10.05.2010 · Eigentlich sollte auf dem Brüsseler Sondergipfel nur das Hilfspaket für Griechenland durchgewinkt werden. Doch überraschend wurden auf dem Krisentreffen alle Prinzipien der Währungsunion geopfert. Wie soll das gutgehen?
Von Holger SteltznerRichtlinien für Lesermeinungen
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Das Program heißt: Wir lassen keinen untergehen, wir gehen alle zusammen über den Jordan. Genau das und nichts anderes hat man beschlossen.
Einschätzung des Rettungspakets aus den USA: It won't work!
Hier ist eine Einschätzung aus den USA:
http://www.zerohedge.com/article/jim-rickards-goldman-can-create-shorts-faster-europe-can-print-money
Kurze Zusammenfassung: die Politik wird den Kampf mit den Märkten verlieren!
Bestes Zitat: "Goldman Can Create Shorts Faster Than Europe Can Print Money"
Wie Sie meinem Kommentar bei aufmerksamer Lektüre entnehmen können, bezog ich mich darauf, dass die Börsen (gestern) nicht schlecht dastanden, wenngleich es negative Kommentare gab.
Ein Neologismus ist übrigens eine _Wort_neuschöpfung --> "Verantwortungsverdünnung"
@ Bremer - Die Auswirkungen der "Sparprogramme"
Völlig richtig: die "drakonischen Sparprogramme" würden die Konjunktur in den betroffenen Ländern abwürgen. Die sozialdemokratisierte Wirtschaft steht und fällt mit der Verschwendung von Staatsgeldern, die nunmehr "eingefrohren" und zurückgeführt werden sollen, um finanzpolitische Solidität zu demonstrieren, den Weg zum Kapitalmarkt wieder zu ebnen. Die Dauersubventionierung der Wirtschaft ist aber erforderlich, um die permanent erhöhten Knebelungen, Steuern und sonstige "Soziallasten" wenigstens halbwegs zu kompensieren, die EU-Unternehmen halbwegs rentabel zu halten. Deswegen ist es völlig richtig: die "drakonischen Sparmaßnahmen" würden diese Länder ebenso gründlich ruinieren, wie es ein "normaler" Staatsbankrott getan hätte. Aber die Chance ihrer Umsetzung ist minimal: die "soziale Gerechtigkeit" wird einen markerschütternden Schmerzensschrei ertönen lassen - die Linke, der Neostalinismus, der ja jetzt schon fröhliche Urständ feiert - sie werden schon für die entsprechenden Streiks, Demonstrationen usw sorgen, vor denen die Bonzokraten schnell wieder einknicken werden. Spätestens dann, wenn sie die ersten Tranchen der billigen EU-Knete erhalten und wieder etwas "Luft" haben, ist Schluß mit Sparen !
... für alle ein? Falsch. Ab jetzt fallen alle für einen. Obwohl dies längst Programm ist. Die Verschwendungssucht der Politiker und deren gleichzeitige Inkompetenz läßt gar kein anderes Resultat zu. Denn der Traum der Musketiere ist längst ausgeträumt. Der Weicheuro ist am schmelzen, lieber hätte ich Weichkäse, den kann ich wenigstens noch essen.
Jetzt heisst es: schaue jeder was er für sich noch retten kann.
Ist der Deutsche Riese erst einmal am Wanken, dann kann ihm keiner mehr helfen, erst recht kein "Napoleon Sarkozy"!
es ist sachlich nicht richtig, dass die EZB-Maßnahme der Käufe europäischer Staatsanleihen automatisch Inflation mit sich bringen werden. Ist Herr Steltzner etwa von dieser Deutschen Kollektivneurose befallen? Zu beachten ist vielmehr das Gegenteil: Wenn sich die hochverschuldeten Euro-Länder zugleich zu einem verschärften Sparprogramm verpflichtet haben, droht dem Euro-Raum Deflation, weil der Wirtschaft massiv Aufträge wegbrechen und aus der daraus resultierenden erhöhten Arbeitslosigkeit der Konsum nachlassen wird. Wo die Nachfrage nachlässt sinkt der Preis, was wiederum die Produzenten veranlasst, preiswerter zu produzieren. Diesen Abwärtssog schätzen volkswirtschaftliche Experten gefährlicher ein, als kontrollierte Inflation.
