Home
http://www.faz.net/-gqu-74j67
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Schuldenkrise Zypern braucht wohl 17 Milliarden Euro

Die Schulden- und Bankenkrise Zyperns hat sich verschärft. Das Hilfspaket für Zypern könnte sich auf insgesamt 17,5 Milliarden Euro belaufen - bislang war von lediglich 10 Milliarden Euro die Rede.

© dpa Vergrößern Nikosia

Am Donnerstag reisten die Vertreter von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ab. Ein Ergebnis zum beantragten Rettungspaket wurde in dem zweiwöchigen Besuch der Troika nicht erzielt. Nach Angaben von Finanzminister Vassos Shiarly hat das Paket inzwischen einen Umfang von 17 Milliarden Euro. Bislang war man von 10 Milliarden Euro ausgegangen. Das zyprische Bruttoinlandsprodukt (BIP) entspricht 18 Milliarden Euro.

Tobias Piller Folgen:   Markus Frühauf Folgen:    

Die Ratingagentur Fitch stufte am Mittwoch die Bonitätsnote des Eurolandes um zwei Stufen auf „BB-“ herab. Auch Moody’s prüft eine Herabstufung. Die schwindende Kreditwürdigkeit Zyperns begründen beide Ratingagenturen mit den Problemen der Banken, die nach dem griechischen Schuldenschnitt unter Kapitalnot leiden. Die Forderungen der drei größten Banken - Bank of Cyprus, Cyprus Popular Bank und Hellenic Bank - gegenüber griechischen Schuldnern betragen 19,6 Milliarden Euro.

Zyperns Regierung meldet seit Montag immer wieder, dass die Verhandlungen mit der Troika kurz vor dem Abschluss stünden, doch gibt es noch keine greifbaren Ergebnisse. Die Regierung unter Führung des Staatspräsidenten Demetris Christofias versuchte in den vergangenen Monaten alles, um Verhandlungen mit den europäischen Partnern über ein Sanierungs- und Rettungspaket zu vermeiden. Zwar erlebt Zypern keinen vergleichbaren Niedergang der Wirtschaft wie Griechenland, doch dient Griechenland für zyprische Politiker als abschreckendes Beispiel. Weil Zyperns Banken mit dem Schuldenschnitt Griechenlands größere Teile ihrer Anlagen verloren haben, bleibt das Land jedoch abhängig von einem Rettungsprogramm für die Banken und nun auch für die Staatsschulden. Nach leichtem Wachstum 2010 und 2011 erwartet Brüssel für 2012 und 2013 nun aber Rezession.

Mehr zum Thema

Die Regierung erhielt schon einen Stützungskredit über 2,5 Milliarden Euro aus Russland und hoffte auf eine neue Tranche. Weil aber die russische Regierung einen neuen Kredit von einem europäischen Rettungspaket abhängig macht, bleibt der Regierung nun kein anderer Weg, als sich mit der Troika zu einigen. Doch während Griechenland große Opfer bringen musste, will Zypern weiter seine Besitzstände verteidigen, etwa einen Inflationsausgleich für Löhne, einen Staatszuschuss zur Rentenkasse oder das Weihnachtsgeld. Streit gibt es mit der Troika auch darüber, wie etwaige Zukunftserträge aus Gasbohrungen vor der Küste verwendet werden sollten: Die Zyprer wollen dafür einen Zukunftsfonds gründen, die Troika will an oberster Stelle der Prioritäten die Rückzahlung der Staatsschulden.

Vor Monaten sorgte ein Bericht des Bundesnachrichtendienstes für Aufregung. Russen sollen bei zyprischen Banken 21 Milliarden Euro deponiert haben, darunter auch Schwarzgeld. Zwar erfüllt Zypern nach Angaben der Regierung alle internationalen Standards und EU-Auflagen zur Bekämpfung von Geldwäsche, doch wird an der Umsetzung in den Banken gezweifelt.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schuldenkrise Was Griechenland von Zypern lernen kann

Die Inselrepublik hat in der Krise Kapitalverkehrskontrollen eingeführt und damit ihre Wirtschaft stabilisiert. Wäre das auch ein Modell für das klamme Athen? Mehr Von Werner Mussler und Philip Plickert, Brüssel/Frankfurt

31.03.2015, 20:29 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Neue Regierung wirft die Troika raus

Am Freitag verhärteten sich die Fronten im Streit zwischen Griechenland und der EU. Der neue Finanzminister Varoufakis kündigte die Zusammenarbeit mit der Troika aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank auf. Mehr

31.01.2015, 13:09 Uhr | Wirtschaft
Bankabhebungen im März Griechen bringen weiter Geld in Sicherheit  

Während Griechenland mit seinen Geldgebern um die Auszahlung weiterer Finanzhilfen ringt, holen die Bankkunden ihr Geld von den Konten. Die Einlagen sind auf den wohl niedrigsten Stand seit Ausbruch der Krise gesunken. Mehr

28.03.2015, 13:09 Uhr | Wirtschaft
Schuldenschnitt oder Bankrott? Wie geht es weiter in Griechenland?

Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung plädiert für einen Schuldenschnitt in Griechenland. Welche Möglichkeiten bleiben Griechenland? Mehr

18.02.2015, 18:19 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise Schulz: Griechenland braucht schnell bis zu drei Milliarden Euro

Die Geldgeber Griechenlands fühlen sich ignoriert und beklagen mangelnde Kooperationsbereitschaft. Gleichzeitig drängt Griechenland auf eine neue Finanzspritze. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagt, das Land brauche kurzfristig zwei bis drei Milliarden Euro. Der EU-Gipfel soll nun die Lösung bringen. Mehr

19.03.2015, 06:58 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.11.2012, 20:00 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grünes Autoländle

Von Susanne Preuß

Der Verkehrsminister von Baden-Württemberg wünscht sich Autos ohne Emissionen - die Industrie arbeitet bereits daran. Grüne Zukunftsvisionen aus dem Autoländle. Mehr 2 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --