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Verschwörungstheorien : Apokalyptiker verkünden das Ende des Euro

  • -Aktualisiert am

Ist die D-Mark bald wieder da? Bild: AP

Untergangspropheten wissen Bescheid: Die D-Mark kommt zurück! Es kann sich nur um Wochen handeln. Bis dahin geben sie Kurse für Selbstversorger und werben für Gold. Bezahlen lassen sie sich dafür aber sehr gern in Euro.

          Ein Österreicher hat sich aufgemacht, die Deutschen auf die Rückkehr ihrer alten Währung vorzubereiten. Walter K. Eichelburg redet nicht um den heißen Brei herum: „Das Ende des Euro naht. In wenigen Monaten wird er verschwunden sein.“ Spätestens im Frühjahr 2011 sei er da, der „weltweite Währungscrash“. Und mit ihm kommt sie zurück, die D-Mark.

          So raunt es Eichelburg allen ins Ohr, die sein Wiener Büro anrufen oder seine Seminare buchen. So schwadroniert der Verschwörungstheoretiker auch daher in seinen Blogs und Internetforen: „Geben Merkel und Sarkozy dem Euro den Gnadenschuss?“

          Mit seinem Internetforum Hartgeld.com findet Eichelburg viel Gehör in der chronisch überhitzten Internet-Community, spätestens seit die Euro-Staaten einen milliardenschweren Rettungsschirm spannen mussten, seit Griechenland wankte und Irland um Hilfe rief. Die wachsende Sorge um Spanien gibt den Euro-Apokalyptikern nun noch mehr Auftrieb.

          Am zuletzt prophezeiten Termin passierte: nichts

          Schon Ende 2009 habe der Bundesbankchef frisch gedruckte DM-Scheine „im kleinen Kreis herumgereicht“, weiß Eichelburg von seinen Informanten „aus höchsten deutschen Regierungskreisen und Bankenvorständen“. Sie halten den Österreicher über alle deutschen Geheimpläne auf dem Laufenden. Einen Tag x für die große Währungsreform will die Crash-Kassandra aus Wien aber nicht nennen, nicht noch einmal jedenfalls. Denn an seinem zuletzt prophezeiten Termin - der 16. Mai 2010 - passierte: nichts.

          Kein Wunder, sagt der studierte Informatiker: Eingeknickt sei die Bundeskanzlerin damals. Aus Angst und unter dem Druck von Sarkozy & Co. habe sie alle frisch gedruckten DM-Noten wieder einsammeln und an einem geheimen Ort bunkern lassen. „Ich habe unterschätzt, wie gut es der Politik gelingt, das Systemende hinauszuzögern.“

          „Lks-weise Sonderlieferungen mit Lebensmitteln“

          Eichelburgs Jünger brauchen keine Kontakte in Topregierungskreise, um die Signale der Euro-Dämmerung zu deuten. „In den letzten zehn Tagen hatten alle Banken hier vor Ort an verschiedenen Tagen wegen Betriebsversammlungen früher geschlossen“, funkt ein besorgter Hannoveraner an Hartgeld.com. „Finde ich schon merkwürdig.“ Sitzen die Banker schon alle in Schulungen für die Währungsreform? In Leipzig wurden „lkw-weise Sonderlieferungen mit Lebensmitteln“ beobachtet. Ein Computerabsturz in einem Uelzener Arbeitszimmer ist so verdächtig wie neue Kassen im Supermarkt oder ein leerer Geldautomat. Besonders verdächtig ist aber der volle Geldautomat, denn der spuckt einmal auffällig schäbige Euroscheine aus, und mal auffällig frische. „Ich fürchte, es ist im Gange . . .“, seufzt es sogleich im Forum.

          Die Diskutanten ermahnen sich gegenseitig zur Wachsamkeit, auch auf augenscheinlich harmlose Hinweise auf die Euro-Dämmerung. „Besonders viele gute Filme im öffentlichen Fernsehen“ zum Beispiel oder auffällig viele Verkehrsstaus. Wenn dann noch Insider beim Hamsterkauf von Lebensmitteln erwischt werden, oder die Elite sich „Zweitwohnsitze beispielsweise in Neuseeland“ zulegt, steht die Volkswirtschaft endgültig am Abgrund.

          Den „Mainstream-Medien“ vertrauen die Furchtsamen ebenso wenig wie den Beschwichtigungen von Bundesbank, Banken oder Bundesfinanzministerium. Letzteres zählt jeden Monat etwa ein halbes Dutzend Mails mit Fragen nach dem Ende des Euro und der Rückkehr der D-Mark. „Das Interesse an den Katastrophentheorien ist ungebrochen“, sagt Jürgen Karstendiek, im Ministerium zuständig für Bürgeranfragen. Ob seine Appelle zur Gelassenheit wirken, weiß er nicht.

          Offizielle Meldungen gelten als „Notlügen kurz vor dem Ende“

          Für die Diskutanten in Eichelburgs Forum sind offizielle Meldungen ohnehin nur „die Notlügen kurz vor dem Ende. Und genau für diese Lügen wird man sich rächen.“ Für sie war der abgesagte Maitermin für die Währungsreform nur eine Feuerwehrübung. Wenn es jetzt wirklich brennt, sind sie vorbereitet: „Habe heute noch einiges gekauft“, meldet einer. „Vollgetankt habe ich auch noch, so dass ich gut gerüstet sein sollte.“ Andere legen Gemüsegärten an (“Im günstigsten Fall ist die staatliche Notversorgung für 10 - 14 Tage gesichert; dann ist Schluss!!!“), wieder andere stecken ihr wertloses Papiergeld gleich in Naturalien (“Ackerland und Weinberge - mein Bauch sagt mir, ich bin besser gerüstet als die Masse“).

          Vor allem aber tun sie das, was der selbsterklärte Finanzexperte und Autodidakt Eichelburg ihnen rät: Sie stecken ihr Papiergeld in Gold und andere Edelmetalle. Denn ihnen ist klar: Die Währungsreform bedeutet nicht weniger als die „Ausrottung der deutschen Sparvermögen“. Bis auf ein paar 100 Euro würden die Sparer wohl alles verlieren, und dann wohl dem, der in Edelmetalle oder wenigstens in Immobilien investiert hat.

          Das zahlt sich vor allem für Eichelburg selbst aus, auf dessen Diskussionsforen sich die Kleinanzeigen von Edelmetallhändlern tummeln. „Hartgeld.com finanziert sich primär über Werbung“, heißt es im Impressum, „indem es der Edelmetall-Branche fokussierte Werbemöglichkeiten bietet“.

          Auch der Meister selbst bietet seinen Lesern Euro-Crashseminare, Depressionsseminare, Gold & Silber-Investment-Seminare. Edelmetalle seien der einzige Ausweg, nicht geschoren zu werden, predigt er. Wer es rustikaler mag, kann auch Crashkurse zur Notfallvorsorge buchen und sich beibringen lassen, wie man Räucherfleisch und Rübenkraut herstellt, Trinkwasser aufbereitet und ohne Strom zurechtkommt.

          Ihre Honorare lassen sich die Seminaranbieter übrigens in Papiergeld bezahlen, nicht in Rübenkraut. Noch jedenfalls.

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