10.02.2010 · Sich verdichtende Hinweise auf finanzielle Hilfen für Griechenland haben die Kapitalmärkte beruhigt und die Anleihekurse der finanzschwachen Länder gestützt. Für die Spekulation auf eine Verschärfung der Schuldenkrise ist das aber nicht mehr als ein Dämpfer.
bes./ruh. LONDON/FRANKFURT, 10. Februar. Die Aussicht auf finanzielle Hilfen für Griechenland hat die Spekulation auf eine Verschärfung der Schuldenkrise gebremst. Nachdem die Kurse griechischer, portugiesischer und spanischer Anleihen sich schon am Dienstag erholt hatten, ging es am Mittwoch zunächst kräftig weiter nach oben, ehe am Nachmittag eine Gegenbewegung einsetzte. Deutsche Anleihen dagegen verloren kräftig an Wert. Am Aktienmarkt schloss der Dax 0,7 Prozent höher bei 5536 Punkten.
Griechische Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit verteuerten sich um mehr als 3 Prozent, wodurch die jährliche Rendite auf knapp 6 Prozent fiel. Auf dem Höhepunkt der Verunsicherung lag der Wert vor einigen Tagen bei mehr als 7 Prozent. Inzwischen ist der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen von 4 auf weniger als 3 Prozentpunkte gefallen. Zeitweise betrug der Abstand am Mittwoch nur noch 2,6 Prozentpunkte. Das war eine Verringerung um rund 0,8 Prozentpunkte, was Händler als außergewöhnlich starke Tagesveränderung bezeichneten.
Doch die Gegenbewegung vom Nachmittag ließ die Risikoprämie wieder auf 3 Prozentpunkte steigen. Ursache seien Gewinnmitnahmen, aber auch der Argwohn, dass die von Politikern angedeuteten Hilfen für Griechenland nicht tragfähig seien, berichteten Händler. Portugal nutzte die Gunst der Stunde und einigte sich mit seinen Konsortialbanken darauf, einen Aufschlag von nur 1,4 Prozentpunkten für seine zehnjährige Anleihe in Höhe von 3 Milliarden Euro zu zahlen. Die Emission war vierfach überzeichnet. Ursprünglich war Portugal bereit gewesen, bis zu 1,5 Prozentpunkte zu zahlen.
Auf dem Devisenmarkt überwog die Skepsis. Der Euro fiel auf ein Tagestief von 1,3677 Dollar gehandelt, 0,7 Prozent niedriger als am Vorabend. "Voraussichtlich wird es eine Vereinbarung geben, dass Griechenland im Prinzip geholfen wird, aber das wird nicht die Erwartungen eines umfassenden Hilfspaketes erfüllen", warnt Goldman Sachs. Bei der Deutschen Bank verweisen Analysten auf die Geschichte. Extrem hohe Haushaltsdefizite und Schulden hätten immer in einer Verkaufswelle auf den Anleihemärkten geendet. "Eine Absicherung gegen diese Risiken durch Leerverkäufe an den staatlichen Anleihemärkten war daher für uns eine Notwendigkeit." Die Krise um Griechenland und andere südeuropäische Länder sei nur der Anfang. "Das große Ende der Krise in diesem Jahrzehnt mit seinen Superblasen steht uns noch bevor, und der Katalysator wird eine Verkaufswelle an den staatlichen Anleihemärkten sein", heißt es in der Studie. Für Investoren sei zunächst die Spekulation gegen Länder der Währungsunion am leichtesten, werde auf Dauer aber auf Großbritannien und die Vereinigten Staaten übergreifen.
Die Zahlen der amerikanischen Commodities Futures Trading Commission (CFTC) zeigen, dass sich Investoren und Spekulanten auf den Devisenmärkten gegen den Euro positioniert haben. Seit Erhebung der Daten hielten noch nie so viele Marktteilnehmer so hohe Positionen gegen den Euro wie in der Woche bis zum 2. Februar: Die Netto-Verkaufspositionen sind von 39 500 auf 43 700 Kontrakte gestiegen, ein Rekord. ETF Securities berichtet, dass Spekulationen gegen den Euro mit Hilfe von börsengehandelten Indexfonds auf den Short Euro Index in diesem Jahr bis zum 5. Februar schon eine Rendite von 4,8 Prozent eingebracht haben.
Auch die Spekulation gegen das Pfund wurde ausgeweitet. Hier stieg die Position der offenen Verkaufskontrakte nach Angaben der CFTC von 27200 auf 34 000 Kontrakte. Viele Investoren vermuten, dass es bei der kommenden Parlamentswahl keinen klaren Sieger geben könnte und dass in der dann gelähmten politischen Situation ein Abbau des Haushaltsdefizits auf die lange Bank geschoben werden könnte. Bei Vorlage des Inflationsberichts warnte Notenbankgouverneur Mervyn King am Mittwoch vor dem überraschend hohen strukturellen Defizit, das dringend reduziert werden müsse. Die Deutsche Bank vermutet, dass Großbritannien im Frühsommer bei einem politischen Patt das nächste Spekulationsziel sein könnte.
Andere Marktteilnehmer nennen dagegen Spanien als nächsten Wackelkandidaten. Credit Suisse hält Spanien sogar für ein größeres Risiko als Griechenland. Unternehmen und private Haushalte seien besonders hoch verschuldet, das Leistungsbilanzdefizit überhöht. Zudem sei eine Hilfe für Spanien wegen der Größe des Landes weitaus schwieriger als für Griechenland, heißt es in einer Studie.
Seit Wochen versuchen Marktakteure, die Schwäche der Währungsunion auf den Anleihe-, Derivate- und Devisenmärkten auszunutzen. Viele Investoren verwenden dazuEuro-Verkaufsoptionen gegenüber anderen Währungen, zum Beispiel dem Dollar, dem kanadischenDollar und dem australischen Dollar. Da seit der Erholung des Bankensektors zudem wieder Kapital in Länder wie Norwegen oder Schweden fließt, versuchen manche Investoren die fiskalpolitisch solidere Situation dieser Länder gegenüber dem Euro-Raum auszunutzen. Sie gehen Leerverkaufspositionen gegen den Euro zugunsten der schwedischen und norwegischen Krone ein.
Um Entwicklungen auf den Kreditmärkten auszunutzen, setzt Goldman Sachs auf eine Verschlechterung der Konditionen von Italien gegenüber Frankreich und spielt dies über Transaktionen am Markt für fünfjährige Kreditabsicherungen, den Credit Default Swaps (CDS). Die Hoffnung auf eine Stützung Griechenlands erwischte manche Spekulanten auf dem falschen Fuß. Der Risikoaufschlag für eine Absicherung griechischer Staatsschulden gab auf 3,57 Prozentpunkte nach. Am 4. Februar hatte der Risikoaufschlag mit 4,28 Prozentpunkten einen Rekord erreicht. Die kurzfristige Entspannung auf den Märkten spielt Investoren in die Hände, die überzeugt waren, dass die Risikoprämien stark gestiegen waren. So haben Fondsmanager von Schroders seit zwei Monaten Positionen in griechischen Staatsanleihen aufgebaut, da ihrer Meinung nach in den Marktkonditionen schon ein Zahlungsausfall mit einem Verlust von 23 Prozent der Ansprüche kompensiert ist.
Der Dämpfer für die Spekulation gegen die finanzschwachen Euro-Länder dürfte bei vielen Banken Erleichterung auslösen. Denn die Schuldtitel des griechischen Staates und der griechischen Unternehmen liegen zu einem guten Teil bei ausländischen Banken. So haben deutsche Banken Forderungen über rund 30 Milliarden Euro. Rechnet man Forderungen gegen Portugiesen, Iren und Spanier hinzu, erreichte der Wert nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gut 520 Milliarden Dollar (385 Milliarden Euro). Europäische Bankaktien legten am Mittwoch um mehr als 3 Prozent zu. An der Spitze standen griechische und irische Bankenwerte, deren Kurs um 6 bis 11 Prozent stieg. Aktien der Deutschen Bank verteuerten sich um 3,1 Prozent, die der Commerzbank um 1,9 Prozent.
Marktteilnehmer fürchten zudem, dass die Hilfsmaßnahmen nicht reichen und die Spekulation weitergeht. Kurzfristig werde es den Markt vielleicht stabilisieren, warnt Barclays Capital. Aber sehr schnell werde die Frage aufgeworfen, wie glaubwürdig die Maßnahmen seien und wie die Umsetzung der Konditionen durchgesetzt werde. Eine Einbindung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei derzeit unwahrscheinlich. "Angesichts dieser Nachteile, der schwachen Konjunkturerholung in der Währungsunion und angesichts der Überbewertung des Euro wird die Währung wohl weiter unter Druck stehen", sagt Barclays Capital. Auch JP Morgan meint, eine Einbindung des IWF wäre zwar ein Gesichtsverlust, letztlich jedoch für die Situation an den Kapitalmärkten besser, aber wohl nicht zu erwarten.
Herabstufung droht
Griechenland droht neuer Druck von der Ratingagentur Moody's. Die Kreditbewerter drohen mit einer weiteren Herabstufung der Bonitätsnote, wenn die griechische Regierung ihren Plan zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen nicht konsequent umsetzt. Ein Moody's-Analyst sagte in einem Interview, eine weitere Rücknahme der griechischen Bonitätsnote im Laufe des Jahres sei wahrscheinlich. Für Griechenland wäre das eine ernste Belastung, weil die Europäische Zentralbank von kommendem Jahr an Staatsanleihen nur noch dann als Sicherheiten akzeptiert, wenn sie von mindestens einer Ratingagentur ein „A-/A3“ oder eine bessere Note erhalten haben. Das erfüllen griechische Anleihen derzeit nur mit dem Moody's-Rating. Bis zum Jahresende gilt eine Ausnahmeregel, die jedoch die EZB nach eigenem Bekunden auf keinen Fall verlängern will. (ruh.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2483 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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