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Stagnation bei niedrigen Zinsen : Die Fratze der Euro-Krise

Bild: Getty Images

Die Krise ist noch nicht vorbei. Sie hat sich nur gewandelt. Es drohen quälende Jahre ohne Wachstum und ohne vernünftige Zinsen. Wie in Japan.

          Sankt Moritz und Zermatt, da müsste man jetzt hin. In die Schweiz lockt derzeit nämlich nicht nur die Piste, sondern auch das Geld. Man kann seine Euro zu einem deutlich besseren Kurs in Franken umtauschen als noch Ende vergangenen Jahres. Liftpass und Hotel sind auf einmal billiger und auch die Rivella auf der Alm kostet weniger. Der Euro ist endlich wieder da. Monat für Monat rutschte er ab in den vergangenen drei Jahren. Monat für Monat griff die Schweizer Notenbank zuletzt ein, damit der Franken nicht allzu stark wurde gegenüber dem Euro. Und auf einmal passiert das Gegenteil. Der Kurs des Euro schießt in die Höhe.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Siedenbiedel

          Auffälliger könnte die Veränderung der Euro-Krise kaum sein. Der erstarkende Euro ist nur eines von vielen Zeichen dafür, dass die Euro-Aufregung sich beruhigt. Die Staaten Südeuropas können sich wieder billiger Geld leihen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Portugal sank erstmals seit Dezember 2010 unter sechs Prozent; das Land legte auch zum ersten Mal seit langem wieder neue eigene Anleihen auf. Auch die Aktienmärkte verkünden Optimismus: Der europäische Index Eurostoxx ist seit Juli 2012 um 26 Prozent gestiegen. Banken zahlen vorzeitig Finanzspritzen zurück, die ihnen die Notenbank in der Krise gewährt hat. Und der Internationale Währungsfonds kündigt an, in Griechenland nach 2014 für neue Hilfen nicht mehr benötigt zu werden.

          Trügerische Ruhe

          Die plötzliche Ruhe in Europa beherrschte auch die Diskussionen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vergangene Woche. Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi etwa sagte, 2012 sei das Jahr gewesen, „in dem der Euro neu gestartet“ wurde. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum - bislang noch negativ - werde in der zweiten Jahreshälfte 2013 anziehen. Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain sah das ähnlich: „Die akute Phase der Krise liegt hinter uns“, sagte er.

          Die Euro-Krise ist endlich vorbei, will man nach diesen Worten begeistert ausrufen. Es wäre ja auch zu schön. Doch es ist leider nicht der Fall. „Die Finanzkrise legt nur eine Pause ein“ sagt der Münchener Ökonom und Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Drei Gründe sieht er für die ruhige Lage: Dass das Bundesverfassungsgericht die Klagen gegen den dauerhaften Euro-Rettungsschirm abgelehnt hat. Dass die EZB angekündigt hat, notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Problemstaaten zu kaufen. Und dass der Rettungsschirm nun auch Südeuropas Banken rekapitalisieren kann.

          Eine wirkliche Lösung der Krise ist das aber nicht. Das sagt nicht nur Sinn, das ist offensichtlich. Denn die Probleme, die hohen Schulden der Staaten Südeuropas und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft, sind ungelöst. Die Krise ist nicht vorbei - sie ändert nur ihr Gesicht. Sie ist ruhiger geworden, aber dadurch nicht weniger bedrohlich.

          Stagnation oder Schrumpfung bei niedrigen Zinsen

          Die neue Phase der Euro-Krise ist geprägt durch niedriges Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig sehr niedrigen Zinsen und hoher Staatsverschuldung. Und derzeit ist nicht abzusehen, dass sich das bald ändert. Zwar soll Deutschland auch 2013 noch ein wenig wachsen, aber im Rest von Europa sieht es mau aus. Das könnte jahrelang so weitergehen - und erinnert fatal an Japan. Jenes Land, das vorgemacht hat, wie lange eine Wirtschaft nach einer Finanzkrise am Boden liegen kann.

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