Home
http://www.faz.net/-gqe-762mk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Stagnation bei niedrigen Zinsen Die Fratze der Euro-Krise

Die Krise ist noch nicht vorbei. Sie hat sich nur gewandelt. Es drohen quälende Jahre ohne Wachstum und ohne vernünftige Zinsen. Wie in Japan.

© Getty Images

Sankt Moritz und Zermatt, da müsste man jetzt hin. In die Schweiz lockt derzeit nämlich nicht nur die Piste, sondern auch das Geld. Man kann seine Euro zu einem deutlich besseren Kurs in Franken umtauschen als noch Ende vergangenen Jahres. Liftpass und Hotel sind auf einmal billiger und auch die Rivella auf der Alm kostet weniger. Der Euro ist endlich wieder da. Monat für Monat rutschte er ab in den vergangenen drei Jahren. Monat für Monat griff die Schweizer Notenbank zuletzt ein, damit der Franken nicht allzu stark wurde gegenüber dem Euro. Und auf einmal passiert das Gegenteil. Der Kurs des Euro schießt in die Höhe.

Georg Meck Folgen: Lisa Nienhaus Folgen: Christian Siedenbiedel Folgen:

Auffälliger könnte die Veränderung der Euro-Krise kaum sein. Der erstarkende Euro ist nur eines von vielen Zeichen dafür, dass die Euro-Aufregung sich beruhigt. Die Staaten Südeuropas können sich wieder billiger Geld leihen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Portugal sank erstmals seit Dezember 2010 unter sechs Prozent; das Land legte auch zum ersten Mal seit langem wieder neue eigene Anleihen auf. Auch die Aktienmärkte verkünden Optimismus: Der europäische Index Eurostoxx ist seit Juli 2012 um 26 Prozent gestiegen. Banken zahlen vorzeitig Finanzspritzen zurück, die ihnen die Notenbank in der Krise gewährt hat. Und der Internationale Währungsfonds kündigt an, in Griechenland nach 2014 für neue Hilfen nicht mehr benötigt zu werden.

Trügerische Ruhe

Die plötzliche Ruhe in Europa beherrschte auch die Diskussionen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vergangene Woche. Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi etwa sagte, 2012 sei das Jahr gewesen, „in dem der Euro neu gestartet“ wurde. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum - bislang noch negativ - werde in der zweiten Jahreshälfte 2013 anziehen. Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain sah das ähnlich: „Die akute Phase der Krise liegt hinter uns“, sagte er.

Die Euro-Krise ist endlich vorbei, will man nach diesen Worten begeistert ausrufen. Es wäre ja auch zu schön. Doch es ist leider nicht der Fall. „Die Finanzkrise legt nur eine Pause ein“ sagt der Münchener Ökonom und Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Drei Gründe sieht er für die ruhige Lage: Dass das Bundesverfassungsgericht die Klagen gegen den dauerhaften Euro-Rettungsschirm abgelehnt hat. Dass die EZB angekündigt hat, notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Problemstaaten zu kaufen. Und dass der Rettungsschirm nun auch Südeuropas Banken rekapitalisieren kann.

Infografik / Draghi stützt den Euro, die Realwirtschaft schrumpft weiter © F.A.Z. Vergrößern

Eine wirkliche Lösung der Krise ist das aber nicht. Das sagt nicht nur Sinn, das ist offensichtlich. Denn die Probleme, die hohen Schulden der Staaten Südeuropas und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft, sind ungelöst. Die Krise ist nicht vorbei - sie ändert nur ihr Gesicht. Sie ist ruhiger geworden, aber dadurch nicht weniger bedrohlich.

Stagnation oder Schrumpfung bei niedrigen Zinsen

Die neue Phase der Euro-Krise ist geprägt durch niedriges Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig sehr niedrigen Zinsen und hoher Staatsverschuldung. Und derzeit ist nicht abzusehen, dass sich das bald ändert. Zwar soll Deutschland auch 2013 noch ein wenig wachsen, aber im Rest von Europa sieht es mau aus. Das könnte jahrelang so weitergehen - und erinnert fatal an Japan. Jenes Land, das vorgemacht hat, wie lange eine Wirtschaft nach einer Finanzkrise am Boden liegen kann.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fondsmanager im Gespräch Hochzinsanleihen weiter attraktiv

Nicholas Gartside ist Investmentvorstand bei JP Morgan. Er bewertet die aktuelle Krise in China und setzt auf Hochzinsanleihen. Mehr Von Martin Hock

17.07.2015, 10:14 Uhr | Finanzen
Finanzkrise Griechenland braucht Umstrukturierung seiner Schulden

Die griechischen Banken bleiben wegen der Finanzkrise bis zum 13. Juli geschlossen. Griechische Kunden dürften bis dahin auch weiterhin nur 60 Euro pro Tag abheben, hat das Finanzministerium mitgeteilt. Laut IWF-Chefin Christine Lagarde, befindet sich Griechenland in einer akuten Krise und muss seine Schulden umstrukturieren. Mehr

09.07.2015, 09:43 Uhr | Wirtschaft
Mayers Weltwirtschaft Bald geht’s wieder abwärts

Die nächste Rezession kommt bestimmt. Vielleicht schon im nächsten Jahr. Da kann man nichts gegen machen. Der Euro wird das nicht überleben. Mehr Von Thomas Mayer

18.07.2015, 16:59 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Der Familienalltag in der Krise

Die Banken sind geschlossen, an Geldautomaten gibt es maximal 60 Euro pro Tag. Der Automat spuckt meist nur einen 50 Euroschein aus, den man aber nur noch schwer eintauschen kann. Auch wenn das Geld aus Hilfsprogrammen fließen wird, ist die Lage schwierig. Wie ist die Lage in den griechischen Familien? Mehr

15.07.2015, 11:51 Uhr | Wirtschaft
Baufinanzierung Ohne Geld ins Eigenheim

Viele Banken bieten Baufinanzierungen ohne Eigenkapital an. Doch Vorsicht: Vollfinanzierungen lohnen sich nur in ganz wenigen Fällen. Mehr Von Nadine Oberhuber

20.07.2015, 17:01 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 28.01.2013, 13:46 Uhr

Die Zweifel des IWF

Von Tobias Piller

Der IWF stellt seine Beteiligung an einem neuen Rettungspaket für Griechenland immer heftiger in Frage. Damit wankt das fragile Rettungsgleichgewicht. Mehr 12 23


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --