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Weil kaum ein Fluggast kam : Spanischer Flughafen zu verschenken

  • -Aktualisiert am

Seriöser Investor gesucht: Der Flughafen von Ciudad Real macht stellenweise noch einen unvollständigen Eindruck Bild: Getty Images

Provinzpolitiker, Banken und Bauherren in La Mancha haben ihren Traum von einem bedeutenden Flughafen verwirklicht. Vor zwei Jahren wurde er insolvent. Und könnte nun verschenkt werden.

          An einem verlassenen Ort in La Mancha, wo sich in der Nähe noch mühsam ein paar alte Windmühlen drehen, entstand auf dem Höhepunkt des spanischen Baubooms der erste private Flughafen des Landes. Die einen wollten ihn beziehungsreich nach Don Quijote benennen. Andere zogen „Madrid Süd“ vor, was sich die Regionalregierung verbat. Schließlich einigte man sich auf ein prosaisches „Zentralflughafen“ von Ciudad Real.

          Dieser Flughafen, der – so genau will das niemand mehr wissen – zwischen einer halben und einer ganzen Milliarde Euro gekostet hat, ist nun billig zu haben. Fünf Jahre nach der Einweihung und zwei Jahre nach dem Konkurs wird diese Investitionsruine ehrgeiziger Lokalpolitiker, blinder Banker und vom großen Geld träumender Baulöwen bis Ende dieses Monats für gerade mal hundert Millionen feilgeboten. Doch weil es an Interessenten fehlt, dürfte der nächste Schritt im neuen Jahr ein Versteigerungsversuch für vielleicht noch 80 Millionen Euro sein. Und wenn sich, was sehr wahrscheinlich ist, dann noch immer kein Käufer findet, mag er verschenkt werden.

          Künftig: Drehort und Teststrecke

          Auch in Murcia, Lleida und Castellón verfallen Geisterflughäfen. Doch weil vermutlich am Ende niemand den bekanntesten von ihnen auch nur geschenkt haben möchte, ist guter Rat teuer. Denn wie sollen allein die Unterhaltungskosten für eine vier Kilometer lange, sogar für den größten Airbus taugliche Landebahn und den stolze 28.000 Quadratmeter messenden Terminal eingespielt werden? An geradezu rührenden Überbrückungsversuchen hat es nicht gefehlt, seit im April vorigen Jahres die letzte Maschine mit 45 Passagieren an Bord landete.

          Es blieb dem Konkursrichter überlassen, für welche Zwecke er den Flughafen zwischenzeitlich vermieten wollte. Die erste Kundschaft war Filmregisseur Pedro Almodóvar, der eine Kulisse für seinen Streifen „Los amantes pasajeros“ (Fliegende Liebende) suchte. Dabei versammelten sich auf dem Flughafen mehr Neugierige als je zuvor. Dann kam das Fernsehen, das für eine Dokumentation über ein Flugzeugunglück ebenfalls eine breite Landebahn benötigte. Schließlich gab der Richter noch einer Autofirma die Erlaubnis, das Gelände als Teststrecke zu benutzen. Doch die Miete war bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.

          Hohe Erwartungen wurden enttäuscht

          Wie kam es nun in Ciudad Real und anderswo dazu, dass praktisch im Niemandsland lauter neue Flughäfen errichtet wurden, auf denen die Gäste ausblieben und auf denen zum Teil bis dato noch nicht einmal ein einziges Flugzeug gelandet ist? Der zweihundert Kilometer von Madrid entfernte Zentralflughafen in La Mancha ist ein gutes Beispiel. Noch kurz vor Beginn der großen Krise im Jahr 2008 wollte die – damals sozialistische – Regierung der Region dem Hauptstadtflughafen Barajas Konkurrenz machen. Man suchte und fand Investoren in Gestalt der Sparkasse von Kastilien-La Mancha und eines großen Baukonzerns.

          Die Erwartungen waren hoch. Man rechnete mit bis zu einer Million Passagieren im Jahr und einem Güterumschlag von bis zu hunderttausend Tonnen. Doch zwischen der Einweihung und dem Konkursantrag wurden nicht einmal hunderttausend Fluggäste gezählt. Wie sich bald herausstellte, war auch Madrid Barajas nicht mehr am Überquellen und hatte daher nichts abzugeben. Inzwischen operiert auch der Hauptstadtflughafen nur noch bei zwei Dritteln seiner Kapazität.

          Zweitausend Hektar stilles Land

          Die Sparkasse ist längst pleite, und ihre Kundschaft musste im Jahr 2009 von der spanischen Notenbank „gerettet“ werden. Auch zwei andere für Ciudad Reals Zentralflughafen lebenswichtige Projekte kamen mangels Infrastrukturmitteln nicht mehr zustande: die Anbindung an eine neue Schnellzugstrecke der Bahn und die Verlängerung einer Mautautobahn.

          So siecht der verlassene, zum Glück nicht nach Don Quijote benannte Ort auf fast zweitausend Hektar dahin. Die letzte spanische Fluggesellschaft stellte den Betrieb ein, als der klamme Staat die Subventionen strich. Und der bislang einzige solvente Interessent erwies sich laut Polizei als nicht vertrauenswürdig. Es handelte sich um einen Rauschgifthändler, der auf den Namen „Ivo, der Bulgare“ hört und vorgehabt habe, über die Piste monatlich mehrere Tonnen Kokain zu importieren. Er wurde noch vor der Versteigerung festgenommen.

          Quelle: F.A.Z.

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