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Zypern-Rettung Ein Modell für Europa

In Zypern müssen für die Pleite der Banken die Gläubiger bluten. Eine Ausnahme, sagen die Politiker. Warum eigentlich? Wer sein Geld zur Bank bringt, muss sich des Risikos bewusst sein.

© Ben Rennen Europa rettet Zypern unter Beteiligung der Anleger: Ein Modell für die Zukunft?

Die Banken in Zypern haben wieder geöffnet, und eine Katastrophe in Europa ist ausgeblieben. Das Geld fließt wieder, wenn auch nur eingeschränkt. So dürfen Bankkunden pro Tag nicht mehr als 300 Euro abheben und im Ausland nur noch bis zu 5000 Euro pro Monat mit der Kreditkarte ausgeben. Alle größeren Auslandsüberweisungen bedürfen einer Genehmigung. Und wer das Land verlässt, darf höchstens 1000 Euro in bar mit sich führen. Zyperns Präsident dankte den Bürgern seines Landes für die Ruhe, mit der sie auf die dramatischen Ereignisse reagiert hätten.

Christian Siedenbiedel Folgen:

Auch die Investoren an den internationalen Finanzmärkten zeigten sich erleichtert. Der Euro-Kurs stieg am Donnerstag wieder, nachdem er am Tag zuvor ein Tief von 1,277 Dollar erreicht hatte. Und auch der deutsche Aktienindex Dax legte etwas zu.

Politiker streiten Vorbildcharakter Zyperns ab

Kein Wunder, dass sich angesichts dieser verhältnismäßig ruhigen Entwicklung eine Frage aufdrängte: Ist die Zypern-Rettung, wenn sie gelingt, ein Modell für Europa? Der Chef der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, hatte bereits zum Wochenbeginn in einem Interview mit der „Financial Times“ durchblicken lassen, Zypern könnte zur „Vorlage“ werden, wie Europa künftig mit bankrotten Banken und Staaten umgeht.

In der Aussage steckte Sprengstoff. Das „Modell Zypern“ auf ganz Europa zu übertragen, würde bedeuteten, dass bei der Euro-Rettung die Steuerzahler der Garantieländer nicht mehr die gesamten Lasten tragen müssten. Sondern dass man Anlegern, die unsicheren Banken zu hohen Zinsen Geld geliehen haben, einen Teil des Schadens zumuten kann, wenn ihre Spekulation schief geht.

Infografik / Dax und Euro reagieren verhalten © F.A.Z. Bilderstrecke 

Zwar waren Politiker überall in Europa bemüht, den Vorbildcharakter Zyperns abzustreiten. Auch Dijsselbloem selbst erklärte später, er sei da wohl irgendwie missverstanden worden. Die Motivation für diese Dementis war durchschaubar. Die Politiker fürchteten, Anleger könnten ihr Geld aus anderen Krisenländern abziehen, weil ihre Bankguthaben auch dort womöglich für Euro-Rettungsmaßnahmen eingesetzt werden.

Bislang regierte die Angst vor Ansteckung

Dabei wurde in Zypern genau das gemacht, was seit Beginn der Finanzkrise alle fordern: Die Gläubiger der Banken wurden an den Kosten der Bankenpleiten beteiligt. Die Idee, so könnte man es künftig immer machen, ist alles andere als abwegig. „Ich halte das durchaus für einen gangbaren Weg“, sagt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor in Stuttgart-Hohenheim.

Zum ersten Mal seit Beginn der Eurokrise wurde der unheilvolle Zyklus aus Banken- und Staatenrettung wirksam durchbrochen. Bislang wurden Banken, die sich verspekuliert hatten, immer von ihren jeweiligen Staaten aufgefangen. Daraufhin gerieten die Staaten selbst in Schieflage. Und mussten sich von den anderen Euroländern herauspauken lassen.

Stets steckte dahinter die Angst vor der Ansteckung, auf Ökonomen-Englisch „Contagion“. Damit konnten die Retterstaaten hervorragend erpresst werden: Wenn ihr eine Bank oder einen Staat in Südeuropa kippen lasst, so die Argumentation, reißt das eure eigenen Banken mit. Zum einen, weil eure Banken südeuropäische Anleihen in ihren Büchern haben. Zum anderen, weil die Gläubiger dann von euren Banken verängstigt ihr Geld abziehen, wenn anderswo Bankengläubiger zur Kasse gebeten werden.

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