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Ungleiches Europa : Reiche Regionen hängen arme Landstriche ab

  • Aktualisiert am

Ein Radfahrer schwenkt eine Europafahne in der Nähe des Parlaments in London. Bild: Reuters

Seit mehr als 40 Jahren verteilt die EU Geld zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Regionen um. Die Unterschiede bleiben groß - Ökonomen wissen, warum das so ist.

          Der Abstand zwischen reichen und armen Regionen in Europa bleibt bestehen oder wächst. „Die Regionen mit einem Bruttoinlandseinkommen pro Kopf deutlich über dem EU-Durchschnitt sind dank einer Kombination aus Produktivitäts- und Beschäftigungszunahmen schneller gewachsen als die weniger entwickelten“, stellte die EU-Kommission in ihrem siebten Bericht zur Regionalförderung fest (zum Original-Dokument geht es hier entlang, auf Englisch).

          Wirtschaftlich schwache Gegenden haben der Analyse zufolge in den Jahren 2000 bis 2015 Arbeitsplätze verloren. Probleme hätten auch Regionen, die eine mehr oder weniger durchschnittliche Wirtschaftsleistung pro Kopf erreichten: Ihre Kosten seien zu hoch, um mit den armen Landstrichen zu konkurrieren, und ihr „regionales Innovationssystem“ könne nicht mit dem der wirtschaftsstarken Regionen mithalten, schreiben die Fachleute in Brüssel. Hauptstädte und Großstädte böten Investoren mit ihrem breiteren Angebot bessere Möglichkeiten.

          „Verteilung der Mittel überdenken“

          „Wir müssen die Verteilung der Mittel überdenken“, sagte EU-Regionalkommissarin Corina Cretu während der Vorlage des Berichts. Der Präsident des Europäischen Ausschusses der Regionen, Karl-Heinz Lambertz, forderte „vor allem eine Vereinfachung“ der Projektförderung. Die Regionalförderung, in die etwa ein Drittel der EU-Ausgaben fließe, müsse aber weitergehen. Cretu meinte, das „beste Beispiel“ dafür sei die Lage der ostdeutschen Bundesländer.

          Sowohl Cretu als auch Lambertz wiesen auf die Probleme vieler Behörden hin, das EU-Geld richtig einzusetzen. „Das Wichtigste ist das administrative Leistungsvermögen“, sagte Cretu.

          Der EU-Bericht bewertet auch die Regierungsqualität in den EU-Regionen. Demnach werden etwa Bayern, Niedersachsen und Hamburg etwas besser regiert als Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin. Generell sehe es in Deutschland dabei aber besser aus als in Bulgarien, Rumänien, Kroatien oder Teilen Italiens.

          Ökonomisch hingegen sind die Ergebnisse nicht sonderlich überraschend. Wirtschaftsforscher wissen schon länger, dass in großen Märkten häufig diejenigen Regionen sich überdurchschnittlich entwickeln, die vergleichsweise stark sind. Grund sind Skaleneffekte, die Unternehmen realisieren können und Vorteile aus der Agglomeration - zum Beispiel ziehen neben den Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter dorthin, die wiederum den Arbeitsmarkt vergrößern (einen einführenden Überblick gibt es hier).

          Solche Effekte zeigen sich übrigens nicht nur in Europa, sondern auch etwa in den Vereinigten Staaten. Oder auch in Deutschland: Dort werden zum Beispiel das Rhein-Main-Gebiet, der Großraum München und auch die Region um die Hauptstadt Berlin wirtschaftlich vergleichsweise stärker als ländliche Regionen der Bundesrepublik. Ein Länderfinanzausgleich kann das nicht verhindern, sondern dämpfen und die Anpassung erleichtern.

          Quelle: ala./dpa

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