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Frühzeitiges Sparprogramm Die Auferstehung der irischen Wirtschaft

08.09.2011 ·  Irland gewinnt Vertrauen zurück - mit harten Einsparungen. Anders als Griechenland gilt das Land nicht mehr als hoffnungsloser Fall.

Von Marcus Theurer, London
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Wer mit Danny McCoy spricht, der könnte meinen, in Irland sei ein Wirtschaftswunder geschehen. In Europa und Amerika geht die Angst vor einer neuen Bankenkrise und einem Rückfall in die Rezession um. Das Drama um den Euro nimmt kein Ende. Aber McCoy, der Generaldirektor des irischen Unternehmensverbands Ibec, beschreibt die Verfassung der irischen Wirtschaft kurz und klar als „sehr gut“. Das Exportgeschäft sei „stärker denn je“ und die Produktivität habe sich „dramatisch verbessert“, versichert der Wirtschaftslobbyist.

Klingt das zu schön, um wahr zu sein? Schließlich war Irland noch Ende 2010 der brisanteste Krisenherd in der Europäischen Währungsunion. Der internationale Anleihemarkt drohte dem Land den Kredithahn abzudrehen. Im November schnürten die anderen Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds deshalb ein Rettungspaket von 85 Milliarden Euro für die Iren, die mit einem völlig außer Kontrolle geratenen Immobilien-Boom zunächst ihre Banken und dann den Staat an den Rand des Ruins gebracht hatten. Nach Berechnungen der irischen Notenbank hat Irland seit dem Herbst 2008 vor allem durch den Kollaps des Immobilienmarkts Vermögensverluste von insgesamt 281 Milliarden Euro erlitten.

Wie der Finanzmarkt die grüne Insel heute einschätzt, ist an den gesunkenen Risikoprämien auf irische Staatsanleihen abzulesen: Anders als Griechenland gilt die kleine Inselrepublik den Anlegern zwar noch immer als heißes Eisen, aber offensichtlich nicht mehr als hoffnungsloser Fall. Die Rendite von Papieren mit zehnjähriger Laufzeit liegt heute um mehr als ein Drittel niedriger als vor zwei Monaten - und dies, obwohl sich inzwischen in Südeuropa die Euro-Krise weiter zugespitzt hat und die Ratingagentur Moody‘s die Bonitätsnote Irlands Anfang Juli auf das Niveau von Ramsch-Anleihen herabgestuft hatte. Der Markt erkenne zunehmend, „dass Irland die richtigen Schritte unternimmt“, sagte Patrick Honohan, der Gouverneur der Irischen Notenbank vergangene Woche.

Was hat Irland besser gemacht, als andere Euro-Krisenfälle wie Griechenland und Portugal? Ökonomen nennen vor allem zwei Erfolgsfaktoren: das sehr harte und frühzeitige Sparprogramm der Regierung und die in ihrem Kern flexible und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur des Landes. Mit dem Sparen hat Irland schon 2008 und damit lange vor den anderen Wackelkandidaten im Euro-Raum angefangen - ohne, dass es bisher zu Massenstreiks oder Unruhen wie in Südeuropa gekommen wäre. Nach Berechnungen des irischen Wirtschaftsforschungsinstituts ESRI hat Irland bis Ende vergangenen Jahres Kürzungen und in geringerem Umfang Steuererhöhungen von 14,7 Milliarden Euro vorgenommen. Bis 2014 will Finanzminister Michael Noonan noch einmal eine etwa gleichhohe Summe aus seinem Haushalt quetschen. Zusammen wären das rund 20 Prozent des irischen Bruttoinlandsprodukts - ein immenser Kraftakt.

Zugleich ist es Irland gelungen, seinen Exportmotor wieder in Gang zu bringen. Die Wirtschaft wächst wieder. In den ersten fünf Monaten des Jahres lag der Export von Pharma- und Medizintechnikprodukten, die zu den wichtigsten Säulen der irischen Wirtschaft zählen, um 14 Prozent über dem Niveau von 2010. Die irische Leistungsbilanz, also die Differenz zwischen Aus- und Einfuhr von Gütern und Dienstleistungen, wies bereits 2010 erstmals seit der Jahrtausendwende wieder einen Exportüberschuss aus, der dieses Jahr stark steigen wird. „Die Immobilienblase hat die tatsächliche Wettbewerbsfähigkeit Irlands nur vorübergehend überdeckt“, sagt der Ökonom Philip Lane, Professor am Trinity College in Dublin. Büromieten und Einstiegsgehälter sind stark gesunken, seit die verhängnisvolle Bauwut vor drei Jahren jäh endete.

Anders als Griechenland und Portugal verfügt Irland über eine starke Exportwirtschaft: Darunter sind viele Niederlassungen amerikanischer Großkonzerne wie Pfizer, Johnson & Johnson, Intel und Google, die nicht zuletzt vom umstrittenen irischen Niedrigsteuer-Regime angelockt wurden (F.A.Z. vom 27. August). Aber auch heimische Unternehmen wie die Fluggesellschaft Ryanair, der Baustoffkonzern CRH oder der Verpackungshersteller Smurfit Kappa sind international wettbewerbsfähig. Selbst im maroden und weitgehend verstaatlichten Bankensektor gibt es Hoffnungszeichen: Dem größten Finanzkonzern des Landes, der Bank of Ireland, gelang es im Juli, von privaten Investoren 1,1 Milliarden Euro frisches Kapital einzusammeln.

Es ist allerdings viel zu früh, um Entwarnung zu geben. Das Haushaltsdefizit erreicht dieses Jahr trotz des harten Sparprogramms noch immer rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und zählt damit zu den höchsten im Euro-Raum. Die Arbeitslosenquote liegt mit 14 Prozent auf Rekordniveau. Die Banken, die im Frühjahr vom Staat abermals rekapitalisiert wurden, hängen weiter am Liquiditäts-Tropf der Notenbanken, auch wenn die Abhängigkeit geringer geworden ist. Am irischen Immobilienmarkt fallen die Preise weiter und die Zahlungsausfälle privater Hypothekenschuldner steigen stark.

Vor allem aber ist das kleine Land auf Gedeih und Verderb vom Weltmarkt abhängig. Da Staatsausgaben, Unternehmensinvestitionen und privater Konsum weiter schrumpfen, wird der Aufschwung allein vom Außenhandel getragen. Aber in den Vereinigten Staaten, dem mit Abstand wichtigsten irischen Exportkunden, verdüstern sich die Konjunkturaussichten ebenso wie in Europa. Am Mittwoch senkte der IWF deshalb seine Wachstumsprognose für Irland. In diesem Jahr sei nur noch mit einem Plus von 0,4 statt bislang angenommenen 0,6 Prozent zu rechnen und 2012 mit einem Wachstum von 1,5 Prozent statt 1,9 Prozent. Danny McCoy, der Chef des Unternehmensverbands, glaubt, dass die Haushaltssanierung nicht mehr die größte Herausforderung für Irland ist: „Wir haben bewiesen, dass es uns ernst ist mit dem Sparen. Was der Finanzmarkt jetzt von uns erwartet, ist Wachstum.“

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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