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Europäische Union Der Euro in der Bewährungsprobe

 ·  Vor zehn Jahren, am 1. Januar 1999, hat der Euro die D-Mark abgelöst. Anders als vielfach befürchtet, ist der Euro nicht zu einer Weichwährung geworden. Die schwere Wirtschaftskrise hat einige Schwächen aufgedeckt. Doch der Ausbau der Währungsunion muss weitergehen.

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Vor zehn Jahren, am 1. Januar 1999, hat der Euro die D-Mark abgelöst. Seither bestimmt die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldpolitik des Euro-Raums. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die europäische Gemeinschaftswährung als wertbeständig erwiesen, ja, als ein Anker der Stabilität. Doch stellt die Finanz- und Wirtschaftskrise den Euro nun auf eine schwere Bewährungsprobe.

Am Silvestertag 1998 legten zunächst elf EU-Länder die Wechselkurse ihrer Währungen unwiderruflich zum Euro fest. Die D-Mark blieb zwar noch bis Anfang 2002 in Umlauf, doch war der Euro durch die Festzurrung der Wechselkurse zur Gemeinschaftswährung geworden. Am 1. Januar tritt die Slowakei als sechzehntes Mitglied der Währungsunion bei, die dann 329 Millionen Bürger umfassen wird - mehr als die Vereinigten Staaten mit ihren 300 Millionen Einwohnern.

Keine Weichwährung

Anders als vielfach befürchtet, ist der Euro nicht zu einer Weichwährung geworden. Zwar hat die EZB ihr selbstgesetztes Ziel, die Jahresinflation unter, aber nahe 2 Prozent zu halten, nur in einem Jahr erreicht. Doch blieb die Teuerung mit Ausnahme des Krisenjahres 2008 stets nahe 2 Prozent. Der Außenwert des Euro ist gestiegen, ganz allgemein und zur Weltleitwährung Dollar: Anfang 1999 war der Euro 1,18 Dollar wert, derzeit müssen 1,42 Dollar für den Euro gezahlt werden. Unternehmen und Bürger haben vom Euro profitiert: Innerhalb des Euro-Raums sind die Kosten entfallen, die mit schwankenden Wechselkursen einhergehen. Und inzwischen wird auch mehr als die Hälfte des Handels mit Drittländern kostengünstig in Euro abgewickelt. Diese Vorteile haben dazu beigetragen, dass das Pro-Kopf-Einkommen im Euro-Raum im vergangenen Jahrzehnt mit jährlich 1,8 Prozent etwas mehr zugenommen hat als in den Vereinigten Staaten.

Die schwere Krise, die die Weltwirtschaft erfasst hat, hat allerdings einige Schwächen aufgedeckt. So spricht einiges dafür, dass die Notenbanken, einschließlich EZB, den Spekulationsblasen an den Immobilien- und Finanzmärkten in den vergangenen Jahren durch eine zu starke Geldvermehrung den Boden bereitet haben. Alle Notenbanken sind deshalb gefordert, Konzepte zu entwickeln, die solchen Fehlentwicklungen und ihren desaströsen Folgen künftig vorbeugen.

In der Krise war die Gemeinschaftswährung freilich ein Stabilitätsanker. Die extremen Schwankungen, die der Euro zuletzt gegenüber Drittwährungen wie Dollar, Pfund und Yen durchlaufen hat, lassen erahnen, zu welchen Wechselkursturbulenzen sowie wirtschaftlichen und politischen Spannungen es zwischen den europäischen Nachbarn hätte kommen können, wenn es die gemeinsame Währung nicht schon gegeben hätte. Die Devisenmarktturbulenzen lassen auch erahnen, dass das Weltwährungssystem mit seiner angeschlagenen Leitwährung Dollar in große Spannungen geraten könnte. Auf globaler Ebene muss die Politik nun verhindern, dass es im Zuge der Krise zu einem Abwertungswettlauf zu Lasten des Euro und ganz allgemein zu mehr Protektionismus und Subventionitis kommt.

Krise verschärft ökonomische Unterschiede

Innerhalb des Euro-Raums hat die Krise die Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung verschärft. Einige Staaten ächzen unter der Doppelbelastung durch wirtschaftlichen Abschwung und gleichzeitigen scharfen Anstieg der Risikoprämien für ihre Schulden. Das wird den politischen Druck seitens einiger Euro-Länder erhöhen, die Regeln des Maastricht-Vertrags sowie des Stabilitäts- und Wachstumspakts aufzuweichen. Die Gemeinschaft muss diesen Ansinnen widerstehen. Denn ohne die Budgetdisziplin, zu der sich die Euro-Länder bei ihrem Beitritt verpflichtet haben, wäre die Werthaltigkeit des Euro rasch gefährdet.

Diese Budgetdisziplin darf auch nicht durch die Verlagerung von Staatsschulden auf Institutionen der Währungsunion aufgeweicht werden. Vielmehr müssen die betroffenen Länder, die bislang von der Währungsunion meist sehr profitiert haben, nun den beschwerlichen und unpopulären Weg gehen, ihre Staatshaushalte zu sanieren und ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit wiederzugewinnen - so wie dies die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren getan hat.

Parallel zu diesen Daueraufgaben muss der Ausbau der Währungsunion weitergehen. Dabei geht es zum einen darum, auch im bargeldlosen Zahlungsverkehr - bei Überweisungen, Kartenzahlungen und Lastschriften - die noch bestehenden nationalen Grenzen innerhalb des Euro-Raums abzubauen und "Sepa", den einheitlichen Euro-Zahlungsraum, zu verwirklichen. Gerade auch einige deutsche Wirtschaftsverbände sträuben sich gegen diese Vertiefung der Union. Hier gilt es, politische Bretter zu bohren. Zum anderen hat die Union die Vorgabe, alle 27 EU-Mitglieder aufzunehmen, mit Ausnahme von Großbritannien und Dänemark, die eine Option haben, draußenzubleiben. Die hohe Inflation, die Slowenien nach dem Beitritt erlebte, lehrt, dabei eher vorsichtig vorzugehen - auch wenn einige Länder wegen der Vorteile der Union auf einen raschen Beitritt dringen.

Währung kommt von währen. In historischer Perspektive steckt das europäische Großprojekt Gemeinschaftswährung noch in den Kinderschuhen. Der Start ist ermutigend.

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01.01.2009, 13:18 Uhr

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