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Finanzmärkte Sorge um schwache Euro-Länder belastet Aktienkurse

28.04.2010 ·  Die Ratingagentur S&P senkt am Dienstag nach den Noten für Griechenland und Portugal nun auch die für die Kreditwürdigkeit Spaniens. Staatsanleihen und Aktien stehen unter Verkaufsdruck, der Eurokurs fällt.

Von Alexander Armbruster, Bettina Schulz (London) und Tim Höfinghoff
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Aufgrund der gestiegenen Furcht der Investoren, dass Griechenland seine Schulden nicht tilgen könnte, sind die Kurse griechischer Staatsanleihen weiter gefallen.

Zweijährige Titel rentierten am Mittwoch zum Handelsende mit 16 Prozent, nachdem sie im Tagesverlauf sogar mit 24 Prozent rentiert hatten.

Herabstufung von Spanien drückt

An den Aktienmärkten sanken die Kurse. Der Eurostoxx 50 gab um 1,77 Prozent auf 2788 Punkte nach. Der Dax fiel in den letzten Handelsminuten noch einmal deutlich, als die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) bekannt gab, auch die Kreditwürdigkeit Spaniens von „AA+“ auf „AA“ herabgesetzt zu haben. Zudem gab die Agentur einen negativen Ausblick.

Das bedeutet, dass weitere Senkungen der Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Landes möglich sind. Dennoch hat Spanien damit noch immer die drittbeste Note inne, die die Agentur zu vergeben hat.

Teure Versicherungen

Damit setzten die Kurse die negative Entwicklung des Vortages fort. Am Dienstagnachmittag hatte S&P die Bonitätsnote Portugals gesenkt. Das hatte den Druck auf die Kurse portugiesischer Anleihen verstärkt, die schon den ganzen Tag gefallen waren. Zudem hatte die Agentur die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf Ramschniveau herabgestuft. Die Ratingagentur äußerte die Auffassung, dass die Besitzer griechischer Anleihen die Hälfte ihres angelegten Geldes verlieren könnten, sollte das Land zahlungsunfähig werden.

Wer sich am Mittwoch gegen diesen Zahlungsausfall versichern wollte, musste dafür ebenfalls mehr bezahlen: Die Absicherung einer fünfjährigen griechischen Staatsanleihe kostete rund 757.000 Euro je Jahr bezogen auf ein Volumen von 10 Millionen Euro. Vorübergehend lag diese Prämie am Mittwoch sogar knapp über 810 000 Euro. Die Absicherung einer entsprechenden deutschen Bundesanleihe kostete demgegenüber eine Jahresgebühr von 49.400 Euro.

Unsicherheit stark gestiegen

Anleger fragen sich nun abermals, ob die Schuldenkrise Griechenlands auf weitere Euro-Länder übergreifen und nicht nur die Renten- sondern verstärkt auch die Aktienmärkte unter Druck bringen wird. „Am Aktienmarkt herrscht große Unsicherheit“, sagt Christian Schmidt von der Helaba, „die Schwankungsbreite hat deutlich zugenommen.“

Seiner Einschätzung nach ist die Wahrscheinlichkeit für weitere Kursrückgänge erheblich gestiegen. Inzwischen habe die Mehrzahl der Unternehmen ihre Quartalsergebnisse vorgelegt. „Die Zahlen haben zu 80 Prozent über den Erwartungen gelegen, doch die guten Ergebnisse sind auch schon in den Aktienkursen eingepreist.“

Damit sinke das Potential für weitere Zugewinne am Aktienmarkt. Mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Griechenland und Portugal sei „eine Spirale in Gang gesetzt worden, die dazu führt, dass Anleger nun verstärkt ihr Geld in Sicherheit bringen“.

Londoner Banker geben sich gelassen

In der Londoner City haben sich Analysten und Fondsmanager unterdessen von den schlechten Nachrichten nicht beirren lassen. Die Fondsgesellschaft Ashmore sieht Turbulenzen und schwächere Notierungen an den Märkten eher als Kaufgelegenheit: „Nur wenn ein plötzlicher Zahlungsausfall Griechenlands die Märkte überrascht, wird dies kurzfristig zu drastischen Portfolioanpassungen führen.“ Dies sei aber wenig wahrscheinlich.

Sollte Griechenland in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein, die Anforderungen der jetzigen Geldgeber zu erfüllen, würden die Fondsmanager dies rechtzeitig erkennen und sich sukzessive umstellen. Die Unsicherheit dieser Situation werde die Märkte dann allerdings belasten. Wahrscheinlicher sei, dass es zu einer den Märkten rechtzeitig signalisierten Umschuldung mit „moderaten Schuldenabschlägen auf die Anleihen“ kommen werde. Dies würde die Märkte – und dabei blickt Ashmore auf die Schwellenländer – nur mittelmäßig belasten und sei im Zweifel eine Kaufgelegenheit.

Übertriebene Reaktionen?

Goldman Sachs verlautbarte, die Reaktion der vergangenen Tage sei übertrieben. „Wir haben in den letzten Wochen empfohlen, die Risiken etwas zu reduzieren. Mittelfristig aber wird sich unseres Erachtens nach nichts an dem positiven Bild, getragen durch starkes Wachstum und immer noch hohe Liquidität, ändern“, teilte die amerikanische Bank mit. Die kurzfristigen Turbulenzen an den Märkten würden eher gute Einstiegsmöglichkeiten für konjunkturabhängige Positionen bieten. Die Bank betont, dass Griechenland weitgehend ein Sonderfall in Europa sei.

Die ebenfalls amerikanische Bank JP Morgan äußerte, Aktien würden zwar langsam über ihrem fairen Wert notieren, kurzfristig sei aber zu erwarten, dass die Märkte nach oben übertreiben. Interessant sei der Aktienkauf von Unternehmen, die Baumaterialien, Autos, Metalle, Transportmittel und Technologie herstellen.

Angeschlagener Euro

Am Devisenmarkt ist der Euro auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gesunken. Ein Euro kostete 1,3136 Dollar. „Der Euro bleibt angeschlagen“, sagt Lothar Hessler, Volkswirt der Bank HSCB Trinkaus. Die europäische Gemeinschaftswährung leide, weil immer noch unklar sei, in welcher Form eine Finanzrettung für Griechenland stattfinde.

Im längerfristigen Vergleich ist der Euro gegenüber der amerikanischen Währung allerdings nicht schwach. „Gemessen an der Kaufkraftparitätentheorie ist der Euro noch leicht überbewertet und müsste etwa 1,20 Dollar kosten,“ sagt Hessler.

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