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Standpunkt : Warum auch Spanien auf einen Euro-Austritt zusteuert

  • Aktualisiert am

Spanien bei Nacht. Bild: dpa

Bislang konzentrieren sich die Spekulationen über einen Euro-Austritt auf Griechenland. Doch die Bankenkrise in Spanien ist so schlecht gemanagt, dass sie zu einer noch größeren Gefahr für den Euro wird. Ein Standpunkt des Ökonomen Harald Hau.

          Bislang konzentrieren sich die Spekulationen hinsichtlich eines Euro-Austritts auf Griechenland. Doch hat dieses Land relativ geringe real- und finanzwirtschaftliche Bedeutung für den Rest der Eurozone. Ganz anders ist dies mit Spanien, wo eine gewaltige Fehlspekuation im Immobiliensektor den Banksektor in den Abgrund zu stürzen droht. Das Missmanagement dieser Bankenkrise bedroht mittlerweile die gesamte spanische Wirtschaft und wird damit zu einer noch größeren Gefahr für den Euro als die griechische Krise.

          Die Bankenkrise ist in Spanien deshalb so bedrohlich, weil der private Sektor hohe Auslandsschulden aufgetürmt hat. Viele Investitionen wurden mit ausländischen Krediten finanziert. So steht Spanien vor einer klassischen externen Schuldenkrise, wie dies bei Entwicklungsländern häufig der Fall ist.

          Fast drei Viertel von Spaniens Schulden haben Privatleute und Firmen.

          Etwa 73 Prozent von Spaniens 2,4 Billionen Euro Bruttoschulden entfallen auf den privaten Sektor. Von den Staatsschulden befinden sich nur 29 Prozent oder etwa 200 Milliarden Euro in ausländischer Hand. Anders als in Griechenland ist der private Sektor die Ursache der Krise. Die gewaltigen Auslandsverpflichtungen spanischer Gläubiger stellen die griechische Krise daher weit in den Schatten. Hier ist genug Sprengstoff für eine zweite weltweite Finanzkrise.

          Mit mehr Wachstum könnte sich die Situation in Spanien noch wenden. Doch die allgemeine Überschuldung des Landes, die fortwährende Bankenkrise, wachsendes Misstrauen ausländischer Gläubiger, ein überhöhtes Reallohnniveau, hohe Arbeitslosigkeit und eine weltweite Rezession machen Wachstumsaussichten illusorisch. Zwar hat die neue spanische Regierung Strukturreformen in Angriff genommen, doch kann man damit nur sehr langfristig Verbesserungen erwirken.

          Staatsausgaben helfen nicht

          Illusorisch sind auch keynesianische Hoffnungen, wonach mehr Staatsausgaben die Krise beenden können. Allein die Bankenkrise und die nötige Bankenrettung könnten die Staatsverschuldung sehr schnell um bis zu 20 Prozent auf fast 100 Prozent des Bruttosozialproduktes anwachsen lassen. Angesichts der Überschuldung des privaten Sektors und der fortdauernden Wirtschaftskrise ist damit die Grenze einer tragfähigen Schuldensituation vermutlich schon überschritten.

          Ein großer Teil der spanischen Auslandsschulden werden von Investmentfonds, Pensionsfonds und Versicherungen gehalten. Auf internationale Banken entfallen etwa 586 Milliarden oder 25 Prozent der Auslandsschulden Spaniens. Deutsche Banken sind mit etwa 146 Milliarden Euro engagiert. Doch vermutlich dürfte der Gläubigeranteil angelsächsischer Investoren den der Gläubiger der Eurozone noch übertreffen. Besonders die privaten Investmentfonds verstehen die Zuspitzung der spanischen Schuldenkrise und versuchen ihr Kapital zu retten und Zeit für ihren Rückzug zu gewinnen.

          Wie im Fall von Griechenland ist die größte Hoffnung der privaten Gläubiger nicht eine Verbesserung der Situation des Schuldnerlandes, sondern das finanzielle Engagement des europäischen Steuerzahlers. So finden alle Strategien einer Vergemeinschaftung der Schulden durch den ESM, Eurobonds oder eine Bankenunion die größte Zustimmung in Washington und London. Gleichzeitig herrscht dort die allergrößte Skepsis, dass dieses hoch-riskante finanzielle Engagement der Eurostaaten die Krisendynamik wirklich wenden kann.

          Solche Skepsis ist durchaus begründet: Das Beispiel Griechenland und viele vorangegangene Krisen haben gezeigt, dass Gläubiger mit langfristigen Schuldtiteln mit Forderungsverzichten rechnen müssen, falls sie den rechtzeitigen „Exit“ verpassen. Hilfen durch den IWF oder den ESM erleichtern zwar diesen Ausstieg, verschärfen aber gleichzeitig die Situation für die verbleibenden Gläubiger. Deren Schulden werden nachrangig bedient und verlieren damit weiter an Wert.

          Das EZB-Geld hilft, private Risiken auf den Steuerzahler zu verlagern

          Auch die großzügige Liquiditätspolitik der EZB gleicht einem Trojanischen Pferd. Viele spanische Banken verwendeten diese Mittel der EZB zum Aufkauf von spanischen Staatsanleihen, die als zunehmend fragwürdiger werdende Sicherheiten bei der EZB hinterlegt werden. Auch hier findet eine massive Abwälzung privater Risiken auf den spanischen und europäischen Steuerzahler statt.

          Je mehr sich finanzkräftige Investoren auf diese Weise entsolidarisieren können, umso mehr wird die Krise finanziell und politisch unlösbar. Von einer Verschleppung der Krise durch reine Liquiditätspolitik profitieren nur die gut informierten Investoren und Spekulanten zu Lasten der Staaten und Steuerzahler.

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