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Griechenland Nach Euro-Austritt würden Lebensmittel knapp

 ·  Bankanalysen halten einen Verbleib im Euroraum für Griechenland für vorteilhaft. Ein Austritt aus dem Euro müsste mit dem Austritt aus der EU einhergehen.

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An den Finanzmärkten werden mehrere Szenarien eines Verbleibs Griechenlands in der Währungsunion durchgespielt. Sollte Griechenland seine Hilfszahlung Ende September nicht erhalten, gehen Kapitalmarktbeobachter wie Nomura in der Londoner City davon aus, dass es in der Zeit von Oktober bis November zu einem Zahlungsausfall auf griechische Staatspapiere kommen könnte, noch bevor die nächst fällige Anleihe im Dezember getilgt werden müsste. Auch würde der griechische Staat zeitweilig Löhne und Renten nicht auszahlen können. Dennoch: Die Investmentbank Nomura glaubt, dass dies kein Drama sein müsse. Theoretisch könnte Griechenland selbst dann in der Währungsunion ausharren, wenn es einseitig verkündete, dass es seine Schulden nicht mehr bediene und einen massiven Schuldenschnitt vornehme, um seine Schuldenlast zu dezimieren.

Realistischer wäre es jedoch, wenn Griechenland in diesem Fall aus der Währungsunion ausschiede. Wollte Griechenland die Währungsunion von sich aus verlassen, müsste es mangels rechtlicher Vorschriften mit der Europäischen Union - und nicht mit der Währungsunion - eine Austrittsklausel verhandeln und diese ausüben. Dies wäre langwierig, unabhängig von den an den Kapitalmärkten eintretenden Verwerfungen. Davor warnt die UBS in einer Studie. Ein einseitiger Austritt Athens würde den Bruch des Vertrags von Maastricht, des Vertrags von Lissabon und der Römischen Verträge bedeuten. Kapitalverkehrskontrollen würden zudem einen Bruch zahlreicher anderer europäischer Verträge nach sich ziehen. Theoretisch müsste die griechische Regierung einen Austritt aus der Währungsunion und der Europäischen Union verhandeln und sofort danach den Wiedereintritt in die Europäische Union. Das könnte Jahre dauern.

All dies hätte nur einen Sinn, wenn es zu einem Schuldenabschlag von etwa 80 Prozent des Nominalwertes käme, schätzt Nomura. Da viele Banken ihre Anleihen bereits auf den Marktwert von 45 bis 50 Prozent abgeschrieben haben, würde ein Schuldenabschlag von 80 Prozent für deutsche Banken weitere Abschreibungen von 9 Milliarden Euro und für französische Banken von 16 Milliarden Euro nach sich ziehen. Banken anderer Länder wären weniger betroffen. Bei einem Schuldenabschlag von 80 Prozent würde die EZB auf ihre bisher am Markt aufgekauften griechischen Staatsanleihen einen Verlust von 22,5 Milliarden Euro erleiden. Zudem würden die Sicherheiten, die die EZB zur Absicherung der an griechische Banken ausgeliehenen Gelder in Höhe von 103 Milliarden Euro hält, auf 51 Milliarden Euro dezimiert. "Der Gesamtverlust der EZB von 75 Milliarden Euro müsste von den Mitgliedstaaten der Währungsunion ausgeglichen werden, würde die Verschuldung der Mitgliedstaaten aber nicht fundamental erhöhen", heißt es von der japanischen Investmentbank.

