10.05.2010 · Mit massiven Kursgewinnen reagieren Börsen, die „weichen Teile“ des europäischen Rentenmarkts und der Euro auf den am Wochenende von der EU beschlossenen, gigantischen „Schutzschirm“. Ob das den Eurokurs nachhaltig beflügelt, ist zu bezweifeln.
Mit massiven Kursgewinnen reagieren Börsen, die „weichen Teile“ des europäischen Rentenmarkts und der Euro auf die am Wochenende von der EU, dem Internationalen Währungsfonds und der Europäische Zentralbank angekündigten Maßnahmen, um „die Entwicklung an den Finanzmärkten“ zu stabilisieren.
Der Euro verzeichnet gegen den Dollar massive Kursgewinne. Seit dem Tagestief am Freitag hat er im Rahmen der Eindeckung von den in den vergangenen Wochen in großem Unfang leer verkauften Positionen (siehe Chart) inzwischen 4,6 Prozent zugelegt auf zuletzt 1,3073 Dollar je Einheit der europäischen Einheitswährung. Der kurzfristige Trend zeigt zwar weiterhin nach oben. Allerdings zweifeln die meisten Marktanalysten an einer dauerhaften Erholung.
Grundlegende Probleme sind nicht gelöst
Erstens zeige der mittelfristige Trend weiterhin nach unten, heißt es. Zweitens würden die grundlegenden Probleme nicht gelöst, sondern nur von der privatwirtschaftlicher Sphäre in die öffentliche transferiert. Auf diese Weise nimmt die Bedeutung und Belastung der allgemeinen Staatsverschuldung weiter zu, statt ab. Drittens gibt es Umsetzungsverzögerungen und -unsicherheiten. Viertens haben die kurzfristig beschlossenen Maßnahmen sehr wahrscheinlich das Vertrauen der internationalen Anleger in die europäischen Institutionen untergraben.
Wem und was sollen sie künftig noch glauben, wenn Beschlüsse und Grundsätze wie der bisher stetig zelebrierte Stabilitäts- und Wachstumspakt und die Unabhängigkeit der Zentralbank innerhalb von Tagen mir nichts dir nichts aufgehoben und ad absurdum geführt werden können? Daten und Fakten zeigen, dass die Kurskorrektur des Euro der vergangenen Monate nicht nur auf die Positionierung spekulativer Marktteilnehmer an den Terminmärkten - sie bilden nur einen sehr geringen Teil des gesamten Devisenmarktes ab - zurückzuführen war, sondern auf die Umorientierung institutioneller Anleger.
Sie haben schon in den vergangenen Monaten aufgehört, auflaufende Devisenreserven wie früher üblich in den Euro und in europäische Anleihen zu investieren. Dieser Trend könnte dürfte sich fortsetzen können. Denn man stehe am Beginn einer Umverteilung-von-Einkommens-Gesellschaft, welche erfolgreiche Volkswirtschaften der Region schwäche und die Volkswirtschaften stütze, die nicht Willens und in einer Position seien, die Konsequenzen aus dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion zu tragen, erklären kritische Beobachter. Das werde das Wachstum in der gesamten Region auf längere Sicht schwächen, nachdem die Interessen nüchtern und solide handelnder Staaten wie Österreich, Belgien, Finnland, den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland bei der Auflegung des EU-Hilfspaketes ignoriert wurden.
Ist die europäische Strategie auf Schwächung des Euro aus?
Solche Argumente lassen Zweifel an steigenden Eurokursen aufkommen. Immerhin ist die europäische Strategie darauf ausgerichtet, die Zinsen in Europa ungeachtet aller Risiken künstlich tief zu halten. Auf diese Weise soll die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen möglichst gering gehalten werden, um den Eurokurs im vergleich mit anderen künstlich geschwächten Währungen kompetitiv tief zu halten. Zudem besteht das Ziel offensichtlich darin, die notwendige Korrektur überbewerteter Vermögensmärkte und damit verbundene Abschreibungen zu vermeiden.
Die getroffenen Maßnahmen Europas werden mit großer Wahrscheinlichkeit zu inflationären Effekten führen. Sie zeigen sich kurzfristig sowohl in Form steigender Energie- und Rohstoffpreise, vor allem aber auch in Form steigender Kurse bei Banken mit dubioser Bilanzqualität.
Wo Vernunft nicht mehr zählt
Ralf Vormbaum (Vormbaum)
- 10.05.2010, 14:13 Uhr
Wer die Wahl hat hat auch die Qual
Holger Muschal (Holly01)
- 10.05.2010, 15:15 Uhr
Im Verhältnis
Olaf Christian Hartmann (ochartmann)
- 10.05.2010, 17:52 Uhr
Die unsoliden Länder setzen sich durch - der Euro ist ab sofort Weichwährung
Ursula Renner (URzsh)
- 10.05.2010, 20:26 Uhr
Große Erleichterung an der Wall Street
Klaus Dieter (Leser2009)
- 11.05.2010, 08:50 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2483 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?