27.03.2011 · Portugals Wirtschaft lahmt, der Staat lebt über seine Verhältnisse. Die Rettung ist beschlossene Sache. Das kommt uns alles furchtbar bekannt vor. Welches Land ist als nächstes dran?
Von Christian SiedenbiedelEs ist das vertraute Spiel: Obwohl Portugal sich ziert (“„brauchen keinerlei Hilfe von außen“), wird das Rettungspaket für das angeschlagene Euro-Land geschnürt. So war es bei den Griechen, so war es bei den Iren. Europas Politiker streiten nur noch darüber, welche Summe diesmal nötig ist. 75 Milliarden Euro, meint Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker - andere sprechen von mehr. Am Schluss stufen die Ratingagenturen stets die Kreditwürdigkeit des Landes herab - und schwupps kommt es unter den Rettungsschirm.
Jedes Mal verkaufen Europas Politiker die Rettung eines Euro-Landes dann als Wohltat. „Niemand wird allein gelassen, niemand wird fallengelassen“, beschwor Angela Merkel auf dem EU-Gipfel in Brüssel die Solidarität der europäischen Staatenfamilie. Dabei geht es bei der Retterei um etwas ganz anderes. Banken aus Ländern wie Deutschland haben den Staaten am Rande Europas viel Geld geliehen: 28,7 Milliarden Euro deutscher Banken stecken in Portugal, 145 Milliarden im benachbarten Spanien. Die Banken fürchten, auf ihren Forderungen sitzenzubleiben. Deshalb wird gerettet.
Und zwar ein Land nach dem anderen: Spätestens mit Portugal fühlen sich jetzt alle Anhänger der sogenannten Dominotheorie bestätigt: „Die Politiker sagen jedes Mal, wenn wir das Land retten, beruhigt sich die Staatsschuldenkrise“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. „Und jedes Mal kam dann das nächste Land an die Reihe.“
in Spanien steht die Probe aufs Exempel noch aus
Die spannende Frage ist jetzt: Wer ist der Nächste? Favorit ist Spanien. Allenfalls eine Außenseiterrolle kann Italien beanspruchen.
In Spanien ist die Situation ein wenig vergleichbar mit Irland: In beiden Ländern sind die Banken das Hauptproblem. Die Staatsverschuldung in Spanien ist zwar mit 63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sogar niedriger als in Deutschland. Wenn aber Banken und Sparkassen kippen, kann sich das schnell ändern. In Spanien wie in Irland sind die Preise für Immobilien dramatisch gesunken, Banken sitzen auf faulen Hypothekenkrediten und müssen gestützt werden. Das hat in Irland den Staat überfordert - in Spanien steht die Probe aufs Exempel noch aus.
Gerade hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von 30 spanischen Sparkassen herabgestuft. Kein gutes Zeichen. Ihren Kapitalbedarf hat die spanische Regierung mit 20 Milliarden Euro veranschlagt, die spanische Notenbank mit 15 Milliarden Euro. „Der Markt aber geht von 50 Milliarden Euro an aufwärts aus“, sagt Thomas Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Und im April stehen neue Stresstests für Banken überall in Europa an: „Sollten sich unerwartete Defizite im spanischen Bankensektor zeigen, wird das Land stärker unter Druck geraten“, prophezeit Clemens Fuest, Ökonom in Oxford.
Der regionale Abfüller von Coca-Cola ist Griechenlands größtes Unternehmen
Portugal ist dagegen eher so ähnlich wie Griechenland, sagt Daniel Gros, der Direktor des Forschungsinstituts Ceps in Brüssel: Beide Länder haben über ihre Verhältnisse gelebt. Und beide haben eine schwache Wirtschaftsstruktur, die es nicht erlaubt, aus den Schulden herauszuwachsen. Über Jahre hatte Portugal ein Wachstum von einem mickrigen Prozent im Jahr - damit schafft man es nicht, ein Haushaltsdefizit des Staates von fünf oder auch nur drei Prozent auszugleichen. Den Mangel an wettbewerbsfähiger Industrie zeigt schon ein Blick auf die Liste der größten Unternehmen des Landes. Während in Griechenland der regionale Abfüller von Coca-Cola das größte Unternehmen ist, liegt in Portugal der halbstaatliche Energieversorger Energias de Portugal mit seinen Wasserkraftwerken vorn (siehe Tabelle). Gefolgt von Supermarktketten wie Sonae, Flug- und Busgesellschaften, Banken und Spirituosenfirmen wie Sandeman (Sherry) oder Sogrape (Portwein).
Die Hoffnung der Portugiesen in den 80er Jahren, als verlängerte Werkbank für Europas Autokonzerne zu Geld zu kommen, hat sich zerschlagen. Damals baute sogar VW dort ein großes Werk. Doch die Karawane der Industrie zog weiter - Richtung Osteuropa. „Von Exportgütern wie Korkeiche, Oliven oder Wein allein aber kann ein Land nicht gut leben“, sagt Christine Schäfer, Volkswirtin bei der DZ-Bank. „Und auch nicht vom Tourismus - obwohl es in Portugal schöne Golfplätze gibt.“
Die Dominotheorie
Portugal stand allein schon aufgrund seiner geographischen Lage lange im Schatten Spaniens - räumlich etwas abgeschlagen, ähnlich wie Italien mit seinem Stiefel jenseits der Alpen. Zugleich sind Portugal und Spanien eng verwoben: 70 Milliarden Euro haben Spaniens Banken in Portugal verliehen. Kein Wunder, dass man in Spanien jetzt ängstlich auf den portugiesischen Nachbarn schaut.
Zwar sind die Zinsen, die Spanien für seine Anleihen zahlen muss, bislang niedriger als die Portugals. Auch die Sparbemühungen der Regierung sind überzeugender: „Die Fundamentaldaten sprechen dafür, dass Spanien eine Chance hat, dem Rettungsfonds zu entkommen“, meint Volkswirt Krämer. „Es ist nur die Frage, ob die Investoren an den Märkten sich davon überzeugen lassen.“ Denn warum sollte die Dominotheorie, wenn sie bis Portugal funktioniert hat, auf einmal nicht mehr gelten?
Die EU setzt nur auf das Prinzip Hoffnung!
Rolf Huchthausen (huchthausen)
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Autsch!
Alex Merck (AlexM3)
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das Schwarze Loch nähert sich
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Offenbarungseid der Euro-Politiker
Holger Baade (papperlapap)
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Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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