17.12.2009 · Nach Fitch hat nun auch die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen gesenkt. Das setzt die Kurse am Donnerstag weiter unter Druck.
Von Martin HockNach Fitch hat auch die führende Rating-Agentur S&P ihre Note für die Kreditwürdigkeit Griechenlands gesenkt. Die Agentur stufte das Rating am Mittwoch auf BBB+ von A- herunter und warnte zugleich vor einer weiteren Senkung. Damit stuft nur noch Moody's die Bonität des Landes im A-Bereich ein, wobei auch hier eine Senkung wahrscheinlich ist.
Die Schritte des Landes zur Reduzierung des Defizits würden wahrscheinlich nicht zu einem nachhaltigen Abbau des Schuldenbergs führen, erläuterte S&P. Der Mittelmeerstat benötige bei der Reform seiner Finanzen ununterbrochene Anstrengungen über mehrere Jahre.
Enorme fundamentale Probleme
Nach dem Regierungswechsel Anfang Oktober hatte sich alsbald herausgestellt, dass die Neuverschuldung Griechenlands mit 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr doppelt so hoch ausfallen wird, wie die konservative Vorgängerregierung prognostiziert hatte. Auch erneute Schummeleien mit den Schuldenstatistiken hatten für Empörung gesorgt. Griechenland wird im kommenden Jahr mit einem Schuldenstand von fast 125 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Italien überholen und den höchsten Fehlbetrag aller Euroländer aufweisen.
Das Ausmaß der fundamentalen Probleme sei enorm, schrieben unlängst die Analysten der Schweizer Bank UBS. Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit seien untragbar, die Außenverschuldung liegt ein Drittel höher als die der angeschlagenen Baltenrepublik Lettland und absorbiere 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Regierung gibt sich selbstbewusst
Das Finanzministerium in Athen erklärte, Griechenland nehme die Bewertungen von Ratingagenturen zur Kenntnis. Es habe aber seine eigene Strategie, mit den Finanzproblemen umzugehen und werde daran festhalten. Ministerpräsident Georgios Papandreou hatte am Montag angekündigt, die Sozialausgaben zu kürzen und auf Bankerboni eine Steuer in Höhe von 90 Prozent zu erheben.
Diese Pläne waren allerdings mit Skepsis an den Finanzmärkten aufgenommen worden. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou gab sich am Dienstag allerdings überzeugt, dass es noch gelingen werde, die Märkte zu überzeugen. Die Umsetzung der Pläne in den kommenden Monaten werde beweisen, wie ernst es der Regierung in Athen mit der Reduzierung des Defizits sei. Trotz der dramatischen Haushaltslage stelle sich die Frage einer Rettungsaktion der EU nicht.
Große Widerstände gegen die Sparpolitik
Die innenpolitischen Ereignisse sprechen derzeit allerdings eine andere Sprache. Nach Ankündigung des Sparprogramms begannen landesweit Streiks. In Krankenhäusern wurden nur dringende Fälle behandelt. Seit dem frühen Donnerstagmorgen gibt es in Radio und Fernsehen keine Nachrichten mehr. Ein geplanter Streik der Besatzungen der Fähren wurde abgesagt, weil ein Gericht diesen für illegal erklärt hatte. Am Vortag hatten bereits die Lehrer gestreikt.
Indes hielten sich die zwei größten Gewerkschaften GSEE und ADEDY bisher noch zurück. Ihre Vorstände, die überwiegend von den Sozialisten kontrolliert werden, wollten der Regierung noch Zeit geben. Dennoch dürfte eine Abkehr von der Politik der verschwenderischen Politik der offenen öffentlichen Hand große Widerstände zu überwinden haben.
Als mahnendes Beispiel könnte Uruguay gelten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt das Land noch als „Schweiz Südamerikas“. Vor allem aber eine unbeweglicher und ineffizienter Staatsektor ließen das Land stetig zurückgefallen. Immer wieder scheitern Referenden über die Privatisierung staatlicher Unternehmen. Ein Großteil der Bevölkerung vertritt die Ansicht, das sollte auch so bleiben, sorgt er sich doch für möglicherweise auch nur vermeintliche Verteilungsvorteile nicht angemessen entschädigt zu werden. Die Reformerfolge werden mühsam erkämpft und der Weg ist lang und steinig. Das Rating könnte erneut gesenkt werden, falls der politische Rückhalt für die Umsetzung des Sparprogramms fehle, erklärte auch S&P.
Zweischneidige Privatplazierung
Am Anleihenmarkt hat Griechenland derzeit aber noch Kredit. Am Vortag plazierte das Land in einer nicht-öffentlichen Auktion bei vier griechischen Geldinstituten und der italienischen Banca IMI eine Anleihe im Volumen von zwei Milliarden Euro. Die variabel verzinste Anleihe mit Fälligkeit 2015 rentiert 2,5 Prozentpunkte über dem Sechsmonats-Euribor. Damit zahlt Griechenland 0,3 Prozentpunkte mehr als bei einer vergleichbaren festverzinslichen Emission.
„Eine Privatplazierung kann zu diesem Zeitpunkt ein zweischneidiges Schwert sein“, erläuterte Luca Cazzulani, Stratege für festverzinsliche Werte bei der Unicredit gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Einerseits zeigt es, dass Griechenland immer Käufer für seine Bonds finden kann, Aber der Markt könnte es auch als Anzeichen auffassen, dass sie nur noch diese Möglichkeit haben.“
Kurse fallen weiter
Griechenland werde im nächsten Jahr rund 40 Prozent des Finanzbedarfs im ersten Quartal beschaffen, sagte Papakonstantinou. „Das Anleiheprogramm wird kleiner ausfallen als 2009“, erklärte er. In diesem Jahr hat Griechenland Staatsanleihen im Volumen von 67 Milliarden Euro begeben. Ende Juni hatte das Land laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich insgesamt rund 248 Milliarden Euro an Anleihen im Umlauf.
Da mit der Herabstufung durch S&P zu rechnen war, fielen die Reaktionen am Morgen nicht so stark aus wie nach der jüngsten Senkung durch Fitch, die einen deutlichen Kursabsturz ausgelöst hatten. Besonders deutlich fiel der Renditeanstieg seit Monatsbeginn mit Aufschlägen von in der Regel mehr als einem Prozentpunkt im Bereich der Restlaufzeiten von weniger als sechs Jahren aus.
Am Donnerstag fallen die Kurse deutlich weiter, diesmal vor allem bei Restlaufzeiten von mehr als sechs Jahren. So fällt der Kurs der Im Oktober 2019 fälligen Anleihe in Stuttgart um 0,8 Prozent.
Sorge um Zentralbankfähigkeit
Der Risikoaufschlag auf griechische Staatsanleihen dürfte sich auch künftig weiter erhöhen. Für die im Juli 2019 fällige Anleihe bei 2,5 Prozentpunkten gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe und hat damit das Niveau vom April wieder erreicht. Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass auch die Höchststände vom Jahresanfang, als der Aufschlag mehr als 3 Prozentpunkte betrug, in absehbarer Zeit wieder erreicht werden.
Spätestens 2011 könnte Griechenland bei der Finanzierung der Staatsschulden stärker unter Druck geraten, wenn die EZB die aufgrund der Finanzkrise verringerten Ratinganforderungen an beleihungsfähige Anleihen wieder verschärfen dürfte. Sollte dann auch noch die dritte Ratingagentur Moody's ihr Rating gesenkt haben, könnten Banken griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten bei der EZB hinterlegen.
Armes Griechenland
Timo Strauß (green-magic)
- 17.12.2009, 13:51 Uhr