Home
http://www.faz.net/-gqu-75x81
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Schuldenkrise Dijsselbloem an Spitze der Eurogruppe gewählt

Die Euro-Finanzminister haben den Niederländer Jeroen Dijsselbloem zum neuen Vorsitzenden der Eurogruppe ernannt. Obwohl er der einzige Kandidat für den Posten war, erhielt er nicht die Unterstützung von allen.

© dpa Vergrößern Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem ist von den Euro-Finanzministern als Nachfolger des Luxemburgers Jean-Claude Juncker zum Chef der Eurogruppe gewählt worden.

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem ist neuer Vorsitzender der Eurogruppe und damit Nachfolger des luxemburgischen Premierministers Jean-Claude Juncker. Die Finanzminister des Euroraums bestimmten den 46 Jahre alten Politiker am Montagabend in Brüssel zu ihrem neuen Chef. Das berichteten EU-Diplomaten nach Abschluss der Beratungen in Brüssel. Allerdings erhielt der Niederländer nicht die ungeteilte Unterstützung. Spanien habe die Ernennung nicht unterstützt, sagte der scheidende Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am späten Montagabend in Brüssel.
Allerdings dürfe dies nicht überbewertet werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, die Entscheidung sei insgesamt „reibungslos über die Bühne gegangen“. Deutschland stehe hinter dem 46-jährigen Niederländer: „Ich finde diese Entscheidung sehr gut.“

Werner Mussler Folgen:  

Der Niederländer, welcher der einzige Kandidat für den Posten war, übernimmt das neue Amt für zweieinhalb Jahre. Er ist der zweite ständige Präsident der Eurogruppe überhaupt. Dijsselbloem hatte seinen Kollegen vor seiner Wahl ein vor allem von Frankreich gewünschtes Arbeitsprogramm präsentiert.  Juncker hatte die Eurogruppe acht Jahre lang geleitet.

Erwartungsgemäß trafen die Minister keine Entscheidung über den Hilfsantrag Zyperns auf internationale Kredithilfe. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezweifelte in Brüssel sogar, ob ein Hilfspaket für Zypern überhaupt erforderlich sei. Es müsse zuerst geprüft werden, ob die zyprischen Banken die Stabilität des Euroraums insgesamt gefährdeten. Dies sei die Voraussetzung für einen Hilfsbeschluss. Der zyprische Finanzminister Vassos Shiarly zeigte sich dagegen überzeugt, dass die Eurogruppe einen Hilfskredit beschließen werde. Er hoffe ferner, dass der Euro-Krisenfonds ESM im Nachhinein in Schieflage geratene zyprische Banken direkt rekapitalisieren werde. „Das würde uns sehr helfen“, sagte Shiarly im Gespräch mit deutschen Journalisten in Brüssel. Auf die Entscheidung habe sein Land aber geringen Einfluss. Sie sei erst möglich,
wenn die Details künftiger Direktrekapitalisierung von Banken durch den ESM beschlossen seien. Diese soll möglich werden, sobald die gemeinsame Eurobankenaufsicht in der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Arbeit aufgenommen hat. Sie hätte zur Folge, dass eine Bankenrettung durch den ESM den Schuldenstand des betroffenen Staates nicht erhöhte. Deutschland lehnt eine rückwirkende Direktrekapitalisierung durch den ESM aber ab.

Cyprus's Finance Minister Shiarly is pictured during an interview in Nicosia © Reuters Vergrößern Zyperns Finanzminister Shiarly

Der zyprische Staat hat schon Kapitalspritzen von etwa 1,8 Milliarden Euro - etwa 10 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts - für die Stabilisierung seines Bankensektors aufgewendet. Nach Schätzungen der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank und EU-Kommission brauchen die zyprischen Banken bis zu 10 Milliarden Euro Kapital. Den genauen Bedarf soll der Finanzdienstleister Pimco ermitteln. Dessen zunächst für Mitte Januar angekündigter Bericht soll nach Shiarlys Angaben nun in etwa zwei Wochen vorliegen.

Shiarly sagte, sein Land erwarte nun von den Europartnern jene Solidarität, die es selbst im Zusammenhang mit dem Schuldenschnitt für Griechenland geleistet habe. Dem entsprechenden Beschluss der Eurostaaten habe Zypern 2011 zugestimmt, obwohl seine Banken davon weit überdurchschnittlich betroffen gewesen seien. Ihre jetzige Schieflage sei vor allem auf den Schuldenschnitt zurückzuführen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Athens Schuldenprobleme Und jeden Tag grüßt die Krise

Griechischer Staatsbankrott? Grexit? Oder schnelle neue Kredite? Wahrscheinlich ist, dass sich der Streit der Eurostaaten mit Athen bis in den Herbst schleppt – und vielleicht in Neuwahlen endet. Mehr Von Werner Mussler, Brüssel

17.04.2015, 16:16 Uhr | Wirtschaft
Nach Parlamentswahl EU will mit Griechen zusammenarbeiten

Nach dem Wahlsieg des linken Bündnisses Syriza in Griechenland hat der EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erklärt, er sei zu einer Zusammenarbeit mit der neuen griechischen Regierung bereit. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jeroen Dijsselbloem betonte, dass die Griechen sich dabei an Abmachungen halten müssen. Mehr

26.01.2015, 16:25 Uhr | Politik
Griechenlands Schuldenkrise Athen hofft auf Milliarden aus China und Russland

Griechenland braucht dringend Geld und setzt offenbar auf bis zu 15 Milliarden Euro aus Peking und Moskau. Die Fronten zwischen der Regierung in Athen und den Geldgebern scheinen verhärtet. Griechen-Premier Tsipras trifft Nobelpreisträger Paul Krugman. Der rät dem Land, den Euro jetzt nicht aufzugeben. Mehr

18.04.2015, 16:40 Uhr | Wirtschaft
Eurogroup Schäuble vor dem Finanzministertreffen

Vor dem Finanzminister-Treffen der Eurozone klingt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble pessimistisch. Mehr

16.02.2015, 17:58 Uhr | Wirtschaft
Frankfurt Dinner Group Die verborgenen Verhandlungen mit Griechenland

Still und heimlich haben die Gläubiger und Griechenland ein neues Format für die Verhandlungen geschaffen. Es heißt Frankfurt Dinner Group. Wenn es in der Öffentlichkeit kracht, wird dort weiter verhandelt. Mehr Von Thomas Gutschker

19.04.2015, 12:42 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.01.2013, 21:37 Uhr

Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Die Erzriesen zeigen Zähne

Von Christoph Hein, Singapur

Chinas Nachfrage nach Erz sinkt – und der Preis fällt. Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich an vielen Stellen: die niedrigen Stahlpreise werden einige australische Unternehmen in die Knie zwingen. Mehr 1 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden