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Globale Finanztransaktionssteuer Schäuble: Es wird an Amerika scheitern

22.05.2010 ·  Bundesfinanzminister Schäuble befürchtet, dass eine internationale Transaktionssteuer durch die Vereinigten Staaten verhindert wird. Die Bundesregierung werde sich dann für eine europäische Lösung stark machen, sagte der CDU-Politiker der Sonntagszeitung.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geht davon aus, dass die geplante globale Finanztransaktionssteuer durch die Vereinigten Staaten verhindert wird. „Ich fürchte, die Amerikaner wollen keine Finanztransaktionssteuer. An ihnen wird es vermutlich scheitern“, sagte Schäuble in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). Auf dem G20-Gipfel im Juni müsse geklärt werden, ob eine solche Steuer auf globaler Ebene eingeführt werde, forderte Schäuble. „Wenn nicht, wird sich die Bundesregierung für eine europäische Lösung stark machen“, sagte der Minister.

Schäuble warnte davor, die Entscheidung zu verschleppen. „Eines darf keinesfalls passieren: Dass wir drei Jahre diskutieren und dann nichts hinkriegen.“ Auch bei der Bankenabgabe und dem Leerverkaufsverbot sei rasches Handeln nötig. „Es muss etwas geschehen, sonst verliert die Politik ihre Glaubwürdigkeit“, sagte Schäuble.

Der Minister hatte am Freitag im Bundestag angekündigt, die Bundesregierung werde sich für eine Finanztransaktionssteuer in Europa einsetzen. Das gelte auch für den Fall, dass Großbritannien mit dem größten europäischen Finanzplatz London nicht mitziehe. Durch eine solche Steuer würden alle Geschäfte am Finanzmarkt mit einer geringen Abgabe belegt.

Der Berliner Koalitionspartner FDP lehnt die Steuer weiter ab. Nach Ansicht von FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger würde die Steuer die kleinen Sparer treffen. „Das wollen wir nicht“, sagte Homburger der „Berliner Zeitung“. Die FDP-Politikerin betonte, auch der Internationale Währungsfonds habe sich für die Aktivitätssteuer ausgesprochen, während er die Transaktionssteuer, die sämtliche Umsätze belastet, als nicht treffsicher bezeichnet habe. „Ich plädiere dafür, endlich das ins Auge zu fassen, was international eine Chance hat“, sagte Homburger.

Homburger betonte, der Koalitionsausschuss habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, sich beim G-20-Gipfel entweder für die Transaktionssteuer oder für die Finanzaktivitätssteuer einzusetzen. Die FDP sei nach wie vor der Meinung, dass die Finanzaktivitätssteuer das bessere Mittel sei, weil sie an den Gehältern und den Gewinnen von Managern und Banken ansetze.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist gegen überzogene Schritte im Kampf gegen die Euro-Krise. „Die Finanzmärkte sollten besser reguliert, besser beaufsichtigt werden, aber trotzdem noch den Marktkräften unterworfen sein“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Er warne davor, „mancher Hysterie nachzugeben und über das vernünftige Maß hinaus in einen Regulierungswahn zu driften“. Es könne nicht darum gehen, die Finanzmärkte zu bezwingen.

Der frühere Wirtschaftsminister wandte sich gegen nationale Alleingänge. „Wir müssen international abgestimmt die Frage der Hedgefonds und der Leerverkäufe lösen“, forderte er. Bei manchen Fragen sei es möglich, eine nationale Vorreiterrolle zu spielen. Bei anderen könne es allerdings „Sinn machen, zunächst die internationale Abstimmung zu suchen, um eine optimale Wirkung zu erreichen“. Dabei denke er vor allem an die Finanztransaktionssteuer.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier hält die Einführung einer Finanztransaktionssteuer für unverzichtbar. Diese Abgabe bringe deutlich mehr Geld in die staatlichen Kassen, als die von Union und FDP bevorzugte Abgabe auf Gewinne und Bonuszahlungen bei Banken, sagte Steinmeier der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir brauchen diese Einnahmen, um in die Zukunft zu investieren und den Sozialstaat zu sichern“, fügte Steinmeier hinzu. Er forderte die Bundesregierung abermals auf, sich international für diese Abgabe einzusetzen.

Bundestag und Bundesrat hatten den deutschen Anteil an dem 750- Milliarden-Euro-Paket am Freitag gebilligt. Berlin hat damit als erstes Euro-Land den umstrittenen Nothilfen zugestimmt. Die von Kanzlerin Merkel erhoffte breite Zustimmung des Parlaments blieb aber aus. Die schwarz-gelbe Koalition konnte die deutschen Kreditgarantien von bis zu 148 Milliarden Euro nur mit der eigenen Mehrheit durchdrücken. SPD und Grüne enthielten sich, die Linke stimmte dagegen.

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