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Entscheidung in Nikosia Auffällig hohe Geldabflüsse aus Zypern

Trotz Zahlungssperre winkt Nikosia offenbar Überweisungen durch. Das ist heikel angesichts der Absicht, inländische wie ausländische Konteninhaber für die Rettung der klammen Insel zur Kasse zu bitten.

© AP Vergrößern Ein bisschen Alltag in Nikosia trotz Krise

Trotz geschlossener Banken und einer Sperre für den Zahlungsverkehr ist in der vergangenen Woche deutlich mehr Geld aus Zypern abgeflossen als in den Wochen zuvor, berichten Frankfurter Fachleute für den Zahlungsverkehr. Vor der Zuspitzung der Krise in Zypern waren die über das Zahlungsverkehrs-System „Target auflaufenden Verbindlichkeiten der zyprischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) täglich um etwa 100 bis 200 Millionen Euro gestiegen. In den vergangenen Tagen sei, nachdem das Parlament das Stabilisierungsprogramm zunächst hatte scheitern lassen, der tägliche Wert auf mehr als das Doppelte gestiegen. Allein in der vergangenen Woche könnten also Geldvermögen in Milliardenhöhe aus Zypern abgeflossen sein, obwohl die zyprische Notenbank eigentlich eine Sperre ausgesprochen hat.

Hanno Mußler Folgen:  

Kapitalverkehrskontrollen sind notwendig, weil bei der für kommenden Dienstag geplanten Öffnung der Banken damit zu rechnen ist, dass viele Menschen versuchen werden, ihr Sparguthaben abzuheben oder per Überweisung (ins Ausland) in Sicherheit zu bringen. Ohne Beschränkung könnte das leicht den Kollaps des zyprischen Bankensystems herbeiführen. Die Abhebungen am Geldautomaten sind daher auf 260 Euro täglich je Konto beschränkt worden. Am Sonntagmittag wurde der Wert auf nur noch 100 Euro gesenkt. Dennoch wird offenbar Bargeld knapp. Dem Vernehmen nach hat Zyperns Notenbank schon die EZB schon um zusätzliches Bargeld gebeten. Bisher sei dieses aber wohl noch nicht nach Nikosia transportiert worden, hieß es am Wochenende.

Verluste durch Griechenland-Schuldenschnitt größer als Eigenkapital

In den Jahren 2007 bis 2012 sind die Spareinlagen in zyprischen Banken kräftig von 52 auf fast 70 Milliarden Euro gestiegen. Erst im Januar gab es den ersten nennenswerten monatlichen Geldabfluss, obwohl die zyprischen Banken spätestens seit dem Schuldenschnitt Griechenlands vor einem Jahr schwer angeschlagen sind. Damals verloren die beiden größten zyprischen Banken, Bank of Cyprus und Laiki, auf ihre griechischen Anleihen 4,7 Milliarden Euro - mehr als ihr Eigenkapital.

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Nach Daten von Ende Januar liegen in der Bank of Cyprus 18,5 Milliarden Euro und in der Laiki Bank (Popular Bank) 10,3 Milliarden Euro und damit der Großteil der Spareinlagen von insgesamt 68 Milliarden Euro. In Zypern werden Konten im Wert von 30 Milliarden Euro in Fremdwährung, vor allem in Dollar (86 Prozent) und in Pfund (6 Prozent) geführt. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass dieses Geld Ausländern, vor allem Russen, Briten und in Lettland lebenden Russen gehört.

Diese Inhaber von oft sehr reichlichen Bankguthaben haben jetzt ein besonderes Interesse daran, Geld außer Landes zu bringen. Denn nach jüngsten Berichten aus Zypern ist geplant, auf Konten der Bank of Cyprus mit mehr als 100.000 Euro eine Steuer von 20 Prozent zu erheben. Und die Laiki Bank wird in einen guten, fortzuführenden und in einen schlechten, abzuwickelnden Teil aufgespalten. In der „guten Bank“ sollen alle Konten mit weniger als 100.000 Euro landen. Damit soll die bis zu dieser Summe in ganz Europa gesetzlich garantierte Einlagensicherung umgesetzt werden. Wie hoch dagegen die Abschläge auf Einlagen von mehr als 100.000 Euro in der „schlechten Bank“ sein werden, ist offen. Schätzungen reichen von 30 bis 90 Prozent, auch abhängig davon, wie schnell es womöglich manchen Einlegern noch gelingt, Geld abzuziehen.

Weit gefasste Ausnahmen von den Kapitalverkehrskontrollen

Vor einigen Tagen hatte die zyprische Notenbank bekannt gemacht, der Zahlungsverkehr sei unterbrochen. In der offiziellen Mitteilung sind die in solchen Fällen durchaus üblichen Ausnahmen allerdings sehr weit gefasst. Erlaubt seien Überweisungen für humanitäre Hilfe, solche, bei deren Ausbleiben die Finanzstabilität gefährdet sei, und „Besondere Zahlungen“, die nicht näher definiert sind. Die ungewöhnlich hohen Abflüsse aus Zypern in den vergangenen Tagen deuteten aber daraufhin, dass die Notenbank in Nikosia die Kontrolle eher großzügig auslege, argwöhnten einige Fachleute für den Zahlungsverkehr.

Bislang basierten die Kapitalverkehrskontrollen allein auf der Verordnung der Notenbank, inzwischen hat das Parlament darüber entschieden und ein Gesetz erlassen. Um ein Überschwappen der Krise auf Griechenland zu vermeiden, hat zudem die griechische Piräus Bank die Filialen der zyprischen Banken in Griechenland übernommen.

Quelle: F.A.Z.

 
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