Wer als Deutscher in Frankreich die griechische Reformbereitschaft im Zuge der Euro-Krise kritisiert hat, erntete lange Zeit wenig offene Sympathie. Viele Franzosen teilten die Position ihrer Regierung, der zufolge alles getan werden müsse, um Griechenland im Euro zu halten. Das verlange die europäische Solidarität und der erstrebenswerte Erhalt des Euro, hieß es oft. Andere Meinungen, zumal aus Deutschland, galten dagegen als „egoistisch“, gar als „brutal“.
Je länger jedoch die Euro-Krise und der griechische Reformstau dauern, desto mehr verlieren auch die Franzosen die Geduld mit Griechenland. Wie das Umfrageinstitut Ifop Ende Juni ermittelte, sind nur noch 47 Prozent der Befragten für europäische Finanztransfers nach Griechenland. Ein Jahr zuvor waren es noch 59 Prozent. Diese Meinung habe sich bis heute wahrscheinlich verstärkt, sagt der Ifop-Direktor Jérôme Fourquet im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Franzosen nehmen weiterhin eine ambivalente Haltung ein, die einerseits zwischen Spanien und Italien und andererseits Deutschland liegt, doch es gibt inzwischen deutlich mehr Annäherungen an die deutschen Positionen.“
„Die Leute haben Angst vor einer Explosion des Euro“
Das erklärt sich zum Teil daraus, dass sich 60 Prozent der Franzosen vorstellen können, selbst in eine Krisenlage wie Griechenland zu rutschen. 85 Prozent der Franzosen halten auch die nach Griechenland überwiesenen Fondsmittel für verloren. „Viele Franzosen spüren zwar eine kulturelle Nähe zu Griechenland. Doch wenn man sich in einer Krise selbst bedroht fühlt, dann wird man weniger nachsichtig mit jenen, die in den eigenen Augen nicht genügend Anstrengungen unternehmen. Zumal, wenn man jetzt wie in Frankreich mit einer steigenden Steuerlast konfrontiert ist“, sagt Fourquet.
Welche Forderungen leiten die Franzosen aus ihren Einschätzungen ab? Hier herrscht Ungewissheit. Rund zwei Drittel der Franzosen sind zwar der Ansicht, dass Griechenland den Euroraum verlassen soll, doch im November 2011 waren es noch drei Viertel. „Die Leute haben Angst vor einer Explosion des Euro“, meint Fourquet, denn in ihre eigene Währung haben sie wenig Vertrauen. Nur noch 26 Prozent der Franzosen sind für eine Rückkehr zum Franc; im September 2011 waren es noch 37 Prozent. Auch damit nehmen die Franzosen eine Mittellage zwischen den Deutschen sowie den Spaniern und den Italienern ein.
Selbst die Chefin der Rechtsextremen Partei Front National, Marine Le Pen, hat ihre Forderung nach einer Rückkehr zum Franc zuletzt abgeschwächt. „Denn die Leute stellten ihr zunehmend die Frage, wie das funktionieren solle. Darauf hat sie keine Antwort“, berichtet Ifop-Direktor Fourquet. Die französische Ökonomen-Zunft indes lehnt einen Anti-Euro-Kurs wie von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn mehrheitlich ab. „Wenn Griechenland aus dem Euro austritt, dann wäre das ein großer Sprung ins Unbekannte, der die Märkte in ihrer Idee bestärkt, dass der Austritt möglich ist“, sagte kürzlich Eric Heyer vom Wirtschaftsinstitut OFCE.
So gibt es weiter krasse Unterschiede zwischen der öffentlichen Meinung in Deutschland und Frankreich. 81 Prozent der Franzosen wollen, dass Europa sie mit höheren Zöllen vor außereuropäischer Konkurrenz schützt, gegenüber 50Prozent in Deutschland. Die Franzosen machen auch mehr als andere Länder die Finanzspekulation für die aktuelle Wirtschaftskrise verantwortlich. Für die Zukunft des Euro fehlt es ihnen an Optimismus: Mehr als zwei Drittel erwarten ein Aufbrechen des Währungsraumes.
Auch die PS-Wähler in Frankreich
Bernhard Henn (Annenheider)
- 01.08.2012, 22:46 Uhr
"...der die Märkte bestärkt, dass der Austritt
möglich ist."
Rudolf März (maerkur)
- 01.08.2012, 20:56 Uhr
Zu den Hintergründen der €-Einführung . . .
Horst-Georg Marks (horst.marks)
- 01.08.2012, 05:12 Uhr
Viel schlauer als ihre Regierung
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 31.07.2012, 23:29 Uhr
Die Franzosen ...
Hans List (genervt)
- 31.07.2012, 21:33 Uhr