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Griechenland-Hilfen Am Nasenring

16.04.2010 ·  Es ist nicht so, dass die Griechen am Kapitalmarkt kein Geld mehr bekämen. Sie müssten nur mehr bezahlen, weil ihr Risiko höher bewertet wird. Die Euro-Gruppe aber stellt für Griechenland einen Vorzugszins von 5 Prozent ins Schaufenster. Ein Test der Märkte sieht anders aus.

Von Holger Steltzner
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Wer sich von den Märkten treiben lässt, darf sich nicht wundern, wenn ihm die Investoren eine deftige Rechnung präsentieren. Das erlebt gerade die Euro-Gruppe. Wie man selbst abgebrühte Spekulanten in Schach hält, hätten die Amateure aus Brüssel vom Internationalen Währungsfonds in Washington lernen können. Dort berät man erst dann über die Konditionen für Hilfe, nachdem ein Land eine Finanzspritze beantragt hat. Die Euro-Länder versuchen es anders herum. Zuerst versprechen sie den von Schuld und Zinslast gebeutelten Griechen Hilfe. Um den Vertragsbruch (Nichtbeistandsklausel der Maastrichter Verträge) zu kaschieren, werden angeblich so hohe Hürden aufgebaut, dass selbst Griechenland nicht um Finanzhilfe bitten werde, solange sich das Land noch am Kapitalmarkt finanzieren kann.

Zwei Wochen danach stellt die Euro-Gruppe für Griechenland einen Vorzugszins von 5 Prozent ins Schaufenster, weil der Markt so frech war, "unmögliche" 7,5 Prozent von den Hellenen zu verlangen. Ein Test der Märkte sieht anders aus. Es ist nicht so, dass die Griechen am Kapitalmarkt kein Geld mehr bekämen. Sie müssten nur mehr bezahlen, weil ihr Risiko höher bewertet wird. Die Anleger nehmen die Subvention der Euro-Länder gerne an, sie streichen ihre Kursgewinne griechischer Anleihen ein. Die aktivsten Spieler an diesem Markt sind neben Hedge Fonds europäische Banken, die als größte Gläubiger der Griechen wohl schon wieder auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden. Ob aus Angst um Griechenland oder wegen fehlender Marktkenntnis - die Euro-Gruppe wird von den Spekulanten am Nasenring durch die Kapitalmarktarena geführt.

Noch gibt es keinen offiziellen Antrag der Griechen. Aber es besteht nach der Bitte um Gespräche mit dem IWF, der EU und der Europäischen Zentralbank kaum mehr ein Zweifel, dass sie das Hilfspaket aktivieren möchten, welches die Finanzminister der Euro-Länder am letzten Wochenende für sie geschnürt haben. Deutschland wird die Hauptlast tragen und allein fürs erste Jahr 8,4 Milliarden zahlen müssen. Das Schlimmste ist neben dem Vertragsbruch, dass die Griechen mit den Milliarden lediglich auslaufende Schulden bedienen. Weil sich die Fälligkeiten griechischer Anleihen wie Perlen auf einer Perlenkette über viele Jahre hinweg aufreihen, wird die erste Tranche nicht die letzte sein.

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Jahrgang 1962, Herausgeber.

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