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Währungsunion : Die Vor- und die Nachteile des Euro

Der Euro hat seit seiner Einführung vor zwölf Jahren die Entwicklung in den Euro-Staaten unterschiedlich beeinflusst Bild: Frank Röth

Ist Deutschland wirklich der Hauptbegünstigte des Euro? Der Blick in die Statistiken kann skeptisch stimmen. Deutschland hatte die zweitniedrigste Wachstumsrate.

          Die öffentliche Zustimmung zur Währungsunion ist derart gesunken, dass sich 50 Manager großer Konzerne nun zu einer ungewöhnlichen ganzseitigen Zeitungsanzeige zusammengetan haben. „Der Euro ist notwendig“, lautet die Überschrift des Anzeigentextes, der in deutschen und französischen Zeitungen gedruckt wurde (siehe Bild ↓). Der Text beginnt mit den Worten „Die Währungsunion steckt in einer Krise, der Euro steht in der Kritik“. Damit weicht er von der Sprachregelung der meisten Politiker und der Europäischen Zentralbank (EZB) ab, die beteuern, es gebe keine Euro-Krise, sondern nur Schuldenkrisen einiger Mitgliedsländer. Die öffentliche Meinung glaubt dies nicht, wie Umfragen zeigen. Nach dem jüngsten Politbarometer sehen 80 Prozent der Deutschen durch die Schuldenkrisen eine Gefahr für die Stabilität des Euro. Zugleich lehnen 60 Prozent der Befragten weitere Kreditpakete der EU ab.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Gegen den wachsenden Unmut setzen die 50 Manager das Argument, der Euro habe die Rolle Europas gestärkt. „Wer hätte vor 12 Jahren, als der Euro eingeführt wurde, gedacht, dass er heute gegenüber dem Dollar und zahlreichen anderen Währungen mehr wert sein würde als damals“, heißt es in der Anzeige. Allerdings zeigt sich darin nach Meinung vieler Devisenfachleute auch die Schwäche des Dollar, dessen Außenwert durch die extrem expansive Geldpolitik der amerikanischen Notenbank bewusst gedrückt wird.

          Asien und Ostasien gewinnt für Deutschland an Bedeutung

          Das Hauptargument der Konzernlenker sind die Vorteile stabiler Wechselkurse innerhalb des Euroraums. Diese hätten einen Zuwachs an Wohlstand ermöglicht. Unbestritten ist unter Ökonomen, dass der Euro durch den Wegfall von Wechselkursrisiko und Umtauschgebühren die Kosten für grenzüberschreitende Transaktionen verringert hat. Daraus folgt, dass Handel und Wohlfahrt zunehmen. Mit Blick auf die deutschen Exporterfolge betonte Kanzlerin Angela Merkel jüngst: „Deutschland profitiert vom Euro wie kaum ein anderes Land.“ Allerdings zeigt die Statistik, dass der deutsche Außenhandel mit Ländern außerhalb des Euroraums stärker gewachsen ist als der innerhalb des Euro. Von 1999, dem Jahr der Festschreibung der Wechselkurse, bis 2010 sank der Anteil des Exports in den Euroraum am Gesamtexport von 46 auf 41 Prozent. An Bedeutung zugenommen hat der Außenhandel mit Asien und Osteuropa – obwohl die Wechselkurse dieser Handelspartner schwanken und sie zum Teil erheblich abgewertet haben.

          Die oft gehörte Formulierung, Deutschland sei „Hauptprofiteur des Euro“, verwenden die deutschen und französischen Manager in der Anzeige nicht. Die Behauptung ist unter Ökonomen auch umstritten. Schon ein oberflächlicher Blick in die Wachstumsstatistiken von Eurostat muss skeptisch stimmen. In den zwölf Jahren seit Einführung des Euro hat Deutschland mit das niedrigste durchschnittliche Wachstum gehabt. Es lag – trotz des jüngsten kräftigen Aufschwungs – mit 1,2 Prozent signifikant unter dem Durchschnitt des Währungsraums (1,5 Prozent) oder der gesamten EU (1,7 Prozent).

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