämie für Irland gehandelt werden. Das sollte uns auf unter 200 Basispunkte über die zehnjährigen Bundesanleihen bringen.
Ist die Risikoprämie fair? Welche Rolle spielen die Credit Default Swaps?
Niemand ist verpflichtet, uns gegenüber fair zu sein. Ich sage nicht, dass unsere Zinsdifferenz völlig dem CDS-Markt zugeschrieben werden kann. Aber er hat dazu beigetragen. Der CDS-Markt hat seine Bedeutung im Finanzsystem. Er hat nun solch eine Entwicklungsstufe erreicht, dass Investoren und Aufsichstbehörden auch ein Interesse daran haben, dass dieser Markt organisiert wird. Es sollten also alle Bewegungen auf dem CDS-Markt durch eine zentrale Institution erfasst und beobachtet werden.
Sie versichern also die Anleger, dass Sie aus eigener Kraft die Kredite zurückzahlen werden?
Ja. Ministerpräsident Papandreou und Finanzminister Papaconstantinou sprachen über Hilfe von der EU zur Reduzierung der Finanzierungskosten. Sie haben nicht nach Unterstützung in Form von barem Geld gefragt.
Ist der IWF weiter eine Option?
Ministerpräsident Papandreou sagte am Donnerstagabend, Griechenland werde weder vom IWF noch von der EU quantitative Hilfe annehmen, also Geld. Wir schaffen es allein. Option bedeutet Wahrscheinlichkeit, und diese Wahrscheinlichkeit gilt doch für jeden von uns.
Griechenland hatte in der Vergangenheit Swap-Instrumente benutzt, um Zahlungen in die Zukunft zu verschieben. Macht das Griechenland weiter?
Alle Schuldenverwaltungen benutzen Derivate. Das ist eine etablierte Praxis bei Staaten und bei Unternehmen. Damit kann man Einnahmen in die Zukunft verschieben. Als solches ist das nicht falsch. Was aber nicht zu empfehlen ist und was Eurostat gestoppt hat, ist etwas, was Griechenland und andere EU-Staaten praktiziert haben. Investmentbanken hatten davon in den meisten EU-Staaten extensiv Gebrauch gemacht. Sie kamen auch zu uns. Wir hatten es nicht erfunden. Die Statistikbehörde Eurostat hat nun von allen verlangt, dass die Swaps als Schuld ausgewiesen werden. Also greifen wir, wie alle anderen EU-Staaten, nicht mehr auf diese Praxis zurück. Griechenland hatte Eurostat aber stets über ihre Swaps in Kenntnis gesetzt, um zu sehen wie hoch die ausstehenden Schulden sind. Die Off-market-swaps sind nun über ihren Marktwert sichtbar.
Verbrieft Griechenland immer noch Leistungen, etwa den Anspruch auf künftige Subventionen oder aber die künftig anfallenden Flughafengebühren?
Auch diese Finanzierungen sind eine etablierte Praxis, verbrieft werden sichere künftigen Mittelzuflüsse. Das machen viele Schuldner: Staaten, Unternehmen und Banken. Wir wenden diese Finanzierungen gegenwärtig aber nicht an. Heute braucht der Markt klare, simple, stabile Finanzierungen ohne Mätzchen. Denn der Markt ist zu dem anderen Extrem gegangen, alles zu überanalysieren und sehr skeptisch zu sein gegenüber allen Instrumenten strukturierter Finanzierung.
Skeptisch sind auch die Kredibewertungsagenturen. Wenn Moody's Griechenland noch um zwei Stufen abstuften sollte, würde die EZB griechische Staatsanleihen zur Refinanzierung bald nicht mehr als Sicherheiten akzeptieren. Was hätte das für Folgen?
Der Druck liegt nun bei der griechischen Regierung und beim griechischen Volk, das Austeritätsprogramm umzusetzen. Erst Ende 2010 wird das relevant sein, Dann wird für die Refinanzierung bei der EZB die Bewertung A- relevant, derzeit reicht BBB+. Die EZB sollte sich allerdings nicht auf einzelne Kreditbewertungsagenturen und eine Gruppe von Analysten stützen, die entscheiden, ob eine Staatsschuld zu EZB-Refinanzierzungen berechtigt oder nicht. Das sollte ein Bewertungsprozess sein, den die EZB selbst macht. Oder die EZB sollte einen reibungslosen Prozess haben, um Sicherheiten verschiedener Bewertungsniveaus anzuerkennen, um nicht einem Sprung von A- auf BBB+ ausgesetzt zu sein. Das würde den Kreditbewertungsagenturen die Macht nehmen, die sie heute ausüben.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |