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Spekulant und Staatsmann : Die Euro-Wette des George Soros

George Soros, 83 Jahre alt Bild: REUTERS

Der Mann spendet Milliarden. Er geht in den Berliner Ministerien ein und aus. Niemand macht sich so stark für eine europäische Schuldenunion wie der Spekulant aus New York. Was treibt ihn?

          Den Menschen George Soros gibt es zweimal: als Spekulant und als Staatsmann. In der Debatte um Europas Zukunft ist der Milliardär aus New York zur Größe geworden. Kaum eine Woche, in der Soros nicht irgendwo fordert, Deutschland solle für Griechenland und Spanien mehr zahlen. Soros macht es einem nicht leicht, auseinanderzuhalten, wer da spricht. Der Staatsmann? Der Spekulant?

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Ende Dezember kaufte Soros sich in Spaniens zweitgrößten Baukonzern ein. Nachdem seine Leute eine Nachrichtenagentur angerufen hatten, stiegen seine neuen Aktien gleich um zwölf Prozent. Da war er Geschäftsmann. Doch vor einem Jahr, als Soros Milliarden darauf wettete, dass der Yen bald fällt, war die Rollenverteilung weniger klar. Weil Japans Regierung in der Krise nicht mehr weiterwusste und die Währung abwertete, ging Soros’ Wette auf. Er verdiente eine Milliarde Dollar an einem Währungskrieg, den er durch seine Wette noch befeuert hatte. Doch in seiner Rolle als Staatsmann warnte Soros zur gleichen Zeit auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos: Der Währungskrieg drohe die Welt zu destabilisieren.

          Der Spekulant verdient Milliarden mit seinem Hedgefonds, der rund um die Uhr auf der Suche nach kleinsten Schwachstellen in den Volkswirtschaften dieser Welt ist, um zu wetten: dass die Währung eines Landes bald abstürzt.

          Doch der früher weltgrößte Spekulant ist auch einer der größten Philanthropen weit und breit. Seit den siebziger Jahren hat Soros acht Milliarden Dollar gespendet: für den Widerstand hinter dem Eisernen Vorhang, für Roma, für Barack Obama, für den freien Verkauf von Cannabis. Kaum eine Universität in Osteuropa, die ohne George-Soros-Lehrstuhl ist. Er finanziert den proeuropäischen Think-Tank European Council on Foreign Relations fast im Alleingang und sein Institut namens Open Society zur Gänze. Dessen Hauptquartier liegt gleich neben Soros’ Hedgefonds am New Yorker Central Park und überwacht die Arbeit von 40 Dependancen weltweit. Zählt man weitere Aktivitäten hinzu, ist Soros in fünfzig Ländern politisch aktiv.

          Der Mann aus New York ist ein Europäer

          Allein sein Institut hat jährliche Ausgaben von fast einer Milliarde Dollar für Meinungsbildung. Nun nimmt der Milliardär Deutschland in den Fokus. Denn der 83 Jahre alte Soros hat sich entschieden, was sein Vermächtnis werden soll: die Rettung Europas vor den Deutschen.

          Im Mai ist Europawahl, Soros hat sich vorgenommen, bis dahin die Meinung der Berliner Republik zur Frage umzukehren, wie viel Geld und Souveränität man an andere EU-Staaten abgeben soll. „Es hängt an Deutschland, die Eurokrise zu lösen“, sagte Soros jüngst der F.A.S. Seine Forderung, wenn Berlin nicht der Vergemeinschaftung aller Schulden der EU-Staaten zustimme, müsse das Land aus der Eurozone austreten, hat ein gewaltiges Echo ausgelöst.

          Der Mann aus New York ist ein Europäer. Er wurde in Ungarn als Sohn jüdischer Eltern geboren, entkam mit enormem Mut und Geschick der Deportation ins KZ durch die deutschen Besatzer. „Wenn es mir möglich wäre, die deutsche Öffentlichkeit wachzurütteln, wäre das der krönende Abschluss meines Lebenswerks“, sagt er. Wer ihn kennt, sagt, die Sorge sei echt.

          Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos in eineinhalb Wochen ist Soros wie immer Stargast. Vergangenes Jahr rief er beim Dinner im Panoramarestaurant des Hotels Seehof, wenn Deutschland den Euro verlasse, löse sich „das Schuldenproblem in Luft auf“. Seine Mitarbeiter raten Soros, es rhetorisch auch mal sanfter angehen zu lassen.

          Im Februar erscheint sein neues Buch

          Doch Zurückhaltung ist Soros’ Sache nicht. 23 Milliarden Dollar zählt sein geschätztes Vermögen, er hat sich hochgearbeitet aus dem Nichts zum genialen Hedgefonds-Strategen, der mit aggressiven Attacken auf die Devisenmärkte Jahr für Jahr eine Rendite von 35 Prozent eingefahren hat. Der größte Coup bleibt die Bank of England, die Soros vor 20 Jahren bezwang. Das Pfund spekulierte er in Grund und Boden, die Briten verließen das Europäische Währungssystem, der Bürger verlor sein Erspartes, Soros wurde eine Milliarde Dollar reicher und zur politischen Figur.

          Er möchte viel lieber ein Staatsmann sein. „Armselig“ sei sein Spekulantendasein, gestand Soros einst ein und machte Politik zu seiner Passion. Links sei er, schreiben seine Biographen. Mit mehr als 50 Millionen Dollar hat er versucht, 2004 die Wiederwahl von George W. Bush zu verhindern. Es gehe „um Leben und Tod“, warnte Soros, zehn Jahre später schätzt er die Lage an anderer Stelle ähnlich bedrohlich ein: in Deutschland.

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