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Wolfgang Schäuble : „Was gut für Griechenland ist, ist gut für den Euro“

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„Die Banken hegen zu Recht die Erwartung, dass sie ihr Geld am Ende der Laufzeit zu hundert Prozent zurückbekommen, unabhängig vom aktuellen Kurs.” Bild: dpa

Kein Land darf den Euro verlassen, warnt Finanzminister Wolfgang Schäuble. Sonst wäre die Macht der Märkte über die Politik grenzenlos. Im F.A.S.-Gespräch verteidigt er die Brüsseler Gipfelbeschlüsse zur Rettung Griechenlands gegen ihre Kritiker.

          Unmittelbar vor seiner Abreise in den Sommerurlaub, den er wie stets auf der Nordseeinsel Sylt verbringt, verteidigt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (68) im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Brüsseler Gipfelbeschlüsse zur Rettung Griechenlands gegen ihre Kritiker. Der CDU-Mann gehört zusammen mit Altkanzler Helmut Kohl (mit dem ihn ansonsten heute kaum mehr etwas verbindet) zu einer Generation von Europapolitikern, die schon in vorderster Verantwortung standen, als die Einführung des Euro beschlossen wurde: Die Einheitswährung ist für ihn kein rein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt. Er wird den Euro mit Zähnen und Klauen verteidigen.

          Herr Schäuble, haben wir vor zehn Tagen den letzten Krisengipfel zur Rettung des Euro erlebt?

          Das letzte Treffen zum Euro sicher nicht. Aber so dramatisch war das doch gar nicht letzte Woche!

          Jetzt kommt der Europäische Währungsfonds, den Sie schon im vorigen Jahr wollten. Ihr Triumph über die Kanzlerin?

          Wichtig ist die Frage: Muss der Rettungsfonds die Möglichkeit haben, Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt, also von den Banken, aufzukaufen? Voriges Jahr wurde das in der Koalition sehr skeptisch beurteilt. Zugleich ist es dazu gekommen, dass die Europäische Zentralbank EZB am Markt tätig wurde. Auch das entspricht nicht der reinen Lehre. Jetzt haben wir uns in Europa darauf geeinigt, dass in bestimmten Ausnahmefällen, nach Analyse der EZB und im Einvernehmen der Euro-Staaten der Rettungsfonds EFSF in begrenztem Umfang solche Käufe übernehmen kann. Dies ist Teil eines europäischen Kompromisses. Und so ist es richtiger.

          Ein Schritt zu weit, und zwar in die falsche Richtung?

          Ich glaube nicht, dass wir zu weit gehen. Wir sind seit dem letzten Mai viele Schritte gegangen – bisher alle in die richtige Richtung, wenn vielleicht auch nicht immer schnell genug. Andererseits: Griechenland ist heute zu Sanierungsmaßnahmen bereit, zu denen es im Frühjahr 2010 nicht bereit war.

          Sie wollen behaupten, das sei alles Strategie gewesen, um die betroffenen Länder zum Sparen zu zwingen – und die Deutschen an die Hilfspakete zu gewöhnen?

          Es war keine Hinhaltetaktik. Aber der Diskussions- und Lernprozess war nötig, damit die betreffenden Länder stärkere Anstrengungen unternehmen - und sicherlich auch, um in demokratisch verfassten Gesellschaften die notwendige Unterstützung zu erreichen.

          Damit wären Sie gescheitert. 86 Prozent der Deutschen sorgen sich um die Stabilität des Euro.

          Bei Umfragen kommt es immer darauf an, wonach man fragt. Die Mehrheit der Deutschen ist für die europäische Einigung. Gefragt, ob sie für ein Auseinanderbrechen der Eurozone wären, erhalten Sie ein klares Nein. Das ist die entscheidende Frage. Und es gilt zu erklären, was dafür notwendig ist.

          Bekommen Sie im Herbst eine eigene Regierungsmehrheit für den dauerhaften Rettungsschirm?

          Aber sicher. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass es in einer Fraktion verschiedene Meinungen gibt.

          Jetzt bekommen die Banken ihre Griechen-Anleihen, die nur noch 50 Prozent des ursprünglichen Wertes haben, zum Kurs von 80 Prozent umgetauscht. Ein gutes Geschäft für Josef Ackermann.

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