http://www.faz.net/-gqu-74567
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 06.11.2012, 08:52 Uhr

Spanische Staatsanleihen EZB überprüft die Sicherheiten

Der Beleihungswert spanischer Schuldtitel ist möglicherweise 16 Milliarden Euro geringer als behauptet wird. Die EZB prüft nun, ob die spanische Notenbank ihre Ermessenspielräume überschritten hat.

von
© Schmitt, Felix Sitz der EZB in Frankfurt am Main

Die Europäische Zentralbank hat eine Untersuchung begonnen, um zu ermitteln, ob die spanische Notenbank beim Umgang mit Sicherheiten, die spanische Geschäftsbanken eingereicht und beliehen haben, ihren Ermessensspielraum überschritten hat. Dabei geht es um Schuldtitel des spanischen Staates mit kurzen Laufzeiten, die möglicherweise als Pfand akzeptiert wurden, obwohl sie nach den Regeln der EZB eine zu schlechte Kreditbewertung hatten. Ein Sprecher der EZB bestätigte die Untersuchung. Nach Informationen aus Finanzkreisen sind spanische Schuldtitel im Wert von gut 13 Milliarden Euro als Sicherheit akzeptiert worden, welche die EZB wegen ihres schlechten Ratings eigentlich hätte ablehnen müssen.

Für weitere Schuldtitel im Wert von etwa 60 Milliarden Euro hätten eigentlich höhere Sicherheitsabschläge vorgenommen werden müssen, die sich auf rund 3 Milliarden Euro summieren. Die von den spanischen Banken eingereichten spanischen Schuldtitel hätten also einen um insgesamt 16 Milliarden Euro geringeren Beleihungswert. Zudem wurden offenbar von der irischen Notenbank irische Schuldtitel nur mit höheren Abschlägen angenommen - anders als im Fall der spanischen Schuldtitel.

Grundlage für die Konditionen, zu denen die spanischen Anleihen beliehen werden können, ist eine Note der renommierten, aber wenig bekannten kanadischen Agentur DBRS, die Spanien noch mit „A low“ führt, was bei den drei größten Agenturen S&P, Moody’s und Fitch etwa den Noten „A-“ und „A3“ entspricht. Diese haben die spanische Kreditwürdigkeit allerdings schon deutlich gesenkt.

Mehr zum Thema

In den umfangreichen Bestimmungen für den Umgang mit den als Sicherheit eingereichten Wertpapieren gebe es Ermessensspielräume, hieß es am Montag von der EZB. Das sei notwendig, weil nicht jeder Spezialfall im Vorhinein definiert werden könne. Möglicherweise seien diese Spielräume von den verschiedenen nationalen Notenbanken unterschiedlich ausgelegt worden. „Das darf aber nicht sein“, sagte ein Angehöriger der EZB. Deshalb müsse nun geprüft werden. Auf den Kapitalmärkten gibt es Wertpapiere im Wert von etwa 14.000 Milliarden Euro, die als Pfand bei Geschäften mit der Zentralbank in Frage kommen. Davon haben die Banken Titel im Wert von 2.000 Milliarden Euro als Sicherheit eingereicht.

Die spanischen Geschäftsbanken haben von der Notenbank derzeit rund 350 Milliarden Euro geliehen. Abgesichert sind diese Geschäfte mit Wertpapieren, die nach Abzug von Sicherheitsabschlägen einen Marktwert von rund 400 Milliarden Euro haben. Im Durchschnitt der spanischen Banken würden also die vorhandenen Sicherheiten ausreichen, wenn sich herausstellen sollte, dass bei der Annahme der spanischen Geldmarkttitel als Pfand von der Notenbank die Regeln unzulässig lax ausgelegt worden sind. Allerdings ist damit noch nicht ausgeschlossen, dass es einzelne spanische Banken gibt, die diesen Freiraum überproportional genutzt haben.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Faule Kredite Staatshilfen für Italiens Banken rücken näher

Die italienischen Krisenbanken werden der faulen Kredite nicht mehr Herr. Ein Lösungsvorschlag von EZB-Präsident Mario Draghi hat derweil großen Widerhall gefunden. Mehr Von Markus Frühauf und Tobias Piller, Rom

23.07.2016, 13:36 Uhr | Finanzen
Übernahme durch Verizon Yahoo verliert seine Eigenständigkeit

20 Jahre nach Firmengründung ist das ein schwerer Schlag für Yahoo. Nachdem Anfang des Jahres bereits die Streichung von 1700 Stellen angekündigt worden war, wird das Unternehmen jetzt für 5 Milliarden Dollar von Verizon übernommen. Mehr

25.07.2016, 19:50 Uhr | Wirtschaft
New Yorker Richterin entschied Deutsche Bank nochmal wegen Finanzkrise vor Gericht

Hat die Deutsche Bank gegenüber Kunden Risiken des amerikanischen Hypothekenmarktes verheimlicht? Eine entsprechende Klage kommt in New York vor Gericht - zumindest teilweise. Mehr

26.07.2016, 07:44 Uhr | Wirtschaft
Olympia in Rio Mutmaßliche IS-Unterstützer verhaftet

Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat die brasilianische Polizei am Donnerstag zehn Verdächtige festgenommen, die möglicherweise einen Anschlag während der Sportveranstaltung geplant haben. Justizminister Alexandre Moraes sagte am Donnerstag, dass die Mitglieder der Gruppe nach bisherigen Erkenntnissen die Extremistenmiliz Islamischer Staat unterstützt hätten. Mehr

22.07.2016, 15:17 Uhr | Politik
Trotz Brexit EZB lässt Leitzins auf null Prozent

Die Briten haben für den Austritt aus der EU gestimmt. Entgegen vereinzelter Spekulation lassen die Euro-Währungshüter aber alle Zinsen da, wo sie sind. Mehr

21.07.2016, 14:30 Uhr | Aktuell

Die Chancen der „Gig-Economy“

Von Britta Beeger

Fest angestellt sind Lieferanten von Online-Plattformen wie Uber meist nicht. Ihre Arbeitskräfte abzusichern, kann sich für Vermittlungsdienste jedoch lohnen. Mehr 2

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Vier Milliarden für die Türkei

Die Europäische Union lockt Beitrittsländer mit Geld. Vor allem die Türkei hat viel Geld in Aussicht gestellt bekommen für die nächsten Jahre. Mehr 16