Der widernatürliche Wahnsinn der Währungsunion tritt nun zu Tage…
Es war Wahnsinn zu glauben man könne so unterschiedlichen Staaten wie Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Spanien, Griechenland, Portugal und Italien eine gemeinsame Währung verordnen! In anderen Ländern haben der Geltwert und die Inflationsangst kaum eine Bedeutung wie Italien und Spanien zeigen, während man in Deutschland niemals eine inflationäre Spielgeldwährung als Ersatz für die geliebte Mark geduldet haben würde; nun zeigen sich die Folgen: Die Regierungen der südeuropäischen Länder haben weiter gewirtschaftet wie Bisher und die mittel- und nordeuropäischen Länder zahlen nun die Zeche; wobei gerade Frankreich durchaus Gelüste hegt die Währung als Instrument der Wirtschaftspolitik zu nutzen, was man in Deutschland ablehnt; bleibt es beim bankrot des kleinen Griechenlandes, so dürfte sich die Gemeinschaftswährung halten, folgen aber Spanien, Irland, Portugal und Italien nach, so wird diese ein rasches Ende finden; jedoch wird der politische Gewinn den wirtschaftlichen Schaden bei weitem überwiegen: Denn mit dem Euro wird auch der despotisch-bürokratische Moloch zu Brüssel ein schnelles Ende finden; die Währungsgemeinschaft war nämlich ein Grundstein zu dessen Aufrichtung…
@ Andresen - Wir sind Griechenland !
Es ist hahnebüchen zu glauben, Deutschland wäre ein wirtschaftlich starkes Land. Es steht genauso vor dem unvermeidlichen Staatsbankrott, wie die "PIIGS". Sein Staatshaushalt ist extrem hoch defizitär, und der unlängst in Brüssel verabschiedete Rettungsplan bringt nochmals 120 Milliarden neue Schulden - nach meiner Einschätzung: noch in diesem Jahr. Maastricht, Schuldenbremse, Stabilitätsgesetz - alles wird über den Haufen geschmissen in dem hektischen Aktionismus, das jähe Auflodern von Bürgerkrieg und Revolution, die ja so oft Folgen von Staatsbankrotten waren, oder mit ihnen einhergingen gerade noch einmal zu verhindern, noch ein paar Monate oder Jahre "Luft" zu haben und Dienstwagen zu fahren. Deutschland ist ebenso hoffnungslos versozialdemokratisiert wie Griechenland, es dreht nur ein etwas größeres Rad und hat derzeit noch Zugang zu den Kapitalmärkten. Es ist, als ob Bernie Madoff 4 Jahrzehnte lang (nicht nur) Deutscher Finanzminister gewesen wäre: "Es gibt keine harmlose Erklärung." Die gesamten Paradigmen unserer Gesellschaft: Menschenrechte, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit usw. - sie basieren auf einem einzigen, gigantischen Kreditbetrug, der seit 2007 am auffliegen ist ... und die Pradigmen mit ihm.
@Herr Kronenberger, sehr verständlich, was Sie sagen. Aber:
so ganz aussichtslos scheint die Lage - jedenfalls objektiv - nicht zu sein. Ein Haircut im Hinterzimmer sollte möglich bleiben - gerade noch. D könnte beginnen, c/o KfW hierzulande GR-Anleihen aufzukaufen mit - sagen wir mal - 60% Nennwert gegen verbürgten Besserungsschein, Zinsen zu stunden gegen lokale nachhaltige Strukturverbesserungen und sodann umschulden unter Beteiligung globaler Mitwirkender. Es bluten Gläubiger weltweit in erträglichem Ausmaß und ggfls. Aussicht auf Besserung. Schade nur um die Milliarde, die bis dahin schon den Bach runter wären.
Es gibt keine Alternative - der point of no return liegt lange zurück
Herr Bauer hat legitimerweise die Frage nach Alternativen gestellt. Ich antworte: Es gibt keine systemimanenten Alternativen mehr - sie wären "politischer (und damit auch finanzieller) Selbstmord" für die europäische classe politique aus Bonzokraten, Intellektuellen und Meinungsmachern. Sie klammern sich mit dem Mut der Verzweiflung an ihre Dienstwagen - einige davon könnten den chrash ja sogar überstehen als "Führer" des alsbald aufgebrachten und lynchbereiten Mobs. Es ist völlig gleichgültig, welche der theoretischen Handlungsalternativen ergriffen wird - nichts hilft mehr, die Katastrophe ist 100% sicher. Staatsbankrotte Hand in Hand mit Hoch- und Hyperinflationen werden sämtliche geldlichen Ansprüche entwerten, gar vernichten, Sozialleistungen nur noch mit Bündeln wertloser Papierschnipsel erbracht werden. Das über jahrzehnte materiell verhätschelte Proletariat wird dies nicht hinnehmen, und für seine "Rechte" kämpfen - jedem Rattenfänger, ob links- oder rechtsextrem wird es hinterherlaufen, die politische Delegitimation der Bonzokratie lässt sich schon an den Wahlbeteiligungen ablesen: Mehr als ein Drittel aller Untertanen verweigern ihre Mitwirkung an diesen Plebisziten. Thema ist jetzt nur noch: Wie überlebt man den crash ?
