Staatliche Kapitalhilfen kommen für Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann nicht in Frage. Auch wenn die Vorgaben der europäischen Politik ebenso wie die jüngsten Schätzungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) noch unklar sind, geht man im Umfeld der Deutschen Bank davon aus, die höheren Eigenkapitalanforderungen über einbehaltene Gewinne erfüllen zu können. Hatten Analysten amerikanischer Investmentbanken noch vor wenigen Wochen den Kapitalbedarf von Deutschlands größter Bank auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt, sind die Prognosen inzwischen deutlich gesunken. Die Citigroup beziffert ihn für die Deutsche Bank auf 3,7 Milliarden Euro und für die Commerzbank auf 1,1Milliarden Euro. Doch auch diese Zahlen scheinen zu hoch, denn der Kapitalbedarf der 13 deutschen Institute, die von der EBA abermals geprüft wurden, soll insgesamt 5,5 Milliarden Euro betragen.
Die Zuversicht in der Deutschen Bank, die an diesem Dienstag über ihre Ergebnisse im dritten Quartal berichten wird, stützt sich wohl darauf, dass die europäische Politik die härteren Eigenkapitalanforderungen, also eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent, erst Mitte 2012 verbindlich vorgeben wird. Ende Mai 2012 findet die Hauptversammlung der Deutschen Bank statt, die über die Gewinnverwendung beschließen wird. Dann wird Ackermann an die Aufsichtsratsspitze wechseln. Er will seinen beiden Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine Bank ohne Staatskapital übergeben.
Erhöhung risikogewichteter Vermögenswerte
Während der Commerzbank mit ihrem Portfolio an Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern über nominal 39 Milliarden Euro noch umfangreiche Wertberichtigungen drohen, ist die Lage bei der Deutschen Bank etwas entspannter. Sie gibt das Nettorisiko aus italienischen, spanischen, griechischen, portugiesischen und irischen Staatsanleihen mit 3,7 Milliarden Euro an. Das Nominalvolumen dürfte 12,5 Milliarden Euro betragen. Die Differenz ist größtenteils auf Absicherungen wie etwa Kreditausfallderivate (CDS) zurückzuführen. Kursverlusten der Anleihen sollten entsprechende Kursgewinne der Derivate gegenüberstehen. Zudem kommen den deutschen Banken ihre Bestände an Bundesanleihen zugute, die in den jüngsten Marktturbulenzen von ihrem Status als sicherer Hafen profitiert und Kursgewinne verzeichnet hatten.
Für die Deutsche Bank stellen die härteren Kapitalregeln für das Handels- und Bankbuch eine höhere Hürde als für die Commerzbank dar. Als international führende Investmentbank ist sie von dem „Basel 2.5“ genannten Regelwerk, das bis Jahresende umgesetzt werden muss, deutlich stärker betroffen. Dadurch erhöhen sich die risikogewichteten Vermögenswerte, die mit hartem Kernkapital, also Aktien und Gewinnrücklagen, unterlegt werden müssen. Ende Juni zählte die Deutsche Bank Risikoaktiva von 320 Milliarden Euro. Mit einem harten Kernkapital von 32,5 Milliarden Euro kam sie auf eine Quote von 10,2 Prozent. Durch „Basel 2.5“ erhöhen sich nach Schätzung der Deutschen Bank die Risikoaktiva um 93 Milliarden Euro. Bei der Commerzbank sind es 30 Milliarden Euro, so dass die Risikoaktiva dann 300 Milliarden Euro betragen dürften. Um auf eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu kommen, benötigt die Deutsche Bank ein hartes Kernkapital von 37,2 Milliarden Euro. Das wären 4,7 Milliarden Euro mehr als noch Ende Juni. Die Commerzbank müsste um 3,2 auf 27 Milliarden Euro aufstocken.
Fortgesetzter Abbau von Geschäftsrisiken
Die Deutsche Bank kann diese Summe über den Nettogewinn, den Analysten für dieses Jahr auf 5 Milliarden Euro schätzen, aber nur zum Teil stemmen, wenn den Aktionären für 2011 eine unveränderte Dividende von 0,75 Euro je Aktie (insgesamt 697 Millionen Euro) ausgeschüttet werden soll.
Eine weitere Entlastung bringt der fortgesetzte Abbau von Geschäftsrisiken wie etwa Kreditforderungen oder Wertpapieren. In den kommenden zwei Jahren will die Deutsche Bank die Risikoaktiva um 90 Milliarden Euro senken. Das entspräche einer Kapitalentlastung von 8,1 Milliarden Euro. Jedoch wollen auch andere europäische Großbanken, etwa die französische BNP Paribas oder die Commerzbank, ihre Risiken reduzieren. Dies kann dazu führen, dass sich die Aktiva nur schwer verkaufen lassen.
Schließlich bleibt Ackermann die Option, das Kapital unter Ausschluss des Bezugsrechts um 90 Millionen Aktien zu erhöhen. Damit ließen sich 2,3 Milliarden Euro erlösen, die sich auf einen exklusiven Investorenkreis verteilten. Aber die abermalige Verwässerung - im Herbst 2010 war das Kapital um 10 Milliarden Euro erhöht worden - dürfte Ackermann seinen Aktionären ersparen wollen.
das nennt man wohl assozial
Jürgen Wenz (satyrffm)
- 25.10.2011, 11:33 Uhr