05.08.2011 · Die italienische Justiz hat die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's im Visier: Bereits am Mittwoch durchsuchten Staatsanwälte in Mailand Büroräume der beiden Agenturen und beschlagnahmten Akten.
Von Tobias Piller, RomDer Risikozuschlag für italienische Staatstitel hat am Freitag einen neuen Höchststand erreicht. Dagegen erholten sich die Kurse an der italienischen Börse in Mailand, wo am Donnerstag Panikstimmung geherrscht hatte und der Börsenhandel für eine Stunde völlig zusammenbrach. Die Risikozuschläge für zehnjährige italienische Staatstitel gegenüber den Zinsen für entsprechende deutsche Bundesanleihen überschritten erstmals seit dem Start der Währungsunion die Schwelle von 4 Prozentpunkten.
Unterdessen wollen italienische Staatsanwälte in der süditalienischen Kleinstadt Trani untersuchen, ob die Ratingagenturen „Moody's“ und „Standard & Poor's“ mit ihren Bewertungen und Veröffentlichungen die wirtschaftliche Stellung Italiens geschwächt und entscheidend zu den Turbulenzen um die italienischen Staatstitel beigetragen haben. Beide Agenturen hatten vor einigen Wochen zwar ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit italienischer Staatstitel bestätigt, aber zugleich hinzugefügt, dass die Zukunftsaussichten für die Wertung nun nicht mehr als stabil, sondern als „negativ“ bewertet werden müssten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden nun die Mailänder Büroräume der beiden Agenturen von der Polizei durchsucht und alle mit dem Länderbericht zusammenhängenden Dokumente beschlagnahmt. Die beiden Agenturen waren bereits wegen ihrer Urteile über Italien und wegen der Kommunikation während des Handels auf den Finanzmärkten von der italienischen Börsenaufsicht vorgeladen worden.
Während in Italien die Diskussion über Wege aus der Vertrauenskrise nicht vorwärtskommt, veröffentlichte das Statistikamt Daten, die als eher positiv kommentiert wurden: Das reale Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2011 betrug 0,8 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr und 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2011. Diese Daten seien das Ergebnis von zunehmender Wertschöpfung bei Industrie und Dienstleistungen, zugleich einer Abnahme in der Landwirtschaft. Mit Blick auf das gesamte Jahr 2011 habe sich Italien damit bisher eine Wachstumsrate von 0,7 Prozent erarbeitet. Für die Industrieproduktion der ersten sechs Monate 2011 ergab sich im Schnitt eine Steigerung um 2 Prozent gegenüber 2010.
In der Währungsunion gibt es Diskussionen darüber, wie Italien zu mehr Reformen und einer größeren Geschwindigkeit an Veränderungen gedrängt werden könnte. Diese Frage war auch Thema der Telefonkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero. Auffallend war dabei, dass Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi nicht in die Krisendiskussion einbezogen worden ist.
@Herr Richter, was hat Berlusconi damit zu tun ? In der ganzen PM-Kaste
Torsten Krause (tkrause)
- 07.08.2011, 13:13 Uhr
Reflexreaktion
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 07.08.2011, 00:02 Uhr
Der Cavaliere
Reinold Hütter (reinold)
- 06.08.2011, 13:54 Uhr
Italien
Wolfgang G. Runte (Wolluc)
- 05.08.2011, 21:03 Uhr
Bin ich mal schneller als die FAZ?
Werner Bläser (JonSwift)
- 05.08.2011, 19:48 Uhr