13.10.2008 · Einen Tag nach dem Krisengipfel der Eurostaaten schmiedet nicht nur Deutschland an der Ausgestaltung seiner nationalen Bankenhilfen. Die britische Regierung hat bereits verkündet, dass sie bei drei Großbanken als neuer Anteilseigner einspringt.
Einen Tag nach dem Krisengipfel der Eurostaaten in Paris schmiedet nicht nur Deutschland an der Ausgestaltung seines nationalen Rettungsplans. Auch Frankreich hat seinen Beitrag bereits auf den Weg gebracht; Kernpunkte des französischen Plans sind schon bekannt. In Großbritannien ist man gar noch einen Schritt weiter: Zur Rettung der Bankenlandschaft springt die britische Regierung bei drei Großbanken als neuer Anteilseigner ein und versorgt die Kreditinstitute mit einer Kapitalspritze von fast 37 Milliarden Pfund.
Für die Royal Bank of Scotland (RBS) stehen Steuergelder von 20 Milliarden Pfund (25 Milliarden Euro) bereit. Die vor einer Fusion stehenden Banken HBOS und Lloyds TSB benötigen gemeinsam 17 Milliarden Pfund frisches Kapital, wie die Regierung am Montag mitteilte. Damit wird der Staat Hauptaktionär bei RBS mit einem Anteil von rund 60 Prozent, falls nicht noch ein privater Geldgeber hinzukommt. RBS-Chef Fred Goodwin kündigte seinen Rücktritt an. An der fusionierten Großbank Lloyds/HBOS wird der Staat einen Anteil von 40 Prozent halten. Das Finanzministerium betonte, nicht dauerhaft Investor der Banken bleiben zu wollen. Schon jetzt kontrolliert die Regierung die verstaatlichten Hypothekenbanken Northern Rock und Bradford & Bingley.
Die britische Großbank Barclays braucht nach eigenen Angaben eine Finanzspritze von 6,5 Milliarden Pfund, will allerdings ohne Hilfe des Steuerzahlers auskommen. Zudem wird Barclays für 2008 keine Dividende auszahlen und damit 2 Milliarden Pfund sparen. Die Großbank HSBC hatte schon zuvor eine Kapitalerhöhung ohne Hilfe des Steuerzahlers angekündigt.
Die Regierung kauft von RBS für 5 Milliarden Pfund Vorzugsaktien. Die übrigen 15 Milliarden Pfund sollen in Stammaktien fließen, falls sich wie erwartet kein anderer privater Geldgeber findet. Lloyds TSB wird mit Hilfe von Steuergeldern eine Geldspritze von 11,5 Milliarden Pfund erhalten, davon 3 Milliarden in Vorzugsaktien. Bei HBOS springt der Staat mit 5,5 Milliarden Pfund ein.
Möglich wurde die Beteiligung des Staates durch ein Rettungspaket mit einem Gesamtvolumen von 500 Milliarden Pfund. Das Paket sieht unter anderem den Einstieg des Staates bei den Banken im Tausch gegen Vorzugsaktien vor. Dafür stellt die Regierung 50 Milliarden Pfund Steuergelder zur Verfügung. Neben einer Geldspritze von 200 Milliarden Pfund der Notenbank verpflichtete sich der Staat ferner, mit 250 Milliarden Pfund für Leihgeschäfte zwischen den Banken geradezustehen.
Es irrt der Mensch solang er strebt,
Stephan Fiedler (Gluck)
- 13.10.2008, 15:00 Uhr
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