http://www.faz.net/-gqu-757dp

Bedingung für Hilfspaket : IWF fordert Schuldenschnitt für Zypern

  • Aktualisiert am

Unter den Eurostaaten ist ein Teilerlass für Zypern umstritten Bild: dapd

Der IWF macht Druck bei der Rettung Zyperns. Nach einem Medienbericht ist ein Schuldenschnitt Bedingung für ein Hilfspaket der Eurostaaten. Der Bankenverband schließt die „Ultima Ratio“ nicht aus.

          Der Internationale Währungsfonds fordert einem Pressebericht zufolge einen Schuldenschnitt für Zypern und setzt damit die Euroländer unter Druck. Der IWF wolle das Rettungspaket der Eurostaaten in der bisher geplanten Form nicht mittragen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Der deutsche Bankenverband schließt einen teilweisen Schuldenerlass für das Krisenland nicht aus. Im Bemühen um internationale Hilfe beschloss das zyprische Parlament unterdessen den geforderten Sparhaushalt für 2013.

          Ohne einen Schuldenschnitt werde Zypern nach Ansicht des IWF auch nach Abschluss von Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen, schrieb die „SZ“ unter Berufung auf Verhandlungskreise. Unter den Eurostaaten ist ein Teilerlass für Zypern allerdings umstritten. Gegner eines Schuldenschnitts erinnern daran, dass der erzwungene Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland eine Einzelfall bleiben sollte. Würde dieses Versprechen gebrochen, fürchten sie um die Glaubwürdigkeit der gesamten Eurozone.

          Das drittkleinste Mitglied der Währungsunion benötigt Hilfen in Höhe von rund 17 Milliarden Euro. „Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland“, zitierte die Zeitung einen ranghohen EU-Beamten.

          Der Bundesverband der deutschen Banken hält einen teilweisen Schuldenerlass für eine denkbare Lösung von Zyperns Finanzproblemen. „Vielleicht ist ein Schuldenschnitt auch in diesem Fall die Ultima Ratio“, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer im Deutschlandfunk. Einen solchen Schritt müsse man aber von allen Seiten anschauen. Die von Kritikern befürchteten Folgen hält er für nicht so gravierend. „Der Vertrauensverlust wäre nicht so riesig, weil Griechenland und Zypern sehr häufig in einen Topf geworfen worden sind“, erklärte Kemmer.

          Mit großer Mehrheit billigte das zyprische Parlament am Mittwoch den Haushalt 2013, der sowohl massive Ausgabenkürzungen als auch Steuererhöhungen vorsieht. Die Maßnahmen waren in Gesprächen mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem IWF vereinbart worden. Die Wirtschaft Zyperns wird Prognosen zufolge im kommenden Jahr weiter schwächeln, das Bruttoinlandsprodukt vermutlich um rund 3,5 Prozent schrumpfen und die Arbeitslosigkeit 13,7 Prozent erreichen.

          Quelle: FAZ.NET/dapd

          Weitere Themen

          Wo Tusk recht hat

          Flüchtlinge in Europa : Wo Tusk recht hat

          Es besteht Einigkeit, dass die EU-Außengrenzen besser geschützt werden sollen. Was spricht dagegen, dass Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, sich dabei stärker engagieren? Ein Kommentar.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          SPD und Regierungsbildung : Stabile Gedanken

          Die Union blockt Forderungen der SPD schon jetzt ab. Das wird nicht einfach für Schulz. Immerhin vereint ihn ein stabiler Gedanke – ausgerechnet mit der CSU. Ein Kommentar.
          Schon das Software-Update aufgespielt?

          Diesel-Affäre : Zeit für Mogel-Volkswagen läuft ab

          Wer einen manipulierten Volkswagen besitzt, muss seine Ansprüche schnell geltend machen. Etliche auf Massenverfahren spezialisierte Kanzleien mahnen deshalb zur Eile.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.