Die Einlagen griechischer Sparer würden zwangsumgetauscht

Für Griechenland wären die Folgen dramatischer. Sollte das Land aus dem Euro austreten und eine andere Währung einführen, würde das Land Beträge in Euro nur noch im Außenhandel erlösen. Diese Euro würden aber - vor allem bei drastisch reduziertem Handelsgeschäft - nicht zur Bedienung der Schulden ausreichen. Es würde mit Sicherheit zum Zahlungsausfall kommen, glaubt die UBS. Wahrscheinlicher sei, dass Griechenland den Zwangsumtausch seiner Euro-Schulden in - zum Beispiel - Drachmen verfügte. Dies würde nicht nur für den griechischen Staat einen Zahlungsausfall bedeuten, sondern auch für alle griechischen Unternehmen. Schließlich würden auch sie gezwungen, ihre Euro-Schuldverschreibungen und Kredite in Drachmen zu tauschen. Auch die Einlagen griechischer Sparer bei griechischen Banken würden zwangsumgetauscht. UBS glaubt, dass ein solcher Schritt nur mit Kapitalverkehrskontrollen und einer zeitweiligen Schließung des griechischen Bankensektors durchzuführen wäre. Umschuldungen von Argentinien und Uruguay zeigen, dass die Währung in der Regel um 60 Prozent abgewertet wurde. Nach Vorschriften der Europäischen Kommission müsste die EU gegenüber Griechenland bei einer solchen Abwertung Zölle von 60 Prozent einführen.

Damit die griechischen Banken mit ausreichend Kapital ausgestattet wären, würden die Institute möglicherweise dem Beispiel Argentiniens folgen. Dort wurden Fremdwährungskonten entsprechend der Währungsabwertung entwertet. Nomura glaubt, dass ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion von massiver Kapitalflucht begleitet würde. Die Kündigung von Kreditlinien gegenüber griechischen Unternehmen würde den Handel unterbrechen. Griechenlands Staatsdefizit würde zu Einfuhrschwierigkeiten und Energie- und Lebensmittelknappheit führen und zu einer höheren Arbeitslosigkeit. "Im Prinzip basieren die Argumente, dass Griechenland wieder wettbewerbsfähig werde, auf der naiven Betrachtung, dass die Währungsabwertung ohne andere Konsequenzen erfolgen könnte. Aber das trifft nicht zu", warnt Nomura. Der Tourismus und die Schifffahrt würden leiden, und die importierte Inflation würde steigen. "Deshalb glauben wir, dass ein Austritt aus der Währungsunion für Griechenland keine Option ist."

Stefan Bielmeier, der Leiter Volkswirtschaft und Research der DZ Bank, geht davon aus, dass Griechenland einen Verbleib im Euroraum anstrebt. Für den Fall eines Zahlungsausfalls Griechenlands sieht er aber nicht zwingend große Verwerfungen an den Finanzmärkten voraus, sondern hält sogar eine relative Ruhe für möglich, weil dann eine Unsicherheit von den Märkten genommen wäre. In diesem Fall würden die Gläubiger ihre Forderungen an Griechenland anmelden; außerdem müssten die griechischen Banken rekapitalisiert werden. Für wichtig hält Bielmeier eine gute Kommunikation, die darauf hinweist, dass Portugal und Irland mit ihren Sparbemühungen anders als Griechenland über den Erwartungen lägen.

In einer großen deutschen Kapitalanlagegesellschaft hat man die Szenarien für den Fall einer Insolvenz Griechenlands - mit Euro oder mit einer neuen Währung - durchgespielt. Für wahrscheinlich hält man einen Verbleib im Euro. Griechenland müsste seinen Gläubigern ein Umschuldungsangebot unterbreiten und die Staatsausgaben deutlich zurückfahren. Flankiert würde ein solches Szenario von "massiven Interventionen": einer Rekapitalisierung der griechischen Banken und dem Aufbau einer "Brandschutzmauer" durch die EZB, die für Stabilität an den übrigen Märkten der Peripherie sorgen müsste. Eventuell müssten Hilfen auf globaler Ebene organisiert werden.

Ein Austritt Griechenlands gilt als wenig wahrscheinlich und als katastrophal. Die Banken müssten geschlossen und Notgeld ausgegeben werden. Es bestünde die Gefahr, dass die Demokratie als Folge von Unruhen weggefegt werde.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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