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Geldpolitik EZB reagiert auf Inflationssorgen

17.05.2010 ·  Vergangene Woche hat die EZB erstmals in ihrer Geschichte Staatsanleihen der Euro-Länder gekauft. Jetzt fürchten sich alle vor Inflation. Die EZB versucht zu beschwichtigen. Sie hat nun angekündigt, das zusätzlich in Umlauf gebrachte Geld wieder abschöpfen zu wollen.

Von Stefan Ruhkamp und Tim Höfinghoff
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Ausmaß ihrer Stützungskäufe auf den Anleihemärkten genannt und ein Geschäft in gleicher Höhe angekündigt, mit dem das zusätzlich in Umlauf gebrachte Geld abgeschöpft werden soll. Bis zum vergangenen Freitag hat sie 16,5 Milliarden Euro für den Kauf von Wertpapieren auf „nicht funktionierenden Märkten“ bezahlt. Am Montag vergangener Woche hatte die EZB erstmals Staatsanleihen der Euro-Länder gekauft, um - laut ihrer Darstellung - ein Versagen der Märkte zu verhindern (siehe Notenbanken beginnen mit dem Kauf von Anleihen).

Durch die Käufe, die die EZB nach Auskunft von Anleihehändlern auch am Montag fortsetzte, hat sich die Geldbasis erhöht, die Banken potentiell in ein Vielfaches an Buchgeld verwandeln können. Um die Erhöhung der Zentralbankgeldmenge rückgängig zu machen, hat die EZB für diesen Dienstag ein Geschäft angekündigt, bei dem sie den Banken für eine Woche Titel anbietet, die mit maximal 1 Prozent verzinst sind. Die Banken können einen Zins bieten, zu dem sie das Geld einreichen, die höchsten Gebote kommen zum Zug. Ein ähnliches Geschäft wird es in der kommenden Woche geben. Will die EZB den Geldzufluss weiterhin absorbieren, der durch den Anleihekauf bewirkt wurde, muss sie jedes auslaufende Entzugsgeschäft durch ein neues ersetzen.

Vor der Ankündigung der EZB ist der Außenwert des Euro am Montag weiter gefallen. Beim Tagestief kostete ein Euro 1,2235 Dollar, das ist der niedrigste Wert seit vier Jahren. Nach der Veröffentlichung des unerwartet geringen Volumens der Anleihekäufe erholte sich der Euro im späten Geschäft auf mehr als 1,24 Dollar. Investoren sorgten sich nach Darstellung von Händlern jedoch weiter wegen der Folgen der europäischen Schuldenkrise.

Der Markt fürchte, dass die EZB als Auffangbecken benutzt werde und sich ihre Bilanz durch die Anleihekäufe verschlechtere, sagte Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank der F.A.Z. Zudem drohe immer noch eine Umschuldung in Griechenland, warnte Jürgen Michels, Chefvolkswirt Euroland der Citigroup. Ohne einen solchen Schnitt, der allerdings nicht unmittelbar bevorstehe, sei eine Erholung der griechischen Wirtschaft in Verbindung mit soliden Staatsfinanzen schwer möglich. Eine Umschuldung wäre eine Belastung für das labile europäische Bankensystem und könne die wirtschaftliche Erholung bremsen.

Günstig wirkte dagegen am Montag die Nachricht, dass Griechenland die erste Rate des Notkredits der Europäischen Union erhalten habe. Zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hatten die europäischen Regierungen erst in der vergangenen Woche ein Rettungspaket in Höhe von bis zu 750 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, um den Euro und die Finanzierungsbedingungen der finanzschwachen Euro-Staaten zu stabilisieren.

Seit der Verschärfung der Schuldenkrise im Februar hat der Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar rund 11 Prozent an Wert verloren. Ähnlich groß war die Abwertung in diesem Zeitraum gegenüber dem japanischen Yen sowie kanadischem und australischem Dollar. Der Goldpreis stieg am Montag auf ein Rekordhoch: Das Edelmetall kostete bis zu 1242 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In Euro waren es bis zu 1012 Euro. Gold gilt vielen Anlegern als Schutz gegen eine Geldentwertung.

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