http://www.faz.net/-gqe-74t6w

Wer führt die Eurogruppe? : Kein „geborener“ Kandidat für Juncker-Nachfolge

Der scheidende Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker (r.) spricht mit dem französischen Finanzminister Pierre Moscovici in Brüssel. Bild: dapd

Luxemburgs Ministerpräsident will die Eurogruppe nicht mehr leiten. Ein Nachfolger ist bisher nicht benannt. Deutschlands Finanzminister Schäuble ist vielleicht nicht mehr lange im Amt und sein französischer Kollege zu wenig geschätzt.

          Nach der Rücktrittsankündigung des bisherigen Chefs der Eurogruppe, des luxemburgischen Premierministers Jean-Claude Juncker, ist dessen Nachfolge vorläufig offen. Unter den Euro-Finanzministern gibt es offenbar keinen „geborenen“ Kandidaten für das Amt.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          In mehreren EU-Hauptstädten kursierende Überlegungen, wonach das Gremium künftig abwechselnd vom französischen und vom deutschen Amtsinhaber geführt werden solle, wurden am Dienstag in Brüssel vorerst nicht bestätigt. Schon im Sommer, als Juncker erstmals seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt hatte, hatte es geheißen, die Doppelspitze sei die bevorzugte Lösung der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten François Hollande. Allerdings wehren sich etliche kleinere Euro-Staaten gegen ein deutsch-französisches Dauerpräsidium.

          Schäuble und Mscovici gelten als wenig geeignet

          Hinzu kommt, dass die Amtsinhaber Wolfgang Schäuble (CDU) und Pierre Moscovici als wenig geeignete Kandidaten gelten.  Nach Angaben mehrerer Teilnehmer an den Treffen der Eurogruppe hat sich Schäuble durch seine häufigen Kurswechsel im Euro-Krisenmanagement unter seinen Kollegen unbeliebt gemacht. Moscovici stehe seinerseits für eine widersprüchliche nationale Finanzpolitik.

          Vom Tisch ist die Doppelspitze indes nicht. Um den Bedenken gegen Schäuble aus dem Weg zu gehen, wäre es beispielsweise denkbar, dass zuerst Moscovici den Vorsitz für zweieinhalb Jahre übernehme, danach der deutsche Amtsinhaber, der – nach der Bundestagswahl – nicht mehr Schäuble heißen müsse. Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider sprach sich am Dienstag gegen Schäuble aus. Dieser könne mit seinem „belehrenden Auftreten“ keine vermittelnde Position einnehmen. Der Chef der Eurogruppe müsse ferner ein Volkswirt oder jemand mit volkswirtschaftlichem Verständnis sein.

          Es muss kein Finanzminister sein

          Es gibt aber auch Überlegungen, die in eine ganz andere Richtung gehen. Seit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags muss nicht zwingend ein nationaler Finanzminister das Gremium leiten. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter forderte daher am Dienstag, künftig solle ein Staats- und Regierungschef den Vorsitz übernehmen. Sie selbst komme für das Amt nicht in Frage.

          Eine frühere Spekulation, dass EU-Währungskommissar Olli Rehn das Amt übernehmen könnte, galt am Dienstag nicht mehr als wahrscheinlich. Juncker hatte nach dem Treffen der Eurogruppe am Montagabend in Brüssel angekündigt, er werde sich zum Monatsende oder zu Beginn des kommenden Jahres von seinem Amt zurückziehen. Seine Kollegen müssten sich um einen Nachfolger kümmern.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Die Überwindung der Trägheit

          EU-Gipfel in Brüssel : Die Überwindung der Trägheit

          Nach Macron und Juncker erklärt auch EU-Ratspräsident Donald Tusk, wie er die Europäische Union reformieren will. Vor dem EU-Gipfel in Brüssel kann er sich der Unterstützung der Kanzlerin schon einmal sicher sein.

          Wie Griechenland den Euro rettete

          Überschuldungskrise : Wie Griechenland den Euro rettete

          Geheimtreffen in einer Aushilfsküche, Kurse im freien Fall, größte Nervosität: Wie Athen die europäische Gemeinschaftswährung rettete und welche Rolle Wolfgang Schäuble dabei spielte, beschreibt der frühere griechische Finanzminister Papakonstantinou in einem beachtenswerten Buch.

          Topmeldungen

          Bringen die SPD wieder voran? Martin Schulz (vorne), Stephan Weil und Thorsten Schäfer-Gümbel.

          SPD : Der wahre Sieger der Bundestagswahl

          So ein bisschen freuen sich die Sozialdemokraten über das katastrophale Ergebnis der Bundestagswahl. Endlich sind sie die Union los. In der Opposition soll alles besser werden.

          Weinstein und die Folgen : Man sagte mir, keiner würde mir glauben

          Warum schweigen Frauen, wenn sie sexuell belästigt wurden? Sie täten es nicht, wenn sie daran glauben würden, dass es einen anderen Weg gäbe, den Launen der Männer ohne Beschädigung zu entgehen. Ein Gastbeitrag.
          Christine Hohmann-Dennhardt, ehemals Daimler und VW.

          Absprachen-Verdacht : Die doppelte Kronzeugin im Autokartell

          Hinter den Selbstanzeigen von Daimler und VW steckt offenbar ein und dieselbe Person: Christine Hohmann-Dennhardt war an beiden Tatorten. Der Gelackmeierte im Spiel ist BMW.
          Im Alter jeden Cent umdrehen zu müssen - das befürchten viele Arbeitnehmer.

          Sinkendes Rentenniveau : Vorsorgen kann jeder

          Mit der gesetzlichen Rente kommen Pensionäre nicht mehr weit. Jeder zweite Single in Deutschland sorgt sich, seinen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Dabei ist das gar nicht so schwer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.