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Griechenland Anleiheemission gelingt

13.04.2010 ·  Griechenland kommt weiter an privates Geld. Allerdings war die jüngste Anleiheemission von der vorangegangenen Hilfszusage der anderen Euro-Mitglieder begünstigt. Die Griechen freuen sich gleichwohl über einen erträglichen Zins von knapp 5 Prozent.

Von Rainer Herrman, Christian von Hiller und Stefan Ruhkamp
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Der erste Test ist geglückt. Einen Tag, nachdem die Euro-Staaten ihre Hilfe über bis zu 30 Milliarden Euro konkretisiert haben, hat die griechische Regierung zwei kleinere Anleihen plaziert. Die Emission traf trotz deutlich reduzierter Zinsen auf hohe Nachfrage.

Griechenland könne sich weiter über die Anleihenmärkte finanzieren, sagte Finanzminister Georgios Papaconstantinou vor dem Parlament in Athen. Er bekräftigte, dass Griechenland nicht um die Aktivierung des Rettungspakets der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebeten habe. Die zwei Anleihen hätten gezeigt, dass ausreichend Nachfrage bestehe und Griechenland problemlos Geld aufnehmen könne.

Hohe Nachfrage

Mit dem Ergebnis der Auktion zeigte sich Papaconstantinou „mittelmäßig zufrieden“. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich in Washington zufrieden über die Plazierung der Griechenland-Anleihe. Sie würdigte den Zinssatz von unter 5 Prozent. In der Bundesregierung hieß es, die von den Finanzministern der Euro-Staaten am vergangenen Wochenende vorgenommenen Präzisierungen der Bedingungen der Hilfe für Griechenland hätten sich gelohnt.

Als Erfolg für die griechische Regierung werteten auch Marktkreise die Renditen von unter 5 Prozent. Die Staatsanleihe mit einer Laufzeit von sechs Monaten wird mit 4,55 Prozent verzinst. Bei der Emission mit der gleichen Laufzeit am 12. Januar hatte die Rendite bei 1,38 Prozent gelegen. Danach hatte sich die griechische Schuldenkrise jedoch zugespitzt. Für Laufzeiten von zwei Jahren hatten Käufer griechischer Staatsanleihen noch vor wenigen Tagen mehr als 7 Prozent Rendite gefordert. Die neue Anleihe war um das 7,7-Fache überzeichnet, im Januar betrug die Überzeichnung das 4,87-Fache.

Der IWF gibt einen Vorgeschmack

Der neue Titel mit einer Laufzeit von zwölf Monaten rentiert mit 4,85 Prozent nach 2,2 Prozent im Januar. Er war um das 6,5-Fache überzeichnet nach dem Dreifachen im Januar. Die Schuldenagentur hatte das Volumen der beiden Anleihen von jeweils 600 Millionen auf jeweils 780 Millionen erhöht und damit 1,56 Milliarden Euro erlöst. Überwiegend kauften Banken und Pensionsfonds aus anderen EU-Staaten und Griechenland.

Eine Diskussion hat in Griechenland die Aussage des geschäftsführenden Direktors des IWF, Dominique Strauss-Kahn, ausgelöst, der als „einzige Medizin“ zur Heilung Griechenlands eine Sanierung der Staatsfinanzen und Strukturreformen empfahl mit einer Senkung der Löhne, Gehälter, Preise und im öffentlichen Dienst Beschäftigten.

Die Aussage wird als „Vorgeschmack“ einer Konditionalität einer IWF-Hilfe interpretiert. Trotz der Krise und Lohnsenkung im öffentlichen Dienst war die Inflation im März von 2,8 Prozent auf 3,9 Prozent gestiegen. Strauss-Kahn will über eine interne Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands verbessern.

„PIIGS“ zeigen sich fester

Die Hilfszusagen an Griechenland - zu den 30 Milliarden Euro aus Europa könnten 15 Milliarden Euro vom IWF kommen, allein im ersten Jahr - haben auch die Anleihen anderer finanzschwacher Euro-Staaten gestützt. Die Kursgewinne von Anleihen aus Portugal, Italien, Irland und Spanien waren zwar deutlich geringer als die der griechischen. Sie hatten sich jedoch auch in den vergangenen Wochen stabiler gezeigt als die griechischen.

„Ein Überschwappen der Griechenland-Krise auf andere Euro-Länder ist nicht zu befürchten“, sagt Stephan Kuhnke, Leiter der auf Anleihen spezialisierten Fondsgesellschaft Bantleon. Die despektierliche Abkürzung „PIIGS“ für die Krisenländer Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien sei überzogen gewesen. „Wahrscheinlich reduzieren sich die PIIGS auf ein G.“

Er hält die Anleihen der finanzschwächeren Euro-Mitglieder für aussichtsreiche Anlagen. Allerdings seien nur die kurzen Laufzeiten bis zwei Jahre zu empfehlen - selbst die griechischen. Denn auf die kurze Sicht sei die Finanzierung des griechischen Staates gesichert.

Warnung vor zu viel Vertrauen

Anleger können trotz der jüngsten Kursgewinne zum Beispiel von portugiesischen Titeln mit zwei Jahren Restlaufzeit eine Rendite von 1,8 Prozent erwarten, knapp ein Prozentpunkt mehr als mit Bundesanleihen. In Griechenland versprechen Kurzläufer sogar 5 bis 6 Prozent Ertrag - sofern die Griechen ihre Schulden zurückzahlen.

Trotz solcher Renditen seien griechische Anleihen alles andere als das Schnäppchen des Jahres, warnt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. Wer jetzt griechische Anleihen kaufe, vertraue völlig auf die Deckung der anderen Euro-Länder und nutze diesen Fehlanreiz aus. Diese Spekulation werde aber nur über einen begrenzten Zeitraum aufgehen. Auf Dauer werde Griechenland nicht in der Lage sein, Zins und Tilgung für die übermäßigen Schulden aufzubringen.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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