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Wahl-Reaktionen aus den Krisenländern : „Der Panzer Merkel siegt zum dritten Mal“

  • Aktualisiert am

Angela Merkels Abschneiden bei der Wahl wird genauestens beobachtet Bild: Michael Martens

Nach Angela Merkels Triumph bekommen die Krisenstaaten noch mehr Respekt vor ihr, berichten unsere Korrespondenten. Ein bisschen Angst ist auch dabei.

          In den morgendlichen Fernsehdauerredesendungen in Griechenland ist das deutsche Wahlergebnis Thema des Tages. „Ta Nea“, unter der Woche das auflagenstärkste Blatt des Landes, bildet die wiedergewählte Angela Merkel am Montag gar als gekröntes Haupt ab, vergnügt lächelnd auf einem Thron von Gold und rotem Samt sitzend. „Europa wird Merkelland“ schreibt das Blatt über den „Triumph der Königin der Sparmaßnahmen“ und zeigt sich durchaus beeindruckt von dem Erfolg der in Griechenland so unbeliebten Regierungschefin.

          Während alle anderen europäischen Staats- und Regierungschefs auf dem Krisenkontinent abgewählt wurden, habe Frau Merkel ihr Ergebnis sogar noch verbessern können: „Merkel ist allmächtig (…) Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war ein Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland so mächtig in einem Europa, in dem die Rolle dieses Landes noch nie so dominant gewesen ist wie heute.“

          Giorgos Tzogopoulos von der griechischen Stiftung für europäische und auswärtige Politik (Eliamep), dem bekanntesten Forschungsinstitut Griechenlands, sieht das nüchterner: „Es war ein zu erwartendes Ergebnis, auch für die Griechen. Sie haben damit gerechnet, dass Frau Merkel weiter regieren wird, ob nun mit der FDP oder einer anderen Partei“, sagte der Athener Politikwissenschaftler am Montag zu FAZ.NET. Tzogopoulos warnt seine Landsleute davor, dem deutschen Wahlergebnis allzu viel Bedeutung beizumessen: „Es ist die Aufgabe Griechenlands, die Reformpolitik weiterzuverfolgen und Ergebnisse vorzulegen, statt darauf zu warten, dass Deutschland seine Politik ändert.“ Einige Angehörige der politischen Eliten in Athen hofften zwar weiterhin auf eine stärkere Rolle des SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück, weil seine Partei „zumindest theoretisch“ als „pro-europäischer“ gilt, sagt Tzogopoulos. „Aber allgemein herrscht trotz des großen Interesses an der deutschen Wahl eine gewisse Gleichgültigkeit vor, weil die Griechen der Ansicht waren, dass die Politik Deutschlands gesetzt ist – ganz unabhängig davon, wer Kanzler ist.
          Michael Martens, Athen

          Italien: „Panzer Merkel siegt zum dritten Mal“

          Die italienischen Reaktionen auf das Wahlergebnis in Deutschland spiegeln Italiens Hoffnungen und Befürchtungen zur künftigen Haltung von Angela Merkel in der Europäischen Währungsunion wieder. Italiens Ministerpräsident Enrico Letta gratulierte Merkel zum Wahlergebnis von einem Staatsbesuch in Kanada und fügte hinzu: „Wenn die Anti-Euro-Partei nicht ins Parlament kommt, ist das ein gutes Signal“. Der Vorsitzende der mitte-links-orientierten Partei der Demokraten, Guglielmo Epifani, nutzte den Kommentar zum Wahlergebnis in Berlin, um Merkel nationalen Egoismus vorzuwerfen: Das Ergebnis verwundere nicht, weil die deutsche Kanzlerin in der Europapolitik doch allein die Interessen ihrer Wähler im Blick gehabt habe.

          Ein Stimmungsbild aus Italien bieten Schlagzeilen und Kommentare in den Zeitungen. Die sonst gemäßigt-konservative Genueser Regionalzeitung „Il Secolo XIX“ gibt sich besonders dezidiert mit ihrem Titel „Der Panzer Merkel siegt zum dritten Mal“, neben einem Kommentar unter der Überschrift: „Aber nun sollte Angela nicht auf dem Europa tanzen, das in Trümmern liegt“. Die linksliberale römische Zeitung „La Repubblica“ kommentiert, mit Merkels Wahlsieg sei „Deutschland unzweifelhaft die Hegemonialmacht des Kontinents geworden - ein Ergebnis, das die deutsche Nation seit 150 Jahren ohne Erfolg anstrebte, um den Preis von Massakern und Zerstörung, und das es nun auf friedlichem Weg dank der Europäischen Union erhalten hat“.

          Wie unterschiedlich die Erwartungen für die künftige Haltung Deutschlands zur Währungsunion und den Krisenländern wie Italien sind, zeigen auch diverse Zeitungsinterviews: Gegenüber der Turiner Zeitung „La Stampa“ zeigte der ehemalige Ministerpräsident und EU-Kommissar Mario Monti Genugtuung über das Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag, weil diese Partei oft die europäische Politik behindert habe. „Deutschland wird immer bestimmt und mit einem klaren Kurs auftreten, aber etwas gelassener sein“, sagt Monti. Er erwarte sich eine Kanzlerin mit mehr Augenmerk auf die „Erfordernisse des Wachstums“, was im italienischen Jargon der Politiker mehr Nachsicht für höhere Haushaltsdefizite bedeutet.

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