Die europäische Gemeinschaftswährung steht vor einer wichtigen Woche. Nachdem der Euro in den vergangenen Handelstagen an den Devisenmärkten weiter an Wert verloren hat und am Freitag dann auch die Aktienmärkte deutliche Rückschläge verzeichneten, gehen die Finanzmarktteilnehmer verunsichert in die neue Woche.
Bundeskanzlerin Angela Merkel drückt derweil bei der Neuregelung der europäischen Finanzaufsicht aufs Tempo. Am Sonntag warnte sie auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor einem langwierigen Prozess zwischen EU-Mitgliedstaaten und Europaparlament und davor, „dass wir ewig und drei Tage keine Finanzmarktaufsicht bekommen“.
Merkel gegen Finanztransaktionssteuer
Merkel kündigte außerdem an, dass die europäischen Finanzminister an diesem Dienstag eine neue Regulierung von Hedge-Fonds beschließen werden. „Wir müssen da leider Großbritannien überstimmen, aber das ist mit Mehrheit möglich“, fügte sie hinzu. Die Briten stemmen sich bislang gegen eine strenge Hedge-Fonds-Regulierung, weil sie Nachteile für den Finanzplatz London befürchten. Merkel sagte vor dem Kongress auch, dass eine Regulierung von Derivaten und Leerverkäufen dringend notwendig sei.
Auch ein Verbot von Leerverkäufen halte sie in bestimmten Teilen für sinnvoll. Sie gab allerdings zu bedenken, dass solche Regulierungen nur erfolgreich sein könnten, wenn auch Amerika mitmache. Merkel verteidigte die Bankenabgabe jedoch und machte deutlich, dass sie eine internationale Finanztransaktionssteuer für nicht durchsetzbar hält.
Trichet sieht „schwierigste Situation seit dem Zweiten Weltkrieg“
In der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Lage weiterhin als sehr schwierig eingeschätzt. „Wir haben Zeit gekauft, mehr nicht“, sagte Jürgen Stark, der Chef-Volkswirt der Zentralbank, in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (siehe: EZB-Chefökonom Stark: „Wir haben Zeit gekauft, mehr nicht“). Nun aber müssten die Euro-Mitglieder ihre Volkswirtschaften reformieren und sparen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach gegenüber einem Nachrichtenmagazin gar von der „schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg“.
„Die Kursrückschläge der vergangenen Woche wurden zum einen durch Hedge-Fonds ausgelöst, die quantitative Modelle verwenden“, hieß es am Wochenende in einer großen Investmentbank in Frankfurt. „Nachdem der Eurokurs am Devisenmarkt ein bestimmtes Niveau unterschritten hatte, lösten die Modelle automatisch größere Verkäufe an den europäischen Aktienmärkten aus.“ Von einer Spekulationswelle gegen den Euro wollten befragte Investmentbanker nicht reden. Zwar seien viele Fonds aus den Vereinigten Staaten am Markt, aber diese verwalteten auch Gelder europäischer Anleger, zum Beispiel deutscher Versicherungen oder niederländischer Pensionskassen. Diese Adressen verspürten das Bedürfnis, sich gegen einen weitere Abwertung des Euro abzusichern, was den Kurs der Gemeinschaftswährung zusätzlich belaste.
Spekulationen über Stützungskäufe
Für am Markt kursierende Spekulationen über Euro-Stützungskäufe gab es keine Bestätigungen. „Kein Kommentar“, hieß es hierzu in Frankfurter Zentralbankkreisen. Investmentbanker sahen keine Hinweise auf großflächige international abgestimmte Interventionen. Diskrete Käufe wollten sie allerdings nicht ausschließen. „Das muss die EZB selbst entscheiden“. antwortete die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde in Zagreb auf die Frage, wann der Punkt gekommen sei, an dem die EZB handeln müsse. Mit diesem Satz sei auch die Frage geklärt, ob die EZB noch unabhängig sei. Für Spekulationen, EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark werde neuer Präsident der Deutschen Bundesbank, wenn deren heutiger Chef Axel Weber im Herbst 2011 Nachfolger Trichets werden sollte, gab es keine Bestätigung. Über die Nachfolge Trichets sei keine Entscheidung gefallen, versicherten Lagarde ebenso wie ein Sprecher der Bundesregierung.
In der Politik hielt die Kritik an Äußerungen Josef Ackermanns zu einer möglichen Umschuldung Griechenlands an. „Überraschend, ungewöhnlich und ärgerlich“ bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle Ackermanns Stellungnahme (siehe: Griechenland-Krise: Politiker zürnen Ackermann). In der Deutschen Bank hingegen wurde die Kritik an Ackermann als überzogen dargestellt und darauf verwiesen, dass eine Umschuldung nicht einen Forderungsverzicht erzwinge, sondern auch in einer Fristverlängerung von Anleihen und Kredite bestehen könne.
Im Wochenverlauf wird sich zunächst am Mittwoch der Deutsche Bundestag mit dem jüngsten Euro-Rettungspaket befassen. Am Freitag will sich eine EU-Arbeitsgruppe mit der Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts befassen. In einem ausführlichen Gespräch mit der F.A.Z. trat die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Lagarde für eine Verschärfung des Pakts ein. Über diese Grundfrage sei man mit der Bundesregierung einig; allerdings halte Frankreich den Ausschluss eines Landes aus der Währungsunion für schwierig.
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Beate Naumann (hhnconsult)
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Entscheidende Wende
Karl Abonzius (alibori)
- 16.05.2010, 21:49 Uhr