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Veröffentlicht: 27.10.2011, 15:40 Uhr

Europäische Union Braucht der Markt den Euro?

Der Hauptpfeiler der europäischen Integration, der EU-Binnenmarkt, hängt nicht vom Euro ab. Die Vorteile der intensiven Marktverflechtungen sind auch ohne Euro nutzbar. Stabilität und Wachstum bei den Binnenmarkt-Partnern sind wichtiger als eine einheitliche Währung.

von Renate Ohr
© Denzel, Jesco Freie Fahrt ist wichtiger als die einheitliche Währung: Containerfrachter in Bremerhaven

Der europäische Binnenmarkt ist ein einzigartiges Erfolgsprojekt wirtschaftlicher Integration und ein beeindruckendes Resultat der Europapolitik der Nachkriegszeit. Die Verwirklichung der „vier Grundfreiheiten“ in der Europäischen Union - unbeschränkter Handel mit Waren und Dienstleistungen, Kapitalverkehrsfreiheit inklusive Niederlassungsfreiheit sowie Freizügigkeit der Arbeitnehmer - für einen Wirtschaftsraum von mittlerweile 27 souveränen Nationalstaaten ist beispiellos. In der aktuellen Diskussion um die Euro-Krise wird nun vielfach vorgetragen, dass Austritte einzelner Länder aus der Eurozone oder gar ein Scheitern der Währungsunion insgesamt auch den EU-Binnenmarkt zerstören würden. Doch ist der europäische Binnenmarkt, die wichtigste Säule des europäischen Integrationsprozesses, wirklich gefährdet? Sind die Existenz und die Stabilität dieses gemeinsamen Marktes von der Existenz und der Stabilität des Euro abhängig? Um diese Frage beantworten zu können, ist ein Blick auf die Struktur des europäischen Integrationsprozesses notwendig.

Die wirtschaftliche Integration, also das Zusammenwachsen von Wirtschaftsräumen, kann zum einen über Fortschritte im freien Austausch von Waren, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren erzielt werden. Zum anderen kann eine engere Verbindung der Volkswirtschaften aber auch über Fortschritte bei der Abstimmung, Harmonisierung und Vereinheitlichung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Maßnahmen erfolgen. Dementsprechend kann zwischen Formen der sogenannten Marktintegration einerseits und Formen der politischen oder institutionellen Integration andererseits unterschieden werden. Marktintegration bedeutet primär die Öffnung der nationalen Märkte gegenüber den Anbietern und Nachfragern der Partnerstaaten. Sie ist daher mit einer Liberalisierung und Deregulierung des Marktgeschehens verbunden, so dass die Entwicklung zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum über - freiwillige - Marktprozesse getrieben wird. Marktintegration ist von dem Grundgedanken geleitet, dass Integration vor allem durch den Abbau von Hindernissen bei allen grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Transaktionen erreicht werden solle, da durch den hiermit zunehmenden Wettbewerb effizienz- und wachstumsfördernde Prozesse ausgelöst würden.

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Marktintegration bedeutet damit eine „Integration durch Wettbewerb“. Ziel dieser Integrationsform ist letztlich eine effizientere internationale Arbeitsteilung, eine Ausdehnung der Absatzmärkte mit den damit verbundenen Massenproduktionsvorteilen, eine Förderung des technischen Fortschritts und der Produktivität sowie eine größere Produktvielfalt bei Waren und Dienstleistungen für die Verbraucher. Durch eine freie Mobilität von Arbeit und Kapital sollen zudem auch die Produktionsfaktoren dorthin wandern können, wo sie am effizientesten genutzt werden. Der EU-Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten repräsentiert die höchste Form dieser Marktintegration.

Zusammenwachsen „von unten“

Die Marktintegration führt über individuelle und freiwillige Entscheidungen der Marktteilnehmer zu wachsendem Handel zwischen den Partnerstaaten, zu zunehmender gegenseitiger Nutzung der Finanz-, Kapital- und Arbeitsmärkte und damit insgesamt zu einem Zusammenwachsen der Volkswirtschaften quasi „von unten“.

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