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EZB kauft keine Staatsanleihen Europas Schuldenkrise verunsichert die Wall Street

06.05.2010 ·  Die Furcht vor einer weiteren Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise, hat am Donnerstag an der Wall Street zu einem Kursrutsch geführt. Die Europäische Zentralbank gab bekannt, nicht über den Kauf von griechischen Staatsanleihen gesprochen zu haben. Zuletzt wurde spekuliert, ob die Notenbanker auch von diesem Prinzip abweichen.

Von Gerald Braunberger, Lissabon
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Die Furcht vor einer weiteren Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise, hat am Donnerstag an der Wall Street zu einem Kursrutsch geführt. Innerhalb weniger Minuten fiel der Aktienindex Dow Jones um bis zu 9 Prozent oder 1000 Punkte, erholte sich jedoch und lag am Ende der Handelszeit bei 10 520 Punkten mit 3,2 Prozent im Minus. Der Euro fiel im New Yorker Handel um bis zu 2 Cent auf 1,2520 Dollar je Euro.

Händler erklärten die Nervosität unter anderem damit, dass der Rat der Europäischen Zentralbank den Ankauf von Staatsanleihen nicht einmal diskutiert habe. Die Furcht wachse, dass die europäische Krise zu einer Gefahr für das Wachstum der Weltwirtschaft werden könnte. Der größte Kursrutsch seit mehr als zwanzig Jahren sei ausgelöst worden, als Händler Fernsehbilder von neuen Unruhen in Athen gesehen hätten. Von Computern gesteuert Handelssystem hätten die Bewegung noch verstärkt. Die New Yorker Börse meldete es habe auch eine Reihe von „fehlerhaften Transaktionen“ gegeben. So fiel zum Beispiel der Kurs von Procter & Gamble innerhalb von drei Minuten von rund 60 auf 40 Dollar und stieg beinahe ebenso schnell auf das Ausgangsniveau zurück (Hypernervöse Anleger bescheren dem Dax ein weiteres Minus)

„Haben nicht über Kauf von Staatsanleihen gesprochen“

Die Europäische Zentralbank (EZB) plant keinen direkten Ankauf von Staatsanleihen. Der Zentralbankrat habe sich mit diesem Thema nicht befasst, sagte Präsident Jean-Claude Trichet im Anschluss an eine turnusgemäße Ratssitzung im portugiesischen Lissabon. An den Finanzmärkten waren zuvor Gerüchte kursiert, die EZB werde wie der amerikanische Federal Reserve Board und die Bank of England im Zuge der Griechenlandkrise bald auch Staatspapiere kaufen. Damit könnten sich Länder, die keinen Zugang mehr zum Kapitalmarkt besitzen, über die Zentralbank finanzieren. Bislang nimmt die EZB Staatspapiere als Pfand gegen Kreditgewährung an Geschäftsbanken in Verwahrung.

Trichet appellierte an die Verantwortung der Regierungen für die Stabilität der Währungsunion. Die Finanzpolitiker müssten ihre Anstrengungen zur Haushaltssanierung verstärken, um das Vertrauen der Kapitalmärkte zu bewahren. Hierfür seien Strukturreformen und Ausgabenkürzungen in allen Euro-Staaten notwendig, betonte der Franzose. Die Mitgliedschaft im Euro-Raum biete einem Land viele Vorteile, bringe aber auch Verpflichtungen mit sich. Entschieden widersprach Trichet der Möglichkeit eines Staatsbankrotts im Euro-Raum. Dies stehe für ihn außer Frage und gelte auch für Griechenland.

„Staatsbankrott im Euroraum unmöglich“

Zur Furcht einer Ausbreitung der griechischen Schuldenkrise auf andere südeuropäische Staaten sagte Trichet, Spanien und Portugal seien nicht in derselben Lage wie Griechenland. Dies zeige ein Blick auf die Statistiken. Die Schwäche des Euro an den Devisenmärkten wollte er nicht direkt kommentieren, da die Preisbildung an freien Märkten stattfinde und nicht in die Kompetenz der Zentralbank falle. Er könne nur betonen, dass die EZB die Stabilität des Preisniveaus in den vergangenen Jahren auf exemplarische Weise gesichert habe und der Euro in dieser Hinsicht eine gute Anlage sei.

Trichet kam auch auf die heftige Kritik an der Entscheidung der EZB zurück, griechische Staatspapiere unabhängig von deren schlechter Bewertung durch die Ratingagenturen weiter als Pfand für Kreditgeschäfte mit Banken zu nutzen. Der Zentralbankrat der EZB habe den Sanierungsplan für Griechenland als angemessen empfunden und den Regierungen auf deren Anfrage daher mitgeteilt, die EZB empfehle die Bereitstellung der in dem Sanierungsplan vorgesehenen Kredite. Danach sei es nur logisch gewesen, im Vertrauen auf den Sanierungsplan weiterhin griechische Staatspapiere als Pfand zu akzeptieren. Diese Entscheidung habe das Führungsgremium der Zentralbank nach einer „sehr wichtigen Diskussion“ einvernehmlich getroffen.

Die EZB beließ den Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Trichet bezeichnete das gegenwärtige Zinsniveau als angemessen. Auf mittlere Sicht seien keine Inflationsgefahren zu erkennen, da das Kreditvolumen und die Geldmenge M3 leicht schrumpften. Die Wirtschaft im Euro-Raum dürfte sich allmählich beleben, wobei weiterhin Unterschiede in den nationalen Wachstumsraten zu erwarten seien. Einen Termin für einen Ausstieg der EZB aus der gegenwärtigen, von ihm selbst als ungewöhnlich bezeichneten Geldpolitik nannte Trichet nicht. Die EZB bleibe in jedem Falle ihrem Ziel der Sicherung der Geldwertstabilität verpflichtet.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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