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Börsenhändler erleichtert Euro-Rettungsschirm beflügelt die Märkte

10.05.2010 ·  Die Aktienbörsen in Europa und Amerika feiern die Einigung auf einen Rettungsschirm für den Euro mit hohen Kursaufschlägen. Der Euro konnte seine Kursgewinne indes nicht halten - Kritiker warnen vor einer Schulden-Union.

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Das gigantische Kreditpaket der EU zur Abwehr eines Zerfalls der Währungsunion in Europa hat am Montag für deutliche Erleichterung an den Aktienmärkten gesorgt. Der deutsche Aktienindex Dax sprang kurzzeitig um mehr als 5 Prozent über die Marke von 6000 Punkten. Der MDax der wichtigsten Nebenwerte steigt dagegen um knapp 7 Prozent auf 8170 Punkte (siehe auch: Kursfeuerwerk dank Euro-Rettungsschirm).

Auch die europäischen und amerikanischen Börsen reagieren mit kräftigen Kursgewinnen auf das Rettungspaket für den Euro. Der Euro Stoxx 50 gewinnt mehr als 10 Prozent. Besonders stark erholten sich die Aktien in Spanien, Portugal und Griechenland, deren Kurse teilweise mehr als 10 Prozent zulegen. Diese Börsen standen im Zuge der Euro-Krise zuletzt am stärksten unter Druck. In Amerika steigt der Leitindex Dow Jones um mehr als 4 Prozent.

Schon die asiatischen Börsen hatten nach den herben Verlusten der Vorwoche erhebliche Kursgewinne verzeichnet. Vor allem zwei Dinge wurden positiv aufgenommen: Zum einen fiel der Umfang des Pakets mit 750 Milliarden Euro größer aus als erwartet und zum anderen wird es flankiert von der Europäischen Zentralbank, die zusagte, wenn nötig Staatsanleihen von Euro-Zonen-Ländern aufzukaufen.

Notenbanken kaufen Staatsanleihen

Unterdessen hat die Bundesbank damit begonnen, europäische Staatsanleihen zu kaufen. Das sagte ein Sprecher der deutschen Zentralbank am Montag. Die EZB hatte bereits in der Nacht angekündigt, sie plane „Eingriffe“ in den privaten wie den staatlichen Anleihemarkt. Die genaue Form dieser Interventionen sollte zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt werden.

Damit hatte sich allerdings schon angedeutet, dass die EZB erstmals seit ihrer Gründung Staatsanleihen kaufen würde, wogegen sie sich bislang gewehrt hatte. Der Zentralbank ist zwar verboten, direkt Staatsanleihen zu erwerben, doch kann sie damit auf Umwegen trotzdem den Staaten Geld leihen. Die Kurse griechischer Staatsanleihen stiegen teilweise um mehr als 30 Prozent. Die Überrendite der zehnjährigen Staatsanleihe zur vergleichbaren Bundesanleihe fiel von 9,6 auf 3,8 Prozentpunkte.

Auch die Überrenditen der Anleihen anderer hoch verschuldeter Euro-Länder verringerten sich deutlich: für portugiesische und spanische Papiere von 3,5 auf 1,8 bzw. 2,4 auf 1,4 Prozentpunkte.

Besorgnis über Inflationsrisiken

Die Maßnahmen könnten kurz- bis mittelfristig für eine Wende in der Schuldenkrise sorgen, sagte Dariusz Kowalczyk, Chef-Investmentstratege bei SJS Markets. Das Kreditpaket sei groß genug, um Spekulationen über den Zusammenbruch Griechenlands zunächst einmal fortzuwischen. „Mit dem Kauf von Staatsanleihen kann die EZB die Ansteckungsgefahren für weitere Länder, insbesondere Portugal und Griechenland, zunächst effektiv bekämpfen“, sagte Lutz Karpowitz, Devisenstratege der Commerzbank. Der mit dieser Maßnahme verbundene Reputationsverlust der EZB sollte dabei seiner Einschätzung nach nicht außer acht gelassen werden, dürfte den Euro aber erst in der Zukunft belasten.

Einige Investoren blieben aber vorsichtig und wollten erst weitere Details des Pakets abwarten. Skeptisch zeigte. „Das sieht nach Notlösungen aus zur Behandlung von Symptomen“, kritisierte Masafumi Yamamoto, Devisenstratege von Barclays Capital. Dies sei nicht die Art von Maßnahmen, mit denen die Probleme an der Wurzel gepackt werden.

Auch ein befragter Händler zeigt sich zurückhaltend über die längerfristige Marktreaktion. Die Beschlüsse zeigten vor allem, wie dramatisch die Lage sei, vermutlich dramatischer, als sich viele Leute eigentlich bewusst seien. Mit der EZB-Entscheidung, Staatsanleihen aufzukaufen, seien die langfristigen Inflationsrisiken über Nacht deutlich gestiegen.

Euro-Kurs steigt nur vorübergehend

Für die Kritiker bedeuten die Beschlüsse der EU-Finanzminister einen historischen Dammbruch. Der Weg zur Transfer-Union, in der die relativ Soliden wie Deutschland für die Versäumnisse von Haushaltssündern wie Griechenland zahlten, sei endgültig frei. „Von der Währungsunion hin zu einer Transfer-Union“, beschreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer den Weg, den die EU damit eingeschlagen habe.

Trotz der verschiedenen Rettungspläne sei aber weiter Vorsicht geboten, mahnte einer seiner Kollegen. Im Markt werde darüber gesprochen, wie stark einige Finanzinstitute in griechische Anleihen investiert hätten. Das wecke Erinnerungen daran, wie die Krise durch Schrott-Immobilienkredite begonnen habe.

Der Euro konnte daher auch seine Kursgewinne über den tag nicht halten. Er hatte sich nach der Ankündigung des Brüsseler Rettungsschirms zunächst ebenfalls erholte. Sein Kurs war sogar über die Marke von 1,30 Dollar gestiegen. Dann aber setzte eine Gegenbewegung ein, die den Kurs zuletzt sogar unterhalb den Eröffnungskurs auf 1,2856 Dollar nach unten drückte (vgl. auch Euro - nicht aus dem Schneider).

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