Home
http://www.faz.net/-gqu-da0
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 23. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frage der Kreditwürdigkeit Ratingagentur zeigt Amerika die Gelbe Karte

18.04.2011 ·  Zum ersten Mal zweifelt die Ratingagentur S&P an der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten: Sie senkte den Ausblick für amerikanische Staatsanleihen auf „negativ“.

Von Patrick Welter und Tim Höfinghoff, Washington/Frankfurt
Artikel Bilder (3) Video Lesermeinungen (42)

Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), den Ausblick für amerikanische Staatsanleihen zu senken, sowie Gerüchte um eine Umschuldung Griechenlands haben am Montag die Aktienmärkte erheblich belastet. Denn S&P stellt die künftige Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt in Frage. Außerdem stiegen die Renditen für Staatsanleihen der europäischen Krisenländer, während die Diskussion um die Refinanzierung hochverschuldeter Euro-Länder den Wert des Euro drückte. Auch Kreditausfallversicherungen (CDS) für die europäischen Krisenländer verteuerten sich.

Der EuroStoxx 50 verlor 2,4 Prozent auf 2848 Punkte. Der deutsche Leitindex Dax gab um 2,1 Prozent auf 7026 Punkte nach. An der Wall Street in New York sackten die Kurse ebenfalls ab. Der Wert der europäischen Gemeinschaftswährung sank auf rund 1,42 Dollar. Gold war hingegen mit 1498 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie noch nie.

S&P hat den Ausblick für die Vereinigten Staaten zwar gesenkt, die beste Bewertungsnote „AAA“ für die Staatsanleihen aber aufrechterhalten. S&P begründete den schlechteren Ausblick mit dem signifikanten Risiko, dass die politischen Verhandlungen über einen mittelfristigen Defizitabbau erst nach den Präsidenten- und Kongresswahlen im Herbst 2012 zu einem Ergebnis kämen. Selbst dann würde es noch Jahre dauern, bis die Regierung den Schuldenstand stabilisiert hätte. „Es gibt mindestens eine Chance von 1 zu 3, dass wir unser Langfrist-Rating für die Vereinigten Staaten in den kommenden zwei Jahren senken könnten“, sagte Analyst Nikola Swann von S&P.

Griechische Staatsanleihen unter Druck

Es ist das erste Mal, dass S&P das erstklassige Rating der Vereinigten Staaten mit einem negativen Ausblick überhaupt in Frage stellt. Das Finanzministerium erklärte, die Agentur unterschätzte die Fähigkeit der Regierung, die fiskalischen Herausforderungen zu meistern. Im Kongress streiten Demokraten und Republikaner seit Monaten über die Sanierung der Staatsfinanzen. Präsident Barack Obama hatte sich erst vergangene Woche in die Debatte eingemischt mit einem Vorschlag, das Defizit über 12 Jahre um rund 4,4 Billionen Dollar zu verringern.

In der Größenordnung nähern sich die Demokraten damit republikanischen Vorstellungen an, über den Weg gehen die Vorstellungen weit auseinander. Eine Einigung auf die Restfinanzierung für das laufende Fiskaljahr kam nur unter dem Druck zustande, dass ansonsten Bundesbehörden hätten geschlossen werden müssen. Amerikas Defizit habe schon vor der Krise höher als in Großbritannien, Frankreich, Deutschland oder Kanada gelegen. Im Gegensatz zu diesen Ländern hätten die Vereinigten Staaten noch keine glaubwürdigen Schritte zur Haushaltskonsolidierung ergriffen.

Umschuldung im Sommer?

An den europäischen Anleihemärkten gerieten besonders griechische Staatsanleihen unter Druck. Ihre Kurse sanken, im Gegenzug erhöhten sich ihre Renditen. Hintergrund ist, dass eine griechische Tageszeitung gemeldet hatte, dass Griechenland die Europäische Union (EU) sowie den Internationalen Währungsfonds um eine Restrukturierung seiner Schulden bitte. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Griechenland werde nach Einschätzung von Teilen der deutschen Bundesregierung nicht ohne Umschuldung über den Sommer kommen. Das griechische Finanzministerium und die EU-Kommission dementierten die Berichte. Die Rendite der zweijährigen griechischen Anleihen kletterte bis auf 20 Prozent.

Zum Vergleich: Zweijährige deutsche Staatsanleihen rentieren mit 1,75 Prozent. Die zehnjährigen portugiesischen Anleihen rentierten mit bis zu 9 Prozent - das ist so hoch wie noch nie seit der Euro-Einführung. Auch zehnjährige spanische Staatsanleihen gerieten unter Druck. Ihre Rendite stieg auf 5,6 Prozent, damit blieben die Papiere allerdings deutlich unter den Höchstständen vom Januar.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Sonne am Markt

Von Holger Steltzner

Die Regierung muss Strom aus Sonne, Wind oder Biogas endlich an den Markt heranführen. Es sollte nicht länger derjenige belohnt werden, der möglichst viele teure Anlagen installiert, sondern derjenige, der Strom aus erneuerbaren Quellen günstiger als andere produziert. Mehr 2 13

23.02.2012 09:25 Uhr
  Vortag
Dax 6.851,79 +0,12%
 OK
Umfrage

Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.