Home
http://www.faz.net/-gqu-777jf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Schuldenkrise Rettungspaket für Zypern soll bis Ende März stehen

Nach der Wahl in Zypern streben Finanzminister Schäuble und Frankreichs Finanzminister Moscovici eine Einigung über das EU-Rettungspaket bis Ende März an. Zyperns neuer Präsident Anastasiades will Strukturreformen einleiten, warnt allerdings vor zu strengen Auflagen für die Finanzhilfen..

© dpa Zypern braucht Finanzhilfen von rund 17 Milliarden Euro

Nach der Wahl in Zypern dringen Deutschland und Frankreich auf den raschen Abschluss eines Rettungspakets für das Euro-Land. „Die Diskussionen sollten in Kürze wieder aufgenommen und eine Einigung vor Ende März angestrebt werden“, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinem französischen Kollegen Pierre Moscovici. Das Wahlergebnis ermögliche die Bildung einer Regierung, die schnelll die Verhandlungen über ein finanzielles Hilfsprogramm fortsetzen könne

„Wir fordern die Troika und die zypriotische Seite auf, die Arbeiten an dem Entwurf für ein Memorandum of Understanding voranzutreiben und zu finalisieren.“
Geplant ist ein Paket über rund 17 Milliarden Euro. Der Konservative Nikos Anastasiades hat nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl bereits umgehende Verhandlungen angekündigt. „Wir stehen vor großen Herausforderungen in Zypern und wollen Europa an unserer Seite haben“, hatte der 66-Jährige am Sonntag betont. Er setzte sich am Sonntag wie erwartet in einer Stichwahl mit 57,5 Prozent der Stimmen gegen seinen linken Rivalen Stavros Malas durch. Er wolle nun schnellstmöglich ein Rettungspaket mit den EU-Partnern aushandeln, erklärte Anastasiades.

Zypern werde Strukturreformen einleiten und ein vertrauenswürdiger Partner sein, sagte Anastasiades. Es sei aber notwendig, dass die Auflagen für Finanzhilfen schwache Gruppen der Bevölkerung schütze und den sozialen Frieden sowie den in den Industriebetrieben nicht gefährden würden. Das Land kämpft mit der schwersten Wirtschaftskrise seit vier Jahrzehnten. Die Arbeitslosenquote ist auf einem Rekordhoch von 15 Prozent. Im Vorfeld des erwarteten Rettungspakets hat es bereits Lohnkürzungen und Steuererhöhungen gegeben, auf die die Bürger der Insel wütend reagiert haben.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso erklärte noch am Sonntagabend, er habe bereits mit dem Wahlsieger gesprochen und habe ihm versichert, dass Europa Zypern bei der Lösung seiner Probleme helfen werde. Im deutschen Bundestag gibt es große Vorbehalte gegen ein Rettungspaket. Vertreter mehrerer Parteien haben als Gegenleistung eine Schrumpfung der Bankenbranche und ein schärferes Vorgehen Zyperns gegen Geldwäsche gefordert.

An den Finanzmärkten war ein klarer Sieg von Anastasiades erhofft worden, weil dies Voraussetzung für schnelle Hilfen über ein Rettungspaket galt. Andernfalls war befürchtet worden, dass dem Land das Geld ausgeht und sich die Euro-Schuldenkrise wieder verschlimmern könnte.

Mehr zum Thema

Zypern spricht bereits seit acht Monaten mit seinen EU-Partnern über Rettungshilfen. Er muss nun die Bedingungen dafür mit Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) aushandeln. Die erwarteten Hilfen von 17 Milliarden Euro entsprechen dem Volumen der jährlichen Wirtschaftsleistung Zyperns. Möglicherweise ist auch ein Überbrückungskredit vor dem Hilfspaket erforderlich.

Der scheidende Staatschef Demetris Christofias von der Kommunistischen Partei war nicht noch einmal angetreten. Wahlberechtigt waren gut eine halbe Million griechische Zyprer, von denen jedoch viele die Abstimmung boykottierten.

Quelle: Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schuldenkrise Lagarde will sich nicht festlegen

Auch nach der Einigung über das Rettungspaket hält sich die IWF-Chefin eine weitere Beteiligung offen und fordert Schuldenerleichterungen. Ifo-Chef Sinn kritisiert die Vereinbarungen als schwammig. Mehr

15.08.2015, 06:15 Uhr | Aktuell
Finanzminister Schäuble: Der Ball liegt bei Griechenland

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Griechenland vorgeworfen, keine belastbaren Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise gemacht zu haben. Mehr

19.06.2015, 16:06 Uhr | Wirtschaft
Einigung mit Gläubigern Die Ukraine bekommt den Schuldenschnitt

Die Gläubiger der Ukraine schreiben einen Teil ihrer Forderungen ab: Das Land bekommt einen Schuldenerlass von rund 3,2 Milliarden Euro. Das ist auch nötig - die Ukraine stand am Rande einer Staatspleite. Mehr

27.08.2015, 11:46 Uhr | Wirtschaft
Griechenland-Krise Schäuble sieht keine substanziellen Vorschläge

Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister sieht Wolfgang Schäuble wenig Chancen auf eine schnelle Einigung. Mehr

22.06.2015, 15:27 Uhr | Politik
Schuldenkrise in Griechenland Hilfspaket beschlossen – und nun?

Athen und die Euro-Finanzminister haben den Weg für ein weiteres Hilfspaket frei gemacht. Wie geht es nun weiter mit Griechenland? Bankenumbau, Renten, Schulden und die Rolle des IWF sind die wichtigsten Themen. FAZ.NET erklärt die nächsten Schritte. Mehr

15.08.2015, 14:45 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 25.02.2013, 09:46 Uhr

Jugendliche wissen zu wenig über Wirtschaft

Von Lisa Becker

Wie funktioniert die Börse? Was sind Aktien? Darüber müssen Schüler mehr erfahren. So lernen sie auch mit eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen verantwortungsvoller umzugehen. Mehr 21 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Microsoft wächst langsamer als die Konkurrenz

Für Microsoft gab es in dieser Woche Grund zum Feiern. Doch nachdem Apple Microsoft beim Umsatz längst überflügelt hat, kommt nun auch Google näher ran. Mehr 0