http://www.faz.net/-gqu-77q9y
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 17.03.2013, 18:18 Uhr

Angst vor Bank Run Zypern will Banken notfalls bis Dienstag schließen

Nach dem Beschluss über das Hilfsprogramm und die Sonderabgabe für Bankkunden will die Regierung auf Zypern die Banken der Insel auch am Dienstag geschlossen halten - so lange, bis das Parlament über die Abgabe abgestimmt hat. Damit soll ein Ansturm auf die Geldinstitute verhindert werden.

© AFP Die Ankündigung einer Sonderabgabe für Bankkunden hat am Wochenende in Zypern für Aufruhr gesorgt

Die Regierung auf Zypern versucht nach dem Beschluss über das Rettungspaket über bis zu zehn Milliarden Euro und die zusätzliche Abgabe für Bankkunden die Situation im Land in den Griff zu bekommen. Dazu sollen die Banken der Insel auch am Dienstag geschlossen bleiben, um einem massenhaften Ansturm auf die Geldinstitute zuvorzukommen. Dies berichtete der staatliche Rundfunk in Nikosia am Sonntag.

Die Zentralbank Zyperns hat das gesamte Bankensystem quasi lahmgelegt. Über ein entsprechendes Schreiben von Zentralbankchef Panicos Demetreades von Samstag berichteten am Sonntag griechischsprachige Medien. Demetreades verbietet demnach darin „vorläufig und bis auf weiteres“ sämtliche Transaktionen wie Auszahlungen oder Überweisungen innerhalb und außerhalb Zyperns, sogar innerhalb derselben Bank. Bereits erteilte Aufträge seien auszusetzen, heißt es weiter in dem Schreiben.

Die Regierung wolle die Banken notfalls auch über den Dienstag hinaus schließen, sollte es im Parlament keine Entscheidung über die umstrittene Sonderabgabe auf sämtliche Bankguthaben der Insel geben. Am Montag sind die Banken auf Zypern wegen eines Feiertages geschlossen. Guthaben von unter 100.000 Euro sollen einmalig mit 6,75 Prozent belastet werden, Beträge darüber mit 9,9 Prozent. Die Abgabe soll dem Staat 5,8 Milliarden Euro einbringen. Von der EU erhält Zypern zehn Milliarden Euro, die hauptsächlich in die von der Pleite bedrohten Banken des Landes fließen sollen.

Abstimmung in Zyperns Parlament auf Montag verschoben

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades hat die Abstimmung im Parlament über die umstrittene Sonderabgabe für Bankenkunden auf Montag verschoben. Die Abgeordneten würden erst zu Wochenbeginn über die im Rahmen der Euro-Rettungshilfen vereinbarte Einmal-Steuer informiert, meldete die staatliche zyprische Nachrichtenagentur am Sonntag. Ursprünglich wollte Anastasiades noch am Wochenende die Volksvertreter über die Sonderabgabe in Kenntnis setzen und über das dafür nötige Gesetz sofort nach den Beratungen abstimmen lassen.

Hinter den Kulissen hieß es dann aber, die Parteien brauchten mehr Zeit. Anastasiades appellierte an die Abgeordneten mit den Worten: „Wir können wählen zwischen dem Katastrophen-Szenario einer ungeordneten Staatspleite oder einem schmerzhaften, aber kontrolliertem Management der Krise.“ Seine konservative Partei hat nur 20 der 56 Mandate. Unklar war, ob der Koalitionspartner Demokratische Partei die Zwangsabgabe unterstützen würde. Die Kommunisten, die Sozialisten und die Grünen winkten bereits ab.

Die Sparguthaben auf zyprischen Banken summieren sich auf 70 Milliarden Euro, davon dürfte ein großer Anteil reichen Russen und Briten gehören. Getroffen werden aber auch Griechen, die wegen der Krise in ihrem Land Konten auf der Insel eröffnet hatten. Großbritannien erklärte, es werde seine 3500 auf der Insel stationierten Militärangehörigen entschädigen. Spanien, das selbst ESM-Hilfen für seine Banken bekommt, erklärte, die Einleger-Beteiligung sei ein Einzelfall.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Stresstest Eine neue Finanzkrise würden die Banken nicht meistern

Der aktuelle Banken-Stresstest wird für diesen Freitagabend erwartet. Schon im Vorfeld sagt ein Forschungsinstitut: Mit einer neue Finanzkrise würden Europas Banken nicht klarkommen. Und wie steht es um die Deutsche Bank? Mehr

29.07.2016, 17:33 Uhr | Wirtschaft
Faule Kredite Italienische Banken zittern vor dem Stress-Test

360 Milliarden Euro an faulen Krediten haben italienische Banken in den Papieren stehen. Das ist fast so viel wie Deutschlands Wirtschaft in einem Jahr erwirtschaften kann. Im Stresstest der EZB im Jahr 2014 sahen die italienischen Banken schlecht aus. Jetzt zittert die Branche noch einmal vor dem Testergebnis. Mehr

29.07.2016, 15:02 Uhr | Wirtschaft
Chengdu G 20 geben sich entspannt

Das kriegen die hin. Das ist nach dem Brexit-Votum der Briten der Tenor beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der Top-Wirtschaftsmächte. Auch sonst vermeiden die G-20-Länder jeden Hauch von Aktionismus und Hektik - obwohl die Risiken nicht gerade abnehmen. Mehr

24.07.2016, 10:37 Uhr | Wirtschaft
Südchinesisches Meer Das angeblich größte Blaue Loch der Welt

Forschern zufolge ist das Loch in einem Riff rund 300 Meter tief. Die Vertiefung befindet sich nahe der Paracel-Inseln im Südchinesischen Meer. Mehr

27.07.2016, 17:21 Uhr | Wissen
Finanzhäuser unter der Lupe Bankenstresstest zeigt Fortschritte in Europa

Im Stresstest fällt nur eine Bank wirklich durch: die italienische Banca Monte dei Paschi. Die Deutsche Bank und die Commerzbank schneiden besser ab – hinken aber dem Durchschnitt hinterher. Mehr Von Gerald Braunberger

29.07.2016, 23:41 Uhr | Wirtschaft

Credit Suisse im Sturzflug

Von Johannes Ritter, Zürich

Das Misstrauen der Investoren ist groß. Der kleine Gewinn vermag sie nicht zu beruhigen. Auch die Strategien des neuen Spitzenmanns Tidjane Thiam bleiben umstritten. Mehr 1 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“