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Griechenland Fundamentale Probleme nicht eingepreist

02.12.2009 ·  Nachdem die EU erklärt hat, Griechenland niemals fallen zu lassen, greifen die Anleger wieder zu hellenischen Staatsanleihen. Doch große Aussichten messen ihnen Analysten nicht zu.

Von Martin Hock
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Mit der Dubai-Krise kehrten auch andere Sorgen an die Anleihemärkte zurück. In Europa geriet vor allem Griechenland in den Fokus der Anleger. Marktteilnehmer beobachteten nervös, wie sich das fiskalpolitisch angeschlagene Griechenland angesichts seiner schwachen Konjunktur entwickeln wird, wenn die Europäische Zentralbank ihre extrem lockere Geldpolitik drosseln muss.

Nach dem Regierungswechsel Anfang Oktober hatte sich alsbald herausgestellt, dass die Neuverschuldung mit 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr doppelt so hoch ausfallen wird, wie die konservative Vorgängerregierung prognostiziert hatte. Auch erneute Schummeleien mit den Schuldenstatistiken hatten für Empörung gesorgt.

Das doppelte Defizit

Griechenland wird im kommenden Jahr mit einem Schuldenstand von fast 125 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Italien überholen und den höchsten Fehlbetrag aller Euroländer aufweisen.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, sieht in dem rapiden Anstieg der Staatsverschuldung durchaus einen Grund zur Besorgnis. Die Regierung in Athen müsse zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um das Defizit wieder unter Kontrolle zu bekommen, sagte Juncker am Dienstagabend nach dem Treffen der Finanzminister der 16 Euro-Staaten.

Beruhigung auf höchster Ebene

Dennoch bemüht sich die EU proaktiv für Beruhigung zu sorgen: Das Land stehe nicht vor dem Staatsbankrott. „Ich habe nicht den leisesten Verdacht, dass es bankrott gehen kann - wer darauf spekuliert, täuscht sich“, sagte Juncker.

EU-Wirtschaft- und Währungskommissar Joaquin Almunia hatte derartige Besorgnisse schon am Montag als unbegründet zurückgewiesen. Wegen der Unterstützung durch die Europäische Union werde Griechenland als Schuldner nie ausfallen.

Das heißt allerdings nicht, dass sich die Schuldenspirale nicht weiterdrehen wird. So will zwar die neue Regierung das Defizit im kommenden Jahr auf 9 Prozent reduzieren. Zudem hat die EU das Defizitverfahren verschärft und drückt auf einen noch stärkeren Schuldenabbau.

Doppelt steigende Zinsen

Doch könnte das Land demnächst nicht nur aufgrund eines höheren Zinsniveaus gezwungen sein, wieder höhere Zinsen für seine Anleihen bieten zu müssen. Denn die Kreditwürdigkeit Griechenlands an den Finanzmärkten hat sich deutlich verschlechtert.

So senkte die Rating-Agentur Fitch ihre Bonitätseinschätzung für die Anleihen Ende Oktober auf „A-“, eine Einstufung im unteren Bereich dessen, was für investmentwürdig befunden wird. Damit folgte die Agentur allerdings lediglich dem größeren Wettbewerber Standard & Poor's, der diesen Schritt schon im Januar getan hatte. Vergleichsweise positiv ist dagegen noch die um zwei Stufen bessere Beurteilung von Moody's mit „A1“, auch wenn diese in Frage steht.

Vergleichsweise gelassene Anleger

Die Anleger nahmen die Dinge allerdings vergleichsweise gelassen. Nicht etwa die Ankündigung eines doppelt so hohen Defizits und die Rating-Änderungen sorgten für höhere Renditen relativ zu Bundesanleihen, sondern erst die Ankündigung der EU, das Defizitverfahren zu verschärfen, die in der ersten Novemberhälfte erfolgte. Almunia setzte seinerzeit das Land „in Verzug“, eine Einstufung, die den letzten Schritt vor der Verhängung von Geldbußen darstellt.

Doch hat sich dieser Renditeaufschlag von wenig mehr als 2 Prozentpunkten in der laufenden Woche schon wieder deutlich auf 1,73 Prozentpunkte verringert, noch bevor er auch nur annähernd das Niveau vom Jahresbeginn bei mehr als 3 Prozentpunkten erreicht hatte.

Anlass waren nicht nur die beruhigenden Aussagen der EU-Offiziellen, sondern auch Berichte, dass Griechenland und China in Verhandlungen über einen Kredit stünden. Dennoch sind die Analysten der Commerzbank für griechische Anleihen eher pessimistisch gestimmt:

Die beruhigenden Worte überdeckten nur das Ausmaß der fundamentalen Probleme in einigen Teilen der Eurozone, nämlich das Fehlen von Wettbewerbsfähigkeit, finanzpolitischer Besonnenheit und Glaubwürdigkeit, die Existenz zu hoher Verschuldungsniveaus, ein zu hoher Konsum, anfällige Bankensysteme und vieles mehr. Selbst bei sehr niedrigen Zinsen und Liquiditätsspritzen würden diese Probleme nicht über Nacht zu lösen sein. Daher sei davon auszugehen, dass die Probleme immer wieder aufs Neue zutage treten und damit die Risikoprämien eher hoch bleiben würden. Selbst auf dem erhöhten Niveau vor einiger Tagen aber sei die Risikoprämie nur minimal gewesen.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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