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Eurozone Die Schuldenkrise weitet sich aus

04.05.2010 ·  Das Rettungspaket für Griechenland im Volumen von 110 Milliarden Euro hat die Finanzmärkte nicht überzeugt. Zweifel an der Tragfähigkeit des Hilfspakets ohne eine Umschuldung lasten auf Aktien, Anleihen und Euro. Stark betroffen sind Bankaktien.

Von Markus Frühauf und Bettina Schulz (London)
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Das 110 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für Griechenland hat die Finanzmärkte nicht überzeugt. Die Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, wonach die Hilfskredite von EU und Internationalem Währungsfonds nicht den gesamten Finanzbedarf des Landes abdeckten, sorgte am Dienstag für Unruhe.

Die Bundesregierung schätzt, dass Griechenland bis Ende 2012 insgesamt 150 Milliarden Euro benötigt. An den Märkten nahmen die Sorgen wieder zu, dass die griechische Schuldenkrise auch auf andere finanzschwache Euro-Länder wie Portugal oder Spanien übergreifen könne.

Dax unterschreitet kurzzeitig sogar die Marke von 6.000 Punkten

Der Euro Stoxx 50, der Leitindex für die wichtigsten Aktien des Euro-Raums, brach um 3,9 Prozent ein. Dies lag vor allem an den hohen Kursverlusten der beiden spanischen Großbanken: Die Titel von BBVA verloren 8 Prozent, Banco Santander 7 Prozent. Auch in Frankfurt kam es zu deutlichen Kursverlusten: Der Dax büßte im späten Nachmittagshandel 2,6 Prozent auf 6009 Punkte ein. Kurzzeitig hatte er sogar die Marke von 6000 Punkten unterschritten. In Athen brach der ASE-Aktienindex um rund 8 Prozent ein. Der Kurs der größten Bank des Landes, der National Bank of Greece, gab um fast 13 Prozent nach.

Unter Druck geriet abermals der Euro, dessen Kurs um mehr als einen amerikanischen Cent auf bis zu 1,3038 Dollar fiel. Damit war die europäische Gemeinschaftswährung so billig wie seit einem Jahr nicht mehr. Der Preis für ein Barrel amerikanisches Leichtöl sank um 3,7 Prozent auf 83 Dollar.

Die Investoren stießen Staatsanleihen aus Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und Irland ab. Entsprechend zogen deren Renditen an: Die zweijährige griechische Staatsanleihe rentierte gegenüber dem Vortag um 3,8 Prozentpunkte höher auf knapp 14 Prozent. Die Rendite der portugiesischen Anleihe mit Fälligkeit 2012 stieg um fast 0,7 Prozentpunkte auf 4,26 Prozent.

Das Rettungspaket beendet nach Ansicht der Rating-Agentur Moody's nicht die Krise Griechenlands. Vieles hänge davon ab, ob die Regierung die scharfen Einsparungen umsetzen könne, erklärte Analyst Tom Byrne. Schließlich seien die geplanten Einsparungen für das Land sehr hart. Auch Investmentbanker in der Londoner City beurteilen die Hilfen sehr skeptisch. Sie konnten erstmals am Dienstag nach dem verlängerten Wochenende auf das Rettungspaket reagieren.

Nach Ansicht der Analysten von Barclays Capital hat die Vereinbarung wenig zu einer Erholung des Euro beigetragen. Zu befürchten sei jetzt, dass Griechenlands Wachstum so schwach und die Umsetzung der Sparmaßnahmen so schwer werde, dass das Haushaltsdefizit des Landes letztlich höher ausfalle als vereinbart und nachverhandelt werden müsse. Die britische Investmentbank befürchtet dann neue Unruhe, Volatilität und möglicherweise politische Spannungen.

Trägt ein „Rettungspaket“ ohne Umschuldung?

Das unabhängige Finanzhaus Monument Securities beklagt: „Bei dem Griechenland-Paket ging es allen wohl eher darum, den Euro zu stützen, als ein realistisches Hilfspaket zu schnüren.“ Normalerweise sei mit der Hilfe des IWF eine Umschuldung verbunden. Jetzt aber müsse Griechenland die gesamte Anpassung ohne die Gläubiger tragen. Die Analysten von Credit Suisse erwarten bei Auszahlung der ersten Gelder an Griechenland allenfalls ein kleines Aufatmen für den Euro, aber keine langfristige Erholung der Gemeinschaftswährung. Zu unsicher sei, wie die griechische Öffentlichkeit in den nächsten Wochen auf die Sparmaßnahmen reagieren werde. In nächster Zeit müssten auch Portugal und Spanien neue Sparanstrengungen machen, um die Märkte zu beruhigen.

Unterdessen halten die Analysten der Société Générale die Skepsis an den Finanzmärkten mit Blick auf Portugal und vor allem Spanien für überzogen. Spanien kämpft mit einem Haushaltsdefizit von 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, einer stagnierenden Wirtschaft, einer Arbeitslosenquote von 19,4 Prozent sowie den Belastungen durch die Sparmaßnahmen der Regierung. Aber die französische Bank betont, vor allem die scharfe Reaktion am spanischen Aktienmarkt auf die Griechenland-Krise übersehe, dass die Produktivität am spanischen Arbeitsmarkt gestiegen sei, die Lohnstückkosten wieder wettbewerbsfähiger seien, die Unternehmen und großen Banken von dem starken Wachstum in Lateinamerika profitierten und die großen spanischen Banken gut kapitalisiert seien. „Nachdem der spanische Aktienmarkt mit einem Abschlag von fast 30 Prozent gegenüber dem europäischen Durchschnitt handelt, treten wir wieder als Käufer von spanischen Aktien auf“, betont Société Générale.

Trotzdem beurteilen die Finanzmärkte Spanien immer kritischer, was wohl auch an der hohen Verschuldung der Unternehmen und der privaten Haushalte liegen dürfte. So verteuerten sich die Risikoprämien für die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) auf spanische Staatsanleihen sprunghaft. Innerhalb eines Tages stieg die Prämie für den Versicherungsschutz gegenüber dem Ausfall Spaniens um 18,5 Prozent. Die Absicherung einer fünfjährigen Forderung von 10 Millionen Euro kostete eine jährliche Prämie von 186 880 Euro. Premierminister Luis Zapatero bezeichnete auf einer Pressekonferenz Gerüchte über ein Hilfsprogramm für sein Land als „völlig verrückt“. Noch deutlich höher liegen die CDS-Prämien auf Griechenland und Portugal. Die Absicherung griechischer Staatsanleihen über 10 Millionen Euro erfordert eine jährliche Prämie von 683 200 Euro, im Falle Portugals waren es 311 590 Euro.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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