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Ausweg aus der Schuldenkrise Was die Griechen können

26.06.2011 ·  Griechenland hat ein Problem: die Ertragsschwäche der Vokswirtschaft. Das Land an der Ägäis braucht ein neues Geschäftsmodell. Denn der Tourismus stagniert, und Olivenöl können andere auch. Was also hat Griechenland zu bieten?

Von Winand von Petersdorff
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Aus der Krise wächst ein Geschäft: Das druckfrische Buch „Faule Kredite“ des griechischen Krimiautors Petros Markaris (Plot: Banker finden einen gewaltsamen Tod) wurde in Italien schon zweimal nachgedruckt, nachdem die ersten Auflagen vergriffen waren. Die deutsche Ausgabe kommt schon im Juli statt wie geplant im September. Der Athener Markaris ist ein Vorbild für sein Land: exportorientiert und geschäftstüchtig.

Nicht die Schuldenkrise ist das wichtigste Problem Griechenlands, sondern die Ertragsschwäche der Volkswirtschaft. Selbst wenn das Land von seinen Schulden befreit würde, hätte der Staatshaushalt immer noch ein stattliches Loch. Griechenland fehlt ein Geschäftsmodell, das dem Staat Steuern und den Leuten ein Auskommen bietet.

Griechenland benötigt Wachstum

Unternehmen vermeiden den Bankrott, wenn sie mit Gewinn Produkte und Dienste anbieten können, die Kunden attraktiv finden. Das Gleiche gilt für Staaten. Was also hat Griechenland zu bieten? Auf der Liste der wirtschaftsstärksten Länder der Welt (BIP pro Kopf) findet sich das Land auf Rang 26 wieder nicht weit von Finnland und Taiwan. Die wirtschaftliche Basis ist gegeben. Damit aber die Volkswirtschaft blüht, müssen der Konsum, die Staatsausgaben, die Investitionen oder der Export wachsen, besagt der Grundkurs Volkswirtschaft.

Den Konsum darf man als Hoffnungsträger abhaken, im Zuge des Sparprogramms schrumpfen die Löhne des öffentlichen Dienstes und die Renten. Gleichzeitig hat Athen die Verbrauchsteuern angehoben. Das dämpft die Konsumlust, wenn davon überhaupt noch etwas übrig war. Die Staatsausgaben müssen ohnehin reduziert werden. Bleiben zwei Positionen, auf die sich Griechenlands Wirtschaft stützt: Investitionen und Exporte.

Ein gutes Investitionsklima weist ein Land auf, wenn es Gründern leichtmacht, ein Geschäft zu starten. Das untersucht die Weltbank in großen Befragungen. Griechenland fand sich dabei 2010 auf Rang 109 von 183 Ländern wieder – unweit von Bangladesch und Paraguay. Die Registrierung von Eigentumsrechten, ein Kriterium der Weltbank-Studie, ist in Griechenland so unterentwickelt wie in einer Bananenrepublik (Rang 153 im World Bank Ranking 2010), die bürokratische Prozedur der Unternehmensgründung fast ebenso sperrig.

Märkte liberalisieren

Das ist eine vernichtende Diagnose: Die Bürokratie entmutigt Entrepreneure. In Griechenland kursiert die Geschichte des Unternehmers Demetri Politopoulos, der aus den Vereinigten Staaten nach Griechenland kam, um eine Brauerei aufzubauen. Sie sollte dem Quasi-Monopolisten Heineken (mehr als 70 Prozent Marktanteil) Konkurrenz machen. Dabei haben ihm Verwaltung und Konkurrenz alle möglichen Steine in den Weg geräumt, klagt der Unternehmer gegenüber der „New York Times“.

Dazu kommt, dass ein uraltes Gesetz gerade den größten Plan des Unternehmers zunichtemacht: Er will in großem Stil eine bionadeähnliche Kräuterlimonade auf den Markt bringen. Doch ein Gesetz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sagt, ein Brauer darf nur Bier brauen, nichts anderes. Alle Anstrengungen, die Politiker für ein liberales Gesetz zu gewinnen, haben bisher nicht gefruchtet, klagt der Mann.

In Griechenland ließ sich bisher bestens auskommen, wenn man Rechtsanwalt oder Apotheker ist und durch Gesetze vor lokaler und internationaler Konkurrenz geschützt wird. Das gilt auch für Fuhrunternehmen, die durch staatliche Lizenzen behütet werden. Die Zahl der Lizenzen ist in den letzten Dekaden nicht gestiegen, damit fehlt dem Gewerbe der Konkurrenzdruck, der Preise drückt und Qualität verbessert. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es. Die Regierung will auf Drängen der EU die Märkte jetzt liberalisieren. Ein Vorbild dafür finden die Griechen hoch im Norden Europas. Als Finnland Mitte der neunziger Jahre in eine Krise stürzte, weil Russland als wichtigster Kunde zusammenbrach, da verordnete die Regierung nicht nur ein rigoroses Sparprogramm, sie senkte auch die Unternehmensteuern, um Investitionen zu beflügeln. Gleichzeitig ernteten die Skandinavier aber die Früchte einer langfristig angelegten Bildungspolitik, die das Land zum Spitzenreiter in der Pisa-Studie und in der Hightech-Industrie (Nokia) beförderte.

Hoffnungsstütze Export

Griechenland dagegen wird erst einmal kein Hightech-Land: Die größten Hoffnungen des Landes stützen sich auf den Export. Die Tatsache, dass das Land in den zehn Jahren vor der Krise international an Marktanteilen verloren hat, ist ein Hinweis auf das Potential, das in der Volkswirtschaft schlummert. Der Niedergang der Exportwirtschaft ist die Folge der Lohnstückkosten, die in keinem Euroland so stark gestiegen sind wie im Land an der Ägäis.

Wer bei Griechenland an konkurrenzfähige Produkte denkt, dem kommen Olivenöl, Feta und die Ferieninseln in den Sinn. Doch die Europäische Kommission hat andere Branchen als vielversprechend eingestuft: die Pharmazie, Rohölverarbeitung und das Transportgewerbe. Im Land haben sich die großen Pharmakonzerne angesiedelt, die Know-how und hochspezialisierte Arbeitsplätze ins Land bringen. Die Weiterverarbeitung von Rohöl in vier großen Raffinerien und der Transport über zehn Ölhäfen ist eine gute Basis. Auftrieb könnte der Sektor noch durch eine neue Pipeline bekommen, die Griechenland mit Russland verbinden soll.

Hohe Konkurrenz beim Standard-Repertoire

Allein wegen seiner Größe bleibt das Gastgewerbe vital für das Land: Es steuert 15 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Die Touristenzahlen stiegen zwar von 2000 bis 2009, doch wichtige Konkurrenzländer wie Ägypten, die Türkei oder Kroatien hatten viel größere Zuwachsraten. Im Ranking der internationalen Touristikdestinationen fiel das Land von Rang elf auf Rang 15. Die Experten wünschen sich bessere und billigere Flugverbindungen und schnellere Genehmigungsverfahren für Hotelanlagen. Außerdem könnte besseres Marketing die Urlauber auf viele kaum frequentierte Regionen aufmerksam machen, so die Hoffnung.

Schwer haben es auch die Lebensmittelproduzenten, die vor allem gegen spanische Lieferanten verlieren, die in der Regel dasselbe anbieten. Selbst Produkte wie der Schafskäse Feta bleiben nicht ungeschoren. In Deutschland kommen Varianten „im griechischen Stil“ inzwischen von dänischen Milchkühen. Noch schwerer umkämpft ist der Markt für Olivenöl, in dem Griechenland noch zu den führenden Lieferanten zählt. Hier zeichnet sich eine Entwicklung wie beim Wein ab. Immer mehr Länder außerhalb der Mittelmeerregion wittern die Chance, vom globalen Trend zum gesunden Olivenöl zu profitieren. Und griechische Lieferanten sind oft zu klein, um mit eigener Finanzkraft eine internationale Marke zu kreieren.

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Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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