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Warnung von Ökonomen : „Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen“

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Die 17 europäischen Ökonomen fordern höhere Brandmauern für die Rettungsfonds, lehnen eine langfristige Transferunion aber ab. Bild: Müller, Verena

Die Krisenspirale in Europa dreht sich immer schneller: Griechenland steht vor dem Fall, Spanien taumelt, an Italien werden Zweifel laut. In einem Gutachten warnen 17  Ökonomen nun vor einer „Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen“.

          Unter Wirtschaftsexperten und Politikern wächst die Sorge, dass Deutschland mit der Schuldenkrise in der EU bald überfordert sein könnte. Hintergrund ist die Einschätzung der Ratingagentur Moody’s, wonach die Spitzenbonität der Bundesrepublik gefährdet ist.

          Forderung nach höheren Haftungsgrenzen

          „Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu“, heißt es in einem Gutachten von 17 europäischen Ökonomen. Die Wissenschaftler, darunter der Sachverständige Peter Bofinger, verlangen von den Regierungen dringend mehr Anstrengungen, um den drohenden Kollaps noch zu vermeiden.

          Die Beseitigung der Altlasten - also der Schuldenkrise - müsse noch stärker als bisher von allen Euro-Ländern gemeinsam getragen werden, heißt es in der Studie, die vom amerikanischen Institute for New Economic Thinking veröffentlicht wurde. Kurzfristig sei unter anderem die Ausweitung des Garantierahmens für die Schuldenstaaten notwendig, sofern sie die vereinbarten Reformauflagen umsetzten. Eine langfristige Transferunion lehnen sie dagegen ebenso ab wie Eurobonds.

          Der Wirtschaftsweise Lars Feld, einer der 17 Gutachter, nannte den kritischen Ausblick von Moody’s für Deutschland berechtigt. Er plädierte dafür, Griechenland in der Eurozone zu halten. Ein drittes Rettungspaket dürfe es aber nicht geben, wenn die Regierung in Athen Auflagen nachweislich nicht erfüllt habe, sagte der Freiburger Ökonom der „Rheinischen Post“.

          „Rettung kann ansteckend sein“

          Auch das Münchner Ifo-Institut sieht in der neuen Bewertung Deutschlands eine deutliche Warnung. „Wir sehen uns in unserer Analyse bestätigt, dass auch Rettung ansteckend sein kann“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wenn Griechenland zahlungsunfähig werde und aus der Eurozone ausscheide, müsse Deutschland mit bis zu 82 Milliarden Euro Verlust rechnen. Noch teurer werde es für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit und einem Verbleib des Landes in der Währungsunion. Dann erhöhe sich die Summe auf bis zu 89 Milliarden Euro.

          Carstensen sagte, im schlimmsten Fall werde Deutschland mit 770 Milliarden Euro belastet. Darin enthalten seien die Risiken aus den Rettungsfonds, die Anleihen der Europäischen Zentralbank und 400 Milliarden Euro an Forderungen, die Deutschland über das europäische Abwicklungssystem Target gegenüber den Krisenländern aufgebaut habe.

          Der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke, nannte den Austritt Griechenlands aus dem Euro unvermeidbar. „Je länger damit gewartet wird, desto mehr wird es kosten“, sagte er der „Schweriner Volkszeitung“. „Wenn jetzt Ratingagenturen wie Moody’s vonseiten der Bundesregierung kritisiert werden, ist dies eine billige Ablenkung.“

          Quelle: DPA

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