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Aktienmärkte in Festlaune Rettungsprogramm nimmt der Börse die Panik

10.05.2010 ·  Der Rettungsschirm für den Euro und die Absicht der EZB, Staatsanleihen anzukaufen, hat am Montag nicht nur die Kurse griechischer Anleihen nach oben getrieben. Auch die Aktienkurse verzeichnen in Europa und Amerika hohe Aufschläge. Die Kurse von Bankaktien stiegen um bis zu 25 Prozent.

Von Stefan Ruhkamp und Markus Frühauf
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Die Stabilisierungsprogramme zugunsten der finanzschwachen europäischen Staaten haben am Montag an den Börsen zu hohen Kursgewinnen geführt; die Panik der vergangenen Tage hat sich gelegt. Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 gewann 10,4 Prozent auf 2759 Punkte, der Dax 5,3 Prozent auf 6018 Punkte. In Amerika kletterte der Dow Jones Industrial Average um 3,90 Prozent auf 10.785 Punkte.

Griechische Staatsanleihen verteuerten sich um bis zu 20, portugiesische um bis zu 10 Prozent. Dadurch verbesserten sich die Bedingungen für die Finanzierung der Schulden dieser Staaten schlagartig. Die Rendite für zweijährige griechische Anleihen sank von 18 auf unter 6 Prozent. Die Euro-Gruppe und der Internationale Währungsfonds stellen Hilfen von 720 Milliarden Euro bereit. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Staatsanleihen.

Bankenaktien mit exorbitanten Kursgewinnen

Die Wertzuwächse für Anleihen der finanzschwachen Euro-Staaten werteten viele Anleger als Befreiungsschlag für die Banken. Der Aktienindex der Banken im Euro-Raum stieg um 19 Prozent. Einige Titel wie Société Générale, BBVA und Allied Irish legten 20 bis 25 Prozent zu. Viele europäische Banken - darunter in Deutschland die verstaatlichte Hypo Real Estate - halten im großen Stil griechische Anleihen und Titel anderer überschuldeter Länder. Am Montag reagierte der Markt deutlich erleichtert auf das neue Rettungspaket. Der Aktienkurs der Deutschen Bank stieg um 11 Prozent. Commerzbank-Aktien verteuerten sich um 8 Prozent. Deutschlands zweitgrößte Bank hält Staatsanleihen aus den finanzschwachen Euro-Ländern - Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien - von insgesamt 26,5 Milliarden Euro.

Video: Rettungsschirm nimmt Druck vom Euro

Der in Aussicht gestellte Rettungsschirm hat die unmittelbare Gefahr von Zahlungsschwierigkeiten und Umschuldungen, die für die Gläubiger mit Verlusten verbunden wären, verringert. Deutsche Banken halten gegenüber griechischen Schuldnern Forderungen von rund 45 Milliarden Dollar, französische Banken rund 75 Milliarden Dollar.

EZB öffnet die Geldschleusen

Eine weitere Ursache für die Kursgewinne der Banken war das Eingreifen der EZB. Sie kündigte den Kauf von Staatsanleihen an und führt wichtige Liquiditätshilfen für die Banken wieder ein. Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schulden- und Finanzierungskrise hatte in der vergangenen Woche die Finanzierungsbedingungen für die Banken im Euro-Raum verschlechtert und die Risikoprämien in die Höhe getrieben.

Die Analysten von Credit Suisse verwiesen auf Marktgerüchte in der vergangenen Woche, wonach BNP Paribas, Société Générale, BBVA und Banco Santander Liquiditätsengpässe hätten. Spanien galt nach Griechenland und Portugal als Kandidat für eine Schuldenkrise, weil die Wirtschaft nach dem Platzen einer Immobilienblase angeschlagen ist. Wegen der hohen privaten Verschuldung halten die Analysten der Citigroup Kredite, die an die Konsolidierung der Staatshaushalte geknüpft sind, für Länder wie Spanien sowie Irland für wenig geeignet.

Die EZB begründete ihr Eingreifen mit Marktversagen. Im Umfeld der EZB wurden die Märkte für griechische, spanische und portugiesische Anleihen genannt. Außerdem hatte am Freitag eine kurzfristig einberufene Telefonkonferenz alarmiert, auf der die Vertreter der Banken über Finanzierungsschwierigkeiten klagten. Diesen Alarm soll EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Freitag und in der Nacht zum Samstag den Regierungen der Euro-Länder übermittelt haben.

„Es ging in Richtung Lehman“

Händler berichten, am Freitag hätten sich die Finanzierungsbedingungen der europäischen Banken spürbar verschlechtert. „Es ging in Richtung Lehman“, sagt ein Händler. Allerdings waren die Risikoprämien noch weit von dem Niveau der letzten Bankenkrise im Jahr 2008 entfernt. Von Anfang April bis vergangenen Freitag ist zum Beispiel der Zinsabstand zwischen besicherten und unbesicherten Leihegeschäften zwischen den Banken von 20 auf gut 30 Basispunkte gestiegen. Anfang 2009 lag dieser Wert bei 110 Basispunkten. Der Abstand zwischen den Eonia-Sätzen, einem Derivat, und den Euribor - auch dieser Spread gilt als Krisensymptom - stieg in den vergangenen Tagen von 17 auf 42 Basispunkte. Im Januar 2009 lag er bei 140 Basispunkten.

Auch die Risikoprämien für die Kreditausfallderivate auf europäische Banken waren stark gestiegen, ehe sich der Markt am Montag erholte. Der Credit Default Swap auf Santander wurde am Montag mit 1,54 Prozentpunkten um 38 Prozent niedriger gehandelt als am Freitag. Die Absicherung einer Forderung von 1 Million Euro kostet eine jährliche Prämie von 15 400 Euro. Die Risikoprämie für die Deutsche Bank sank um 21 Prozent auf 1,44 Prozentpunkte. Am Freitag hatte es auch Gerüchte gegeben, in den finanzschwachen Ländern würden die Kapitalabflüsse aus den Banken zunehmen.

Während die Kurse der finanzschwachen Euro-Länder stiegen, verloren die Anleihen der stabileren Staaten an Wert. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit büßten gut 1,5 Prozent ein. Die Rendite, ein wichtiger Maßstab für die Finanzierungskosten des Staates, stieg um 0,2 Punkte auf knapp 3 Prozent, was im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig ist. Der Außenwert des Euro - EZB und Regierungen haben seine Stabilität als Ziel ihres Handelns bezeichnet - stieg mäßig. In der Relation zum Dollar gewann die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,31 Dollar und wurde im späten Handel mit einem Tagesplus von 1 Prozent auf 1,28 Dollar je Euro gehandelt.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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