HEUTE wäre es soweit:
Ich spräche die Kündigung meiner Staatsbürgerschaft aus, wenn dieses denn möglich wäre.
Und gedanklich haben dies wohl schon viel zu viele gemacht. Dies nennt man dann Politikverdrossenheit.
Von den Parteien, denen man generell wirtschaftliche Kompetenz zugeschrieben hat bzw. zuschreiben konnte, erfährt Deutschland wirtschaftliche Ahnungslosigkeit, Inkompetenz und Ignoranz. Diese wird gepaart mit folgenden Zutaten: Aufgabe deutscher Interessen, möglicher Verfassungsbruch, Verstoß gegen europarechtliche Verträge, Wortbruch, Umfallen von Frau Merkel, leicht durchschaubare Hinhaltetaktik wegen NRW Landtagswahl, Rettungsplan für französische, niederländische, spanische und italienische Banken und Versicherungen (Aktien sind tlw. über 20% im plus; deutsche nur mit 8-12%), Setzen falscher Paradigmen, die hohes Risiko belohnen, weil Ausfall ausgeschlossen wird.
Wie bei der Griechenlandstützung ist hier bestimmt auch ein Türchen für unsere europäischen Partner geöffnet, dass Sie ihren Teil der Haftungsübernahme bei zu hohen Kosten oder bei Nichtfinanzierbarkeit auf Deutschland abwälzen können. Dann werden aus den 120 Mrd. Euro doch eher 200 bis 300 Mrd. Euro, die von Deutschland übernommen werden müssen.
Peter Freitag (PWFreitag) - Vielen Dank !
Bitte lesen Sie weiter unten den Beitrag von Peter Freitag (PWFreitag). Dem ist nichts hinzuzufügen .
Die brüsseler Bürokratie als vom Menschen unabhängige Entität
„`Wir werden den Euro verteidigen, was immer es kosten mag´, hat Kommissionspräsident Barroso als Parole ausgegeben"
Währungsunion gerettet, Volk tot.
Was haben die hier zahlreichen Hüter marktwirtschaftlicher Orthodoxie eigentlich als Alternative zum Rettungspaket anzubieten ? Die "saubere" Lösung wäre ja wohl gewesen, Griechenland pleite gehen zu lassen. Dann aber bitte auch ohne Rettungspaket für deutsche Banken und Lebensversicherungen die auf ihren zig Milliarden Griechenland-Bonds sitzenbleiben müssten. Mit entsprechenden Konsequenzen für deutsche Sparer. Wäre das besser gewesen ?
Gestern standen wir am Abgrund, aber heute sind wir einen großen Schritt weiter.
Warum das nicht weh tut? Ganz einfach, wir fallen ja noch!
Theoretisch haben Sie recht. Auch wenn ich Ihre Empfehlung an die Kommentatoren, sich mal über die Geldschöpfung zu informieren, als etwas anmaßend empfinde. Denn praktisch sieht die Sache anders aus, wie das ja auch korrekt @ Karl Meier bereits ausgeführt hat. Ob die FED in den USA oder nun die EZB - es ist höchst naiv anzunehmen, dort würde nicht, je nach Bedarf und Vorgaben der Politik, Geld gedruckt. Hier liegt auch einer der Gründe für die aktuellen Krisen. Es gibt Fachleute, die deshalb wieder die Einführung einer Golddeckung für die Währungen fordern. Ob das möglich wäre, kann ich nicht beurteilen.
Nichts gelernt - weder aus der Geschichte, noch aus der Wahl
Vor 65 Jahren endete die Terrorherrschaft der Nazis. Ein menschenverachtender Unrechtsstaat, in dem der Einzelne nichts galt, es keine Freiheitsrechte gab und dem Staat alles unterzuordnen war, wurde beseitigt. Vorangegangen war die Unterwanderung und Aushöhlung der Weimarer Reichsverfassung durch die Nazis - man operierte mit Notgesetzen, Ermächtigungsgesetzen, Erlassen, Verordnungen. 1949 glaubte man, hieraus gelernt zu haben und das GG wurde erarbeitet. Die Exekutive sollte gezähmt und die staatliche Macht beschnitten werden. In den Mittelpunkt trat das Individuum und die Rechtsstaatlichkeit wurde hoch gehalten. Nun erleben wir erneut, wie sich die Exekutive sämtlicher vorgegebener Fesseln entledigt, wie Ermächtigungsgesetze mit Hilfe der Fraktionsdisziplin durch d Parlament gepeitscht werden, wie bestehende Gesetze außer Kraft gesetzt werden, wie sie gebrochen werden und sämtliche rechtsstaatlichen Prinzipien über Bord gehen. Wieder heiligt der Zweck die Mittel, nichts ist vor der Raserei der Exekutive sicher! Der Rechtsstaat wird ausgehöhlt und ad absurdum geführt. Wieder sind wir auf einem schrecklichen Weg, weil IHR NICHTS GELERNT HABT! Man wirft fundamentale Prinzipien nicht einfach wegen einer Dreckswährung über Bord!!
Unseren Politikern fehlt die richtige Erkenntnis
Es ist primär nicht die Quantität der Hilfe - sondern ihre Qualität:
Der Wert einer Gabe hängt im wesentlichen von der Aufrichtigkeit des Gebenden und von dem Charakter dessen ab, der sie erhält.
Aufrichtigkeit des Gebenden:
Man war nicht aufrichtig - denn man brach alle Prinzipien der Währungsunion.
Charakter des Emfängers:
Man wird wie die PIIGs Regierungen/Casino Banken, wenn man ihr Schuldenmachen/ihre Wetten nicht zurückweist, sondern sie unterstützt.
Da haben Sie wohl etwas überlesen. In vielen Kommentaren zu diesem Themenkreis wurden durchaus Alternativen aufgezeigt, wie man mit der Griechenland-Krise (und allen wahrscheinlich daraus folgenden) hätte umgehen müssen, bzw. umgehen müsste: Insolvenz, Umschuldung, Rückkehr zur Drachme, (vorläufiges) Ausscheiden aus der EU. Damit wären die nun voraussehbaren Folgen verhindert worden.
Natürlich ist die "Waage aus dem Gleichgewicht", wie Sie das nennen. Aber das liegt daran, dass die Geburtshelfer der EU offenbar nicht daran gedacht haben, die Möglichkeit solch eines Fehlverhaltens eines Mitgliedes in Erwägung zu ziehen und entsprechende Maßnahmen vertraglich festzulegen. Allerdings wurden die sogenannten Maastricht Kriterien (kein Bail-out) nun ja locker von der Politik mißachtet. Deshalb sollte sich auch niemand daruf verlassen, dass die jetzt beschlossenen Bail-out-Maßnahmen nicht ebenso unbedenklich über den Haufen geworfen werden können.
Wieso bezeichnen Sie den Satz im Kommentar von Herrn Steltzner "Der griechische Zins sprang nicht wegen Spekulanten nach oben, sondern wegen des Schwindels und der leeren Kassen in Athen" höhnisch (?) als Neologismus? Der Satz ist logisch und stimmt in seiner Aussage.
das ist nicht ganz richtig was sie schreiben. Die EZB kann geld drucken. Sicherlich haben sie recht das wenn einer der vielen € Staaten Geld drucken will das die EZB nicht weiter interessiert.
Wenn sie aber nun von so vielen Staaten Anleihen kauft muss sie ja irgendwoher das geld nehmen? Und wenn diese Anleihen aufgrund einer Pleite weg sind ohne Geld dafür zu bekommen hat die EZB ein kleines Problem. Eine Lösung wäre die Gelddruckmaschine. Im Endeffekt haben wir den schw. peter der EZB zugespielt. Hätte jeder seine Währung könnte jeder Staat Geld drucken. Jetzt können wir das nicht mehr (augenscheinlich gut), intelligenter werden wir aber nicht wikrlich sondern finden andere Möglichkeiten, indem wir das Drucken Anderen überlassen. Ist sogar Clever um die Schuld anschließend von sich zu weisen. "Die EZB ist unabhängig wenn sie Geld druck können wir nix dafür"! Verstehen sie? Wir überlassen die Inflation der EZB, dennoch wird es eine geben. Wer sie auslöst ist egal, die Ursache sind aber wir alle und waren wir alle zuammen. Das erinnert mich ein wenig an die Emser Depeche. Man hat da auch nur den Auslöser jemand anders zugeschoben änderte aber nichts am Ausgang.