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Griechenland Wohl und Wehe hängt von den Ratings ab

23.12.2009 ·  Griechenlands finanzielles Wohl hängt von der Einschätzung einer Ratingagentur ab: Nachdem Fitch und S&P ihre Bonitätsnoten gesenkt haben, macht Moody's „eine kleine“ Herabstufung. Bei weiteren Schritten droht ein Anleiheausverkauf.

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Griechenlands finanzielles Wohl und Wehe hängt immer mehr von der Einschätzung einer einzigen Ratingagentur ab. Zwei Agenturen, Fitch und Standard & Poor's, haben bereits ihre Bonitätsnoten auf BBB+ gesenkt. Moody's hat am Dienstag zwar die Note um einen Schritt reduziert, hält sie aber mit "A2" zwei Stufen über dem Notenniveau der Konkurrenten.

Für Griechenland kann das noch wichtig werden, weil die Europäische Zentralbank bei den Finanzierungsgeschäften normalerweise nur Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptiert, die mindestens von einer Agentur ein "A-" (bei Moody's "A3") oder eine bessere Note trägt. Derzeit werden dank einer in der Finanzkrise eingeführten Regel auch Anleihen geringerer Qualität akzeptiert. Doch diese Ausnahme gilt nur noch bis Ende 2010.

Griechenland hat nun das niedrigste Rating aller Euro-Staaten

Würde bis dahin Moody's das Rating um zwei weitere Schritte senken und die anderen Agenturen ihre Noten belassen, kämen auf Griechenland große finanzielle Verwerfungen zu. Dann würden nicht nur die griechischen Staatsanleihen, die schon jetzt mit großen Kursabschlägen gehandelt werden, unter Verkaufsdruck geraten. Für den griechischen Staat wäre das mit noch höheren Finanzierungskosten verbunden. In die Bredouille gerieten auch die griechischen Banken. Sie haben in den vergangenen Monaten die niedrigen Leitzinsen genutzt, um sich im großen Stil mit Anleihen des eigenen Staates einzudecken.

Noch ist es allerdings nicht so weit. Die Herabstufung der griechischen Bonitätsnote von "A1" auf "A2" wurde am Dienstag auf dem Anleihemarkt sogar mit einiger Erleichterung aufgenommen. Viele Investoren hatten befürchtet, dass die Agentur das Rating um gleich zwei Schritte senken würde. Moody's teilte allerdings mit, dass das neue Rating mit einem "negativen" Ausblick versehen sei. Ein negativer Ausblick bedeutet, "dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie abermals herabstufen, in den nächsten zwölf bis 18 Monaten bei über 50 Prozent liegt", erklärte Sarah Carlson, führende Länderanalystin für Griechenland bei Moody's.

Griechenland hat nun das niedrigste Rating aller Euro-Staaten und steht mit seiner Kreditwürdigkeit auf einem Niveau mit Ländern wie Polen oder Botswana. Gleichwohl schätzt Moody's die kurzfristige Finanzierungssituation des griechischen Staates als unproblematisch ein. Es sei extrem unwahrscheinlich, dass Griechenland kurzfristige Liquiditäts- oder Finanzierungsprobleme bekomme, solange die EZB nicht die Herabstufung zum Anlass nehme, griechische Anleihen als Sicherheiten zurückzuweisen, heißt es in einer Moody's-Mitteilung. Das Risiko für einen solchen Schritt schätze Moody's als sehr gering ein.

Auf den Kapitalmärkten gewannen griechische Wertpapiere daraufhin deutlich an Wert. Der Leitaktienindex ASE, der seit Anfang November rund 15 Prozent an Wert verloren hatte, legte rund 4 Prozent zu. Vor allem griechische Bankaktien haben seit Mitte Oktober mehr als ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Am Dienstag legten die Anteilsscheine der börsennotierten griechischen Banken im Durchschnitt um fast 6 Prozent zu.

Anleihen des Landes handeln mit außergewöhnlich hoher Risikoprämie

Der Zinsabstand von zehnjährigen griechischen Papieren gegenüber Bundesanleihen gleicher Laufzeit, die als Messlatte für den europäischen Anleihemarkt gelten, verringerte sich um knapp 0,3 auf rund 2,50 Prozentpunkte. Das ist allerdings immer noch eine außergewöhnlich hohe Risikoprämie. Auch auf dem Markt für Kreditderivate bleibt die Skepsis gegenüber Griechenland groß. Die Absicherung einer Forderung gegen Griechenland ist beinahe so teuer wie auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise im vergangenen März. Damals kostete eine Kreditausfallversicherung bei einer Laufzeit von fünf Jahren jährlich bis zu 3 Prozent der versicherten Summe. In den vergangenen Tagen, als die Herabstufungen der griechischen Ratings begannen, waren diese Kosten wieder auf bis zu 2,9 Prozent gestiegen. Am Dienstag kam es nur zu einer geringfügigen Anpassung nach unten.

Die griechische Regierung versucht derzeit, Investoren und die Regierungen anderer Euro-Staaten zu überzeugen, dass sie das Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes bis zum Jahr 2013 auf die in der Europäischen Union erlaubte Obergrenze von 3 Prozent senken kann. Das Land konzentriere sich darauf, das Defizit zu reduzieren, und werde seine Anstrengungen verstärken, die Konjunktur zu beleben, erklärte das Finanzministerium. "Die Regierung weiß, was zu tun ist. Aber wir werden uns die Umsetzung sehr genau ansehen", sagte ein Sprecher von Moody's. Für eine langfristig erfolgreiche Stabilisierung Griechenlands sei es notwendig, dass die griechische Öffentlichkeit die Maßnahmen zur Schuldenbegrenzung akzeptiere.

Das scheint allerdings nicht selbstverständlich. Die neue Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat eine Reihe von Sofortmaßnahmen angekündigt. Es soll verstärkt gegen Korruption, Vetternwirtschaft und Steuerhinterziehung vorgegangen werden. Zudem soll das marode Rentenkassensystem Griechenlands durch Fusionen saniert werden. Gegen diese Pläne hat es in Griechenland bereits die ersten Streiks gegeben